Eingabe löschen
Zum Inhalt

Hauptnavigation

KI bei der Arbeit: Entlastung bei steigenden Herausforderungen

Zwischen Effizienzgewinn und wachsendem Druck: Fach- und Führungspersonen, die generative künstliche Intelligenz täglich nutzen, nehmen sie überwiegend positiv wahr. Doch sie äussern auch einen steigenden Erwartungsdruck und sind unsicher in rechtlichen und technischen Fragen, wie eine Studie der ZHAW ergeben hat.

Mit zunehmender Nutzung verschiebt sich das Bild von generativer KI von einem Effizienz-Tool hin zu einem strukturellen Treiber von Arbeitsveränderung. Das zeigt eine qualitative Studie der ZHAW, die die Auswirkungen der täglichen Nutzung von generativer KI (GenKI) bei der Arbeit erforscht hat.

Nutzung: Werkzeug und Instrument zur Reflexion

Die Befragten, 19 Männer und 11 Frauen, die bis auf eine Person alle in der Schweiz tätig sind, nutzen Tools wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Copilot als Werkzeug und als Assistent:in, um effizienter zu arbeiten und die Qualität der Arbeit zu verbessern. Die Instrumente werden verwendet, um Texte zu erstellen, zu überarbeiten, Informationen zu strukturieren oder Ideen zu entwickeln. Intensivnutzende setzen GenKI verstärkt auch als Sparringspartner:in oder Expert:in ein, um eigene Gedanken zu spiegeln oder zu reflektieren. Eine Personifizierung der Technologie, so dass das Instrument also als ein Teammitglied angesehen wird, war hingegen die Ausnahme.

«Wenngleich ein Teil der Befragten steigende Erwartungen an Produktivität und den Druck, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten, als belastend empfindet, wird GenKI überwiegend als entlastend erlebt»

Julia Kornfeind, Co-Studienleiterin.

Psychologische Auswirkungen: Stolz und Entlastung

Die Nutzung von GenKI rief durchaus positive Gefühle hervor: Freude und Erleichterung angesichts der Ergebnisqualität von GenKI, Stolz, wenn dies zu höherer Qualität, effizienteren Arbeitsprozessen oder erfolgreichen Problemlösungen führte. «Wenngleich ein Teil der Befragten steigende Erwartungen an Produktivität und den Druck, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten, als belastend empfindet, wird GenKI überwiegend als entlastend erlebt», sagt Julia Kornfeind, Co-Studienleiterin.

Aufgaben und Rollen: Gesteigerte Effizienz bei Routinearbeit

GenKI wird vor allem für Routinetätigkeiten eingesetzt: die Arbeiten werden schneller erledigt, der Output steigt. Gut die Hälfte der Teilnehmenden empfindet die eigene Arbeit durch den Einsatz von GenKI als wertvoller. Bislang scheint sich vor allem die Arbeitsweise geändert zu haben, seltener die Rollen der Befragten im Arbeitsprozess. Zudem zeigt die Studie, dass GenKI nicht nur Effizienzgewinne ermöglicht, sondern auch zur Kompetenzentwicklung beitragen kann. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Schärfung «GenKI-unterscheidender» Stärken: Kompetenzen wie emotionale Intelligenz, kritisches Kontextwissen und der Aufbau sozialer Netzwerke gewinnen an Bedeutung, um die eigene Rolle in einem KI-geprägten Arbeitsumfeld aktiv und zukunftssicher zu positionieren.

«Damit die ständige Verfügbarkeit von GenKI den persönlichen Austausch nicht schleichend verdrängt, sollten Teams gezielt Räume für gemeinsames Lernen und informellen Erfahrungsaustausch schaffen.»

Dr. Anna-Lena Majkovic, Co-Studienleiterin

Teamarbeit: Bewusste Förderung nötig

Die Auswirkungen auf Kommunikation und Zusammenarbeit im Team werden unterschiedlich wahrgenommen: Während etwa die Hälfte der Befragten Veränderungen feststellt, sieht die andere Hälfte bislang keine spürbaren Effekte. Beobachtete Veränderungen werden überwiegend positiv bewertet, etwa durch effizientere Zusammenarbeit oder eine höhere Qualität schriftlicher Kommunikation. Gleichzeitig berichten einige Befragte aber auch von einem geringeren Austausch im Team. Die Nutzung erfolgt überwiegend individuell, eher selten wird GenKI gemeinsam mit Kolleg:innen verwendet. «Damit die ständige Verfügbarkeit von GenKI den persönlichen Austausch nicht schleichend verdrängt, sollten Teams gezielt Räume für gemeinsames Lernen und informellen Erfahrungsaustausch schaffen. Die Einführung neuer Arbeitsweisen erfordert zudem offene Gespräche über Rollenveränderungen, Verantwortlichkeiten sowie die Grenzen des Einsatzes von GenKI», sagt Dr. Anna-Lena Majkovic, Co-Studienleiterin.

Unsicherheiten und organisatorische Mängel

Trotz der routinierten Anwendung bestehen weiterhin substanzielle Unsicherheiten. Diese betreffen primär die Fehleranfälligkeit (Halluzinationen) sowie ungeklärte rechtliche Fragestellungen zum Urheber- und Datenschutz. Dies geht einher mit Lücken auf Organisationsebene: Organisationsweite Vorgaben und strukturierte Einsatzstrategien fehlen noch in einigen Organisationen oder sind noch nicht ausreichend kommuniziert.

Mensch und Maschine in der Zukunft

Dennoch sind die Befragten zuversichtlich bezüglich ihrer beruflichen Perspektiven. Die grosse Mehrheit der Befragten begreift die Technologie eher als Chance für die persönliche berufliche Entwicklung, auch wenn das Risiko der Substitution von Tätigkeiten durch die GenKI durchaus gesehen wird. Für die Zukunft bevorzugen die Befragten eine komplementäre Zusammenarbeit, in der das Individuum weiterhin Kontrolle und Verantwortung übernimmt und GenKI als Werkzeug unterstützt.

Kontakt

Dr. Anna-Lena Majkovic, Co-Studienleiterin, ZHAW IAP Institut für Angewandte Psychologie, anna-lena.majkovic@zhaw.ch

Julia Kornfeind, Co-Studienleiterin, ZHAW IAP Institut für Angewandte Psychologie, juliamaria.kornfeind@zhaw.ch

Nina Aemisegger, Stv. Leiterin Kommunikation, ZHAW Angewandte Psychologie,  058 934 80 35, nina.aemisegger@zhaw.ch