Nationale Statistik der Mütter- und Väterberatung in der Schweiz
Im Projekt "Nationale Statistik der Mütter- und Väterberatung in der Schweiz" wurden 64 Datensätze von 77 Organisationen ausgewertet. Die auswertbaren Daten zeigten für das Jahr 2024 insgesamt 222'842 Beratungen, die sich auf 37'797 Familien und 53'794 Kinder bezogen.
Ergebnis
Die auswertbaren Daten zeigten für das Jahr 2024 insgesamt 222'842 Beratungen, die sich auf 37'797 Familien und 53'794 Kinder bezogen. Die Mehrheit der Mütter (65.2%) und Väter (63.5%) waren zwischen 31 und 40 Jahre alt war. Die Bildung der Eltern wies darauf hin, dass 52.2% der Mütter und 55.8% der Väter eine Berufs- oder Maturitätsausbildung besassen. Die Schweizer Nationalität war bei knapp zwei Dritteln bei beiden Elternteilen am häufigsten vertreten, und Schweizerdeutsch wurde etwa 40% der Mütter und Väter als primäre Sprache angegeben, gefolgt von Italienisch und Deutsch.
Bei den Kindern hatten die Familien im Durchschnitt 1.6 Kinder, wobei die MVB-Beratungen primär für das erste Kind in Anspruch genommen wurden. Die erste MVB-Beratung fand im Durchschnitt 9.5 Wochen nach der Geburt statt, wobei Familien ohne Hebammennachbetreuung früher Unterstützung suchten als solche mit Hebammenbetreuung.
Die Art der Beratungen war vielfältig: 43.9% erfolgten in den Beratungsstellen, 27.2% telefonisch, 12.4% als Hausbesuch und 8.1% online. Fast die Hälfte der Beratungen (47.6%) war kurz (unter 30 Minuten). Die häufigsten Beratungsthemen umfassten Ernährung (36.2%) und Entwicklung des Kindes (35.2%), gefolgt von Pflege/Gesundheit, Messen/Wiegen, Schlaf, Psychosoziales und Informationen, die jeweils rund 20-25% der Anfragen ausmachten. Die Zuweisung zur MVB erfolgte am häufigsten durch die Beratungsstellen selbst (28.2%), Spitäler/Geburtshäuser (27.3%) und Hebammen und Pflegefachpersonen (23%), aber auch durch Selbstzuweisung (16.8%). Im Durchschnitt erhielten Kinder 3.4 Beratungen, wobei die höchste Frequenz in den ersten 20 Lebenswochen beobachtet wurde.
Diskussion und Empfehlungen
Die Nationale Statistik MVB 2024 zeigt die zentrale, niederschwellige und breit abgestützte Rolle der Mütter- und Väterberatung in der frühkindlichen Gesundheitsförderung der Schweiz, welche insbesondere in den ersten Lebensmonaten intensiv genutzt wird. Die vielfältigen Beratungsformen und die gute Vernetzung der MVB mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen ermöglichen eine flexible und koordinierte Familienbetreuung, deren Themen die zentralen Anliegen junger Eltern widerspiegeln.
Die erstmalige Durchführung einer systematischen Analyse zeigte Limitationen durch die Heterogenität der Datensätze, datenschutzbedingte fehlende Variablen und eine nicht vollständige Beteiligung aller Organisationen. Die Ergebnisse bilden einen signifikanten Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der nationalen Datenerhebung.
Für zukünftige Verbesserungen wird eine Harmonisierung der Dokumentationskategorien empfohlen. Darüber hinaus sollten Einverständniserklärungen zur vollständigen Datenerfassung implementiert und die Teilnahme aller Organisationen durch gezielte Aufklärungsarbeit und Unterstützung gefördert werden.
Beschreibung
Hintergrund
Die Mütter- und Väterberatung (MVB) ist schweizweit lokal verankert und gut vernetzt. Sie ist eine zentrale Anlaufstelle für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 0 bis 5 Jahren. Das Angebot der MVB ist niederschwellig und spielt eine wichtige Rolle für die frühkindliche Gesundheitsförderung und die Prävention.
Der Schweizerische Fachverband Mütter- und Väterberatung (SF MVB) lancierte 2015 das Projekt «Nationale Statistik der Mütter- und Väterberatung in der Schweiz», kurz «Nationale Statistik MVB». Das Projekt wurde in zwei Teile unterteilt, die bisher alternierend durchgeführt wurden: 1) die Beratungsstatistik mit Kennzahlen zu den Beratungen und den beratenen Familien und 2) eine Erhebung zu den Strukturen und zum Dienstleistungsangebot der Mütter- und Väterberatungsanbieter. Bisher wurden beide Teilprojekte von der Geschäftsstelle SF MVB geplant und umgesetzt. Neu wurde die «Nationale Statistik MVB» in Kooperation mit der Forschung am Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit der ZHAW weiterentwickelt.
Ziele
Ziele der Kooperation waren die (Neu-) Definition und bei Bedarf Überarbeitung der Instrumente und Prozesse zur Datenerhebung, -auswertung und -analyse, die nachhaltige Qualität und Abstützung des Projekts und die Weiterentwicklung unter Einbezug aller Sprachregionen.
Methode
Für die Statistik 2024 wurden die Indikatoren überarbeitet und ein neuer Indikator «Zuweiser» eingeführt. Informationsveranstaltungen für MVB-Organisationen wurden auf Deutsch, Französisch und Italienisch durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte routinemässig über die Dokumentationssysteme der Beratungsstellen.
Insgesamt konnten 64 Datensätze von 77 Organisationen (entspricht 79.4%) in die Analyse eingeschlossen werden. Die Analyse erfolgte deskriptiv mittels R-Statistikprogramm. Ethische Aspekte wurden geprüft, wobei das Projekt nicht in den Geltungsbereich des Humanforschungsgesetzes fällt.
Eckdaten
Co-Projektleitung
Projektpartner
Schweizerischer Fachverband Mütter- und Väterberatung
Projektstatus
abgeschlossen, 08/2022 - 12/2025
Institut/Zentrum
Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG)
Drittmittelgeber
Schweizerischer Fachverband Mütter- und Väterberatung