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Neues Paper untersucht Karrieren von Künstlerinnen

Wie stark bestimmen Museumsausstellungen die Auktionspreise von Künstlerinnen? Das neue Working Paper von Dr. Laura Johanna Noll (ZHAW) und Dr. Matthias Sahli (BFH) liefert erstmals belastbare empirische Antworten – und zeigt, warum institutionelle Sichtbarkeit für künstlerische Karrieren langfristig entscheidend ist.

Das Paper „Careers of Female Artists: Gender Bias in Institutional Visibility and Secondary Market Outcomes“ von Dr. Laura Johanna Noll, stellvertretende Leiterin des Zentrums für Kulturmanagement (ZKM) an der ZHAW School of Management and Law, und Dr. Matthias Sahli vom Department Wirtschaft der Berner Fachhochschule ist in der Association for Cultural Economics Working Paper Series erschienen.

Dr. Laura Johanna Noll forscht seit 15 Jahren an der Schnittstelle von Kunstmarkt und Kulturökonomie. Ihre Forschung verbindet quantitative Marktanalysen mit tiefgehender Praxiskenntnis aus der Zusammenarbeit mit Kunstmessen, Museen, Galerien und Auktionshäusern, etwa mit Art Basel, Museum Brandhorst, Christie’s und Grisebach. Diese Verbindung von Wissenschaft und Praxis prägt auch das vorliegende Paper, das sich der Frage widmet, wie institutionelle Entscheidungen Kunstkarrieren und Auktionspreise von Künstlerinnen und Künstlern langfristig strukturieren.

Ausstellungen bieten mehr als kulturelle Sichtbarkeit: Sie fungieren als strategische Weichenstellungen, die Marktchancen, Preise und Karriereverläufe von Künstlerinnen und Künstlern über Jahre hinweg beeinflussen.

Vom Museum zur Auktion: Sichtbarkeit als Karrierefaktor

Die Studie analysiert systematisch, wie Museumsausstellungen als institutionelle Signale mit späteren Ergebnissen auf dem Sekundärmarkt von Kunstauktionen zusammenhängen. Grundlage sind über 21’000 Ausstellungseinträge sowie rund 33’000 Auktionsverkäufe von Gemälden, die in einem neuartigen longitudinalen Datensatz verknüpft werden.

Die empirischen Ergebnisse lassen sich in drei zentrale Erkenntnisse bündeln:

  1. Strukturelle Sichtbarkeitslücken: Künstlerinnen sind in Museumsausstellungen nach wie vor deutlich seltener präsent – mit direkten Konsequenzen für ihre Marktpositionierung.

  2. Markterfolg ist mehrdimensional: Werke von Künstlerinnen erzielen im Durchschnitt niedrigere Preise bei Kunstauktionen, verzeichnen jedoch eine höhere Verkaufswahrscheinlichkeit. 

  3. Langfristige Effekte institutioneller Entscheidungen: Ausstellungen wirken zeitverzögert. Mehrere Jahre nach einer Ausstellung steigen die Auktionspreise messbar – allerdings vor allem dort, wo institutionelle Anerkennung früh und kontinuierlich erfolgt.

Ein zusätzlicher Analysebaustein untersucht die Auswirkungen der Guerrilla-Girls-Kampagne von 1989. Die Ergebnisse zeigen, dass öffentlicher Druck durchaus kurzfristige Veränderungen in Ausstellungspraxen auslösen kann. Nachhaltige Effekte auf Karrieren und Marktpositionen entstehen jedoch nur dort, wo strukturelle Selektionsmechanismen langfristig verändert werden.

So what? Welche Bedeutung haben die Ergebnisse für den Kulturbereich?

Die Ergebnisse liefern konkrete, praxisrelevante Einsichten für Kunstinstitutionen, Kurator:innen, Kunstexpert:innen und Sammler:innen:

  • Kuratorische Entscheidungen wirken am Markt weiter. Wer ausstellt, beeinflusst nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch spätere Preisentwicklungen und Marktchancen.

  • Karrieren entstehen über Zeit. Einzelne Ausstellungen sind wichtig, entfalten ihre ökonomische Wirkung jedoch oft erst Jahre später.

  • Marktpotenziale werden unterschätzt. Die hohe Verkaufswahrscheinlichkeit von Werken von Künstlerinnen weist – trotz geringerer Preise – auf stabile Nachfrage sowie ggf. eine Unterschätzung der Preise für Werke von Künstlerinnen hin.

  • Strategisches Kulturmanagement ist zentral. Institutionen gestalten durch ihre Auswahlprozesse aktiv Karrierepfade und Marktstrukturen – meist langfristiger, als ihnen bewusst ist.

Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur internationalen Forschung zu künstlerischen Karrieren, institutioneller Sichtbarkeit und Auktionspreisen und unterstreicht zugleich die praxisorientierte Forschungsausrichtung des ZKM.

Zur Publikation

Das Working Paper ist online frei zugänglich: 🔗 https://ideas.repec.org/p/cue/wpaper/awp-04-2026.html