Kurzaktivierung ohne Material
Die Reihe «Kurzaktivierungen ohne Material. Last-Minute-Ideen» (Frühling bis Winter) von Natali Mallek und Annika Schneider bietet kurze, klar strukturierte Aktivierungsangebote für Menschen im Alter, die sich besonders für Situationen mit wenig Zeit und ohne Vorbereitungsaufwand eignen.
Eine Rezension von Gaby Hasler Herzberg
Jedes Buch enthält rund 30 jahreszeitliche Themen, die als Kurzbegegnungen konzipiert sind (z.B. Melonen, Bootsfahrten, Herbstspaziergänge, Winterbräuche). Jede Kurzaktivierung folgt demselben Aufbau mit Bausteinen:
- Kurze Einstiegsszene («So war das damals»)
- Gesprächsimpulse
- Wissensbaustein («Wussten Sie das?»)
- Kleine Rätselideen
- Hinweise «Das passt noch» (Lieder, Gedichte, Filme usw.).
Sämtliche Angebote kommen ohne zusätzliche Materialien aus und nutzen vor allem Sprache, Erinnerung und Alltagswissen.
Im Zentrum stehen biografieorientierte Gespräche, kleine kognitive Impulse (Wortfindung, Assoziationen, Sprichwörter, Fragen) und das Erleben von angenehmer, zugewandter Aufmerksamkeit. Die Autorinnen betonen eine wertschätzende Haltung, lebensweltnahe Themen und die Möglichkeit, auch Menschen mit Demenz in überschaubarer Form einzubeziehen. Die Übungen sind niedrigschwellig, kurz, leicht variierbar und damit gut für heterogene Gruppen oder 1:1‑Situationen geeignet.
Dipl. Aktivierungsfachpersonen HF können die Reihe als Ideensammlung für 10‑Minuten‑Aktivierungen, Tür‑ und Angel‑Situationen oder als Einstieg/Abschluss von Gruppenstunden nutzen und sie leicht in bestehende Konzepte integrieren.
Für Mitarbeitende mit praktischer Erfahrung in Aktivierung bietet der einheitliche Aufbau Sicherheit und Orientierung. Freiwillige Mitarbeitende können mit den Büchern arbeiten, wenn eine Fachperson die Auswahl, Anpassung und Einbettung in den Betreuungsalltag begleitet.
Stärken sind der hohe Praxisbezug, die klare, wiedererkennbare Struktur, der Verzicht auf Zusatzmaterial, die starke Biografieorientierung und die gute Einsetzbarkeit auch bei Menschen mit Demenz.
Kritisch ist zu sehen, dass die Reihe keine vertiefte theoretische Fundierung, keine systematische Darstellung von Zielen oder differenzierte Hinweise zur Anpassung an sehr unterschiedliche Leistungsniveaus bietet. Am überzeugendsten wirkt das Material, wenn Aktivierungsfachpersonen es als flexiblen Ideenkoffer für kurze, qualitativ gute Begegnungsmomente nutzen und mit ihrem eigenen fachlichen Know-how verbinden.
Die Ideen bewegen sich alle im Rahmen der gängigen, alltäglichen Aktivierung. Persönlich hätte ich mir mehr «freche», bewegte, lustige und kreative Ideen gewünscht. Diese Bücher haben den Ansatz von «Betty Bossi»: gelingt immer.
Alle Bücher der vorgestellten Reihe «Kurzaktivierungen ohne Material» in ZHAW swisscovery
Zur Rezensentin
Gaby Hasler Herzberg ist Spielagogin und Mitinhaberin von spielbar® Hasler & Herzberg. Ihre Leidenschaft sind Spiele für Menschen im Alter.