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Erfahrungen mit Diskriminierung und positiver Behandlung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit psychischen Problemen: Entwicklung und Validierung eines Messinstruments (ADAPT-MH)

Die psychische Belastung junger Menschen steigt – doch ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Unterstützung sind kaum systematisch erfasst. Ein partizipativ entwickelter Fragebogen soll diese Lücke schliessen und erstmals ein differenziertes, zeitgemässes Bild liefern.

Beschreibung

Hintergrund

Die psychische Belastung junger Menschen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Trotz wachsender Offenheit gegenüber psychischen Problemen erleben viele junge Betroffene weiterhin Diskriminierung – im familiären Umfeld, unter Freunden oder in Ausbildungskontexten. Gleichzeitig berichten sie auch von unterstützenden Reaktionen, die solche Belastungen abfedern können. Bislang fehlen jedoch systematische Daten zu diesen Erfahrungen, insbesondere aufgrund des Mangels an geeigneten, validierten und zeitgemässen Erhebungsinstrumenten.

Ziele

Das vorliegende Projekt adressiert diese Forschungslücke, indem es gemeinsam mit betroffenen jungen Menschen einen Fragebogen zur Erfassung von Diskriminierungs- und Unterstützungserfahrungen entwickelt und validiert.

Die Innovation liegt in drei Aspekten:

  1. Partizipation: Betroffene sind aktiv in zentrale Phasen der Instrumentenentwicklung eingebunden.
  2. Differenzierte Perspektive: Das Instrument erfasst erstmals sowohl diskriminierende als auch unterstützende Erfahrungen und ermöglicht damit eine umfassende Sichtweise.
  3. Aktualität: Neue und bislang wenig berücksichtigte Kontexte (z. B. digitale Medien) sowie aktuelle Formen von Diskriminierung und Unterstützung – etwa subtilere, gut gemeinte, aber von Betroffenen negativ wahrgenommene Bevormundung – werden berücksichtigt.

Mit dem neu entwickelten Instrument wird es möglich, die Erfahrungen betroffener junger Menschen differenziert zu erfassen und durch seine Anwendung eine belastbare Datengrundlage für die zukünftige Forschung und Praxis zu schaffen. Gleichzeitig liefert das Projekt bereits während der Entwicklung wichtige Erkenntnisse darüber, in welchen Kontexten junge Menschen heute sowohl positive als auch negative Reaktionen erleben.

Methode

Die Entwicklung des Fragebogens erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Systematische Literaturübersicht und Erstellung eines initialen Itempools (ca. 100–150 Items)
  2. Partizipative Workshops mit Betroffenen zur Reduktion redundanter oder irrelevanter Items sowie zur Ergänzung neuer Inhalte (Ziel: ca. 50–80 Items)
  3. Delphi-Prozess mit Expert:innen, inkl. Betroffenen zur weiteren Verdichtung (Ziel: 30–50 Items)
  4. Kognitives Debriefing und Pretest mit jungen Personen zur Optimierung;
  5. Validierungsstudie (n = 600) in zwei Sprachregionen (D-CH, F-CH) und zwei Altersgruppen (15–18; 19–25 Jahre) sowie abschliessende Anpassung des Fragebogens anhand psychometrischer Kriterien.

Der systematische und partizipative Ansatz gewährleistet sowohl eine hohe wissenschaftliche Qualität als auch eine gute Anwendbarkeit des Fragebogens in Forschung und Praxis.

Erwartete Resultate

Mit dem neu entwickelten Instrument wird es möglich sein, die Erfahrungen betroffener junger Menschen differenziert zu erfassen. Es wird angenommen, dass digitale Medien – die in bestehenden Instrumenten zu Diskriminierungserfahrungen bislang nicht berücksichtigt werden – von jungen Betroffenen als zentrale Kontexte für Diskriminierung und Unterstützung identifiziert werden.

Das im Rahmen des Projekts entwickelte Instrument wird frei zugänglich gemacht und kann in Forschung und Praxis eingesetzt werden. Die Daten aus künftigen Studien mit diesem Fragebogen ermöglichen die Entwicklung gezielter, evidenzbasierter Massnahmen zur Reduktion von Diskriminierung sowie zur Stärkung unterstützender Reaktionen.

Darüber hinaus werden im Projektverlauf neue Hinweise auf aktuell relevante Kontexte gewonnen, die in Forschung und Praxis besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Eckdaten

Projektleitung

Projektteam

Gregor Waller, Prof. Dr. Simone Munsch (Universität Freiburg), Prof. Dr. Nadine Messerli-Bürgy (Université de Lausanne), Remo Schraner (Universität Basel), Prof. Dr. Nicolas Rüsch (Universität Ulm), Prof. Dr. Anthony Jorm (University of Melbourne), Daniela Schuler (Schweizerisches Gesundheitsobservatorium OBSAN)

Projektpartner

Universität Freiburg / Departement für Psychologie; Universität Basel / Fakultät für Psychologie; Université de Lausanne / Institut für Psychologie; Schweizerisches Gesundheitsobservatorium OBSAN; Universität Ulm; University of Melbourne

Projektstatus

laufend, gestartet 08/2026

Institut/Zentrum

Institut für Public Health (IPH); Institut für Mensch, Gesellschaft und Technologien (IMGT)

Drittmittelgeber

Palatin-Stiftung