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Assessment zur Beurteilung der Fahreignung: Empfehlungen für die Schweiz

Ergebnis

Die Resultate des Projekts haben ergeben, dass Autofahren eine komplexe Tätigkeit ist, die auf mehreren kognitiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit und visuell-motorische Koordination beruht. Kognitive Beeinträchtigungen, sei es aufgrund neurodegenerativer Erkrankungen, erworbener Hirnverletzungen oder des normalen Alterungsprozesses, können die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Allerdings sind kognitive Tests allein nur eingeschränkt geeignet, die tatsächliche Fahrleistung im realen Straßenverkehr vorherzusagen. Es besteht nur begrenzter Konsens darüber, wie kognitive, verhaltensbezogene und funktionelle Beurteilungen in Entscheidungen über die Fahreignung integriert werden sollen. Daher müssen Entscheidungen über die Fahreignung funktionelle Assessments, klinisches Urteilsvermögen und Fahrproben im Straßenverkehr in einem multidisziplinären Ansatz miteinander verbinden.

Das Fehlen klarer Kommunikationswege zwischen den beteiligten Fachpersonen, das Fehlen klar definierter Rollen und Verantwortlichkeiten für jede einzelne Person sowie das Fehlen von Kompensationsprogrammen (um Menschen beim Weiterfahren zu unterstützen oder ihnen beim Aufhören zu helfen) führen dazu, dass die Frage der Fahreignung bei Menschen mit kognitiven Störungen uneinheitlich und unfair gehandhabt wird. Darüber hinaus gibt es nur wenige groß angelegte, qualitativ hochwertige Studien, die als Grundlage für Interventionen oder Kompensationsmaßnahmen dienen können. Es besteht ein Mangel an Harmonisierung auf nationaler Ebene, ein eingeschränkter Zugang zu qualifizierten Fachpersonen sowie eine unzureichende interprofessionelle Kommunikation. Regionale Unterschiede erschweren zusätzlich den Zugang zu einem fairen Begutachtungsverfahren.

Beschreibung

Hintergrund

Autofahren ermöglicht Freiheit und Flexibilität, erleichtert soziale Kontakte und macht Orte erreichbar. Jedoch kann bei kognitiven Beeinträchtigungen (z.B. einer erworbenen Hirnschädigung oder Demenz) die Fähigkeit zum Autofahren in Frage gestellt werden. Ein Fahrverbot kann zu Einsamkeit und Gesundheitsproblemen (z.B. Depressionen, geringem Selbstwertgefühl) oder Abhängigkeit führen. Dies kann die soziale Teilhabe beeinträchtigen und sogar den Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim notwendig machen. Daher ist die Beurteilung der Fahreignung eine Herausforderung, die von öffentlichem Interesse ist und die Lösungen erfordert, um die negativen Folgen eines Fahrverbots zu mildern.

Ziele

  • Beschreibung der schweizerischen Situation bezüglich der Beurteilung der Fahreignung und der Kompensationsmassnahmen
  • Entwicklung einer Entscheidungshilfe für die Beurteilung der Fahreignung
  • Bewertung der in der Schweiz und im Ausland verfügbaren Kompensationsmassnahmen und Bereitstellung von Einschlusskriterien
  • Bewertung wie autonome Fahrzeuge kognitive Beeinträchtigungen kompensieren können
  • Formulierung von Empfehlungen für die Schweiz

Methode

Um diese Ziele zu erreichen, wurdedas Projekt in drei Teilprojekte gegliedert:

  1. Erstellung einer kriterienbasierten Entscheidungshilfe: Entscheidungsverfahren mit einem Entscheidungsbaum, um Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen in vier Eignungsstufen einzuteilen.

  2. Beschreibung der aktuellen Situation in den Schweizer Kantonen: Analyse der aktuellen Praxis in den Schweizer Kantonen bezüglich der Personen, die die Fahreignung beurteilen, der verwendeten Instrumente, der Verfahren und der aktuellen Entscheidungsfindung. Ausserdem identifizierten wir verfügbare Kompensationsmassnahmen (z.B. Programm zur Förderung der Fahreignung oder zur Begleitung des Prozesses nach dem Führerscheinentzug) in der Schweiz und verglichen sie mit internationalen Ansätzen.

  3. Untersuchung, ob die Automatisierung von Fahrzeugen eine mögliche Lösung bei Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen darstellen könnte.

Eckdaten

Projektleitung

Prof. Dr. Brigitte Gantschnig, Prof. Dr. Isabel Margot Cattin

Stellv. Projektleitung

Dr. Christian Palmiere

Co-Projektleitung

Projektteam

Sabrina Carlier, Nadia Reber, Jean-Bernard Chassot, Dr. Romain Bertrand, Prof. Peter Affolter, Prof. Dr. Pierre Margot-Cattin, Dr. Philippe Schneider

Projektpartner

Haute école de travail social et de la santé Lausanne HETSL; Centre hospitalier universitaire vaudois CHUV; Berner Fachhochschule BFH; Fédération romande des écoles de conduite

Projektstatus

abgeschlossen, 05/2023 - 07/2025

Institut/Zentrum

Institut für Ergotherapie (IER)

Drittmittelgeber

Bundesamt für Strassen ASTRA