TeamBirth Lab - Ein interdisziplinäres Lab zur Förderung personenzentrierter Entscheidungsfindung in der Geburtshilfe
Die reproduktive Gesundheit in der Schweiz spiegelt zentrale Spannungsfelder moderner Gesundheitsversorgung wieder: hohe Interventionsraten bei gleichzeitig stagnierender Qualitätsentwicklung. Mit Kaiserschnitt- und Einleitungsraten weit über den WHO-Empfehlungen von 10-15 % steht die Schweiz im europäischen Vergleich an der Spitze.
Beschreibung
Eingeschränkte Autonomie und mangelnde Partizipation erhöhen das Risiko für postpartale psychische Komplikationen wie Depression, Angst oder Traumafolgen (Arnold et al., 2025; Deherder et al., 2022) und beeinträchtigen Still- und Bindungsprozesse sowie das familiäre Wohlbefinden (Cook et al., 2018; Holopainen et al., 2020).
Zudem zeichnen aktuelle Daten zu Gewalt- und zu Zwangserfahrungen während der Geburt ein besorgniserregendes Bild. Über ein Viertel der Gebärenden in der Schweiz berichtet über Formen informeller oder struktureller Gewalt, fehlende Mitbestimmung und mangelnde Transparenz im Geburtsverlauf (Oelhafen et al., 2021).
Aus Sicht der Community Health ist Geburtshilfe als Teil einer integrierten, bio-psycho-sozial verstandenen Versorgung zu begreifen, ein Ansatz, der medizinische, psychologische und soziale Dimensionen gleichermassen berücksichtigt. Das TeamBirth Lab zielt darauf ab, diese integrative Perspektive in Forschung, Lehre und Praxis strukturell zu verankern. Eine qualitativ hochwertige, gesundheitsfördernde Versorgung erfordert daher Strukturen, die Bedürfnisse, Werte und Ressourcen der Gebärenden und deren Begleitpersonen aktiv einbeziehen und die Gesundheitskompetenz stärken.
Hier setzt TeamBirth an - ein von Ariadne Labs (Harvard T.H. Chan School of Public Health) entwickeltes, international erprobtes Modell zur strukturierten und partizipativen Entscheidungsfindung während der Geburt (Aggarwal et al., 2021). Das Modell basiert auf sogenannten Huddles: kurzen, klar strukturierten Besprechungen zwischen gebärender Person, deren Begleitung, Hebammen, Ärzt:innen und Pflegefachpersonen, in denen Handlungsoptionen transparent dargestellt, Entscheidungen gemeinsam besprochen und Versorgungsschritte abgestimmt werden.
Das Projekt TeamBirth Switzerland adaptiert ein international etabliertes Modell für partizipative Geburtshilfe an den Schweizer Kontext. Im Rahmen des Community Health Calls 2025 wird das TeamBirth Lab am Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG) aufgebaut. Das Lab dient als interdisziplinäre Plattform im Thetriz zur Entwicklung von eLearning Modulen und Simulationstrainings, die Lehre, Forschung und Praxis verbinden.
Ziel ist es, partizipative Kommunikations- und Entscheidungsprozesse in der Geburtshilfe zu fördern, die Zusammenarbeit zwischen Fachpersonen und Bildungsbereichen zu stärken und neue Qualitätsstandards für eine sichere, respektvolle und ressourcenschonende Versorgung im Sinne der ZHAW-Community-Health-Strategie zu etablieren.
Eckdaten
Projektleitung
Co-Projektleitung
Prof. Dr. Jessica Pehlke-Milde, Karin Brendel, Dr. Gabriella Stocker (Stadtspital Zürich), Nathalie Colling (Stadtspital Zürich), Tamara Bonc (Stadtspital Zürich)
Projektteam
Katja Geiger, Petra Katrin Oberndörfer, Dr. Natalia Conde (Stadtspital Zürich), Dr. Nadja Bosshard (Stadtspital Zürich)
Projektpartner
Stadtspital Zürich / Triemli
Projektstatus
laufend, gestartet 12/2025
Institut/Zentrum
Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG)
Drittmittelgeber
Programm «Community Health»