Eingabe löschen
Zum Inhalt

Hauptnavigation

Zürcher Hochschule
für Angewandte
Wissenschaften

Servicenavigation

Multilingual Open Science: Verbesserung der Auffindbarkeit von Übersetzungen in den Bibliothekskatalogen der Schweiz (TransDiscoverability)

Beschreibung

Übersetzte Texte – seien es Übersetzungen wissenschaftlicher Werke wie Ferdinand de Saussures „Cours de linguistique générale“ oder literarischer Werke wie Ingeborg Bachmanns „Die Anrufung des großen Bärens“ – sind derzeit in Schweizer Bibliothekskatalogen und weltweit nur unzureichend auffindbar. Diese mangelnde Auffindbarkeit hängt auf technischer Ebene mit Praktiken der Datenverwaltung und -abfrage zusammen, doch was diese Praktiken nährt, ist eine lange und tief verwurzelte Tradition, in der übersetzte Texte als zweitrangig, abgeleitet und unzuverlässig angesehen werden. Die digitale Transformation bietet die Chance, unsere Wahrnehmung von übersetzten Texten zu verändern und eine neue bibliografische Praxis sowie eine neue Geistesgeschichte zu gestalten. Die Übersetzungswissenschaft hat längst festgestellt, dass Übersetzen ein motivierter und häufig ideologischer Akt ist, der Texte einer „Manipulation“ unterwirft (Lefevere 1992). Da Übersetzen nichts „Neutrales“ an sich hat und Neutralität beim Übersetzen tatsächlich weder möglich noch wünschenswert ist, ist der Zugang zu Metadaten von Übersetzungen nicht nur eine Voraussetzung für einige der Kernaktivitäten akademischer Forscher:innen aller Disziplinen, sondern auch eine Voraussetzung für eine wirklich offene Wissenschaft. Dieses Projekt schlägt vor, dieses Problem zunächst in der Schweiz anzugehen, wo die kollektive Mehrsprachigkeit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern auf etwas fortschrittlichere Datenmanagementprozesse im Zusammenhang mit Übersetzungen hindeutet.

Dieses Projekt bietet die Gelegenheit, die seit langem bestehende und tief verwurzelte Auffassung, dass übersetzte Texte als zweitrangig, abgeleitet und unzuverlässig gelten, durch die Optimierung von Übersetzungsmetadaten zu überwinden. Es wirft zudem die Frage auf: Kann eine KI-Ergänzung die Auffindbarkeit von Übersetzungen in bestehenden Bibliothekskatalogen verbessern? Das ultimative Ziel besteht darin, einen dauerhaften Wandel in der digitalen Auffindbarkeit von Übersetzungen zu bewirken und damit die Integrität der Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu gewährleisten, die auf Informationen und Erkenntnissen aus übersetzten Texten beruht. Die schlechte Auffindbarkeit von Übersetzungen in Bibliothekskatalogen ist eine erhebliche Schwäche der globalen Wissensinfrastruktur. Sie stellt ein Hindernis für die Verwirklichung von mindestens drei weltweit vereinbarten Prinzipien dar: Open Science, da sie dem „Austausch von Informationen zum Wohle von Wissenschaft und Gesellschaft“ (UNESCO 2023) nicht gerecht wird; der digitalen Inklusion, da die Stimmen derer, „die nicht in vollem Umfang von den digitalen Möglichkeiten profitieren“, ungehört bleiben (Vereinte Nationen 2020) – zu diesen Stimmen gehören Wissenschaftler:innen und Autor:innen aus Teilen der Welt, die auf Übersetzungen angewiesen sind, um von einem globalen Publikum wahrgenommen zu werden, aber auch die Stimmen von Übersetzer:innen, deren Arbeit häufig unbeachtet bleibt –; und die digitale Zusammenarbeit, da die aufgedeckten Praktiken ein Beispiel für die „Fragmentierung“ von Wissensinfrastrukturen und für unzureichende Steuerung darstellen (Vereinte Nationen 2021). Da die Welt zunehmend digital wird und mehr Menschen als jemals zuvor Zugang zu Daten haben, sind die Genauigkeit und Vollständigkeit von Daten ein Thema von grosser Bedeutung. Open Science ist auf robuste digitale Infrastrukturen angewiesen und wird durch nachlässige Praktiken wie die unzureichende Katalogisierung von Übersetzungen untergraben. Auch hier stehen die Ziele dieses Projekts im Einklang mit der Agenda 2030 der UNESCO, deren neuntes Ziel ausdrücklich Industrie, Innovation und Infrastruktur hervorhebt.

 

 

Eckdaten

Projektleitung

Projektstatus

laufend, gestartet 07/2026

Institut/Zentrum

Institut für Mehrsprachige Kommunikation (IMK)

Drittmittelgeber

Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen DIZH / DIZH Fellows 2026

Projektvolumen

50'000 CHF