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Angst 2.0: Wie gross und mächtig sind Google, Facebook und Co. wirklich?

Trotz des jüngsten Ausfalls von Facebook und WhatsApp erscheint die Machtkonzentration von wenigen grossen Tech-Unternehmen grösser denn je. Wie stark beeinflussen Google und Co. unser Konsumverhalten und Leben? Nicole Büttner, Peter Leppelt und Darius Zumstein blicken vorsichtig, aber optimistisch in die Zukunft.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Privatsphäre und Demokratie» lud die ZHAW als drei Keynote-Speaker Nicole Büttner, Peter Leppelt und Darius Zumstein ein, um über die Machtkonzentration von grossen Tech-Unternehmen wie Google und Facebook zu sprechen. Kaum jemand kommt an diesen Unternehmen im Alltag vorbei. Als Konsequenz verleihen wir ihnen mit unserem Konsumverhalten einen enormen Einfluss auf unser Privatleben aber auch auf die Politik und die Wirtschaft.

Sind unsere Ängste völlig unbegründet?

Darius Zumstein, Dozent am Institut für Marketing Management der ZHAW School of Management and Law, betrachtet das Thema mit einer «digitalen Marketing-Brille». Er halte die Ängste vor Tech-Konzernen für mehrheitlich unbegründet, weil jedes Unternehmen ein grosses Interesse daran habe, ihre Daten im Sinne der Nutzenden einzusetzen. «Eine Firma muss vertrauensvoll mit Daten umgehen und das wird meistens auch getan», erklärte Zumstein in seinem Keynote-Vortrag. Für «schwarze Schafe» sei es riskant, nicht datenschutzkonform zu handeln, da die Kundinnen und Kunden jederzeit zur Konkurrenz wechseln können, wenn mit ihren Daten nicht vertrauensvoll umgegangen werde. Daher betonte Zumstein auch den Nutzen von Alternativen, um der Monopolstellung von wenigen Firmen entgegen zu wirken. Dabei sei auch der internationale Zusammenhalt wichtig. «Tech-Giganten kann man nicht lokal regeln, sondern nur gemeinschaftlich über den ganzen Planeten», sagte Zumstein.

Ethik ist wichtiger als Compliance

Peter Leppelts Ansätze waren ein Gegenpol zu Zumsteins zuversichtlichen Thesen. Der Unternehmensgründer sowie Berater für IT-Security, Datenschutz und Unternehmenskultur erklärte IT-Entwicklungsprozesse auf allgemeinverständliche Art. Er stellte dar, dass Juristinnen und Juristen häufig ein Verständnisproblem bei komplexen IT-Zusammenhängen hätten. Weil Unternehmen wiederum möglichst wenig für Datenschutz und ganz insbesondere für Softwareentwicklung ausgeben möchten, gehe die IT-Industrie darauf ein, indem sie kurzfristige und unzureichende Lösungen anböte. Hier spiele auch die Politik eine entscheidende Rolle, da sie kurzfristige Lösungen bevorzuge. «Ethik ist wichtiger als Compliance, das sollten alle Branchen im Hinterkopf behalten», sagte Leppelt. Als Beispiel nannte er die deutsche «luca»-App zur Kontaktverfolgung, die kurz nach ihrem Erscheinen von vielen Security-Expertinnen und -Experten «zerfetzt» worden sei, aber dennoch in vielen Bundesländern finanziert und eingesetzt wird.

Seine skizzierte Lösung liegt darin, politische Anreize für langfristiges Denken zu schaffen und mehr objektive und neutrale Expertise zu würdigen. «Der sinnvolle Weg wäre, ernsthaft gute Systeme bauen, aber das dauert lange und kostet viel Geld», sagte Leppelt.

Technologie als Renaissance der Menschlichkeit

Nicole Büttner, Volkswirtin, Unternehmerin und Tech-Optimistin, unterstrich die Wichtigkeit nach einer kollektiven Vision im Umgang mit digitalen Technologien. «Das wichtige ist, dass es eine Diskussion gibt und wir uns damit auseinandersetzen, was wir eigentlich wollen als Gesellschaft» betonte sie gleich zu Beginn ihrer Präsentation. Sie äusserte sich kritisch hinsichtlich mancher Auswirkungen der digitalisierten Welt und betonte die wichtige Rolle von Whistleblowerinnen, die Kritik an Google und Facebook üben. «Ich hoffe, dass sich dadurch der Blick auf diese Unternehmen ändert. Denn wir haben ja überhaupt keine Vorstellung davon, was in diesen Technologie-Konzernen passiert.»

Gleichzeitig glaubt sie aber nicht an die Rückkehr in eine technologiefreie Zeit. Stattdessen geht sie der Frage nach, wie wir die Technologie in den Dienst der Menschheit, Gesellschaft und Demokratie stellen können. Hierfür sei eine gemeinsame Vision ausschlaggebend. «Ich sehe Technologie als eine Renaissance der Menschlichkeit», erklärte Büttner. Dazu gehöre auch die «digitale Souveränität», also der Aufbau von unabhängigen Infrastrukturen. «Solche Infrastrukturen zu schaffen ist der Auftrag von Staaten. Das verlangen wir beim Verkehr, bei der Gesundheit und bei der Bildung; das müssen wir auch bei digitaler Infrastruktur verlangen und dem müssen die Staaten gemeinschaftlich nachkommen.»

Über die Veranstaltungsreihe «Privatsphäre und Demokratie»

Welchen Einfluss hat die digitale Transformation auf unsere Gesellschaft? Und welche Rolle spielen unsere Daten und der Datenschutz dabei? ZHAW digital widmet sich in der diesjährigen Veranstaltungsreihe dem Thema «Privatsphäre und Demokratie».

Die nächsten Veranstaltungen finden am 9. November (Thema: «Schöne neue, einsame Welt» und 18. November (Thema: «Hass via Messenger: Hate Speech, politische Polarisierung und Demokratie») statt.