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Wie ein digitales Tool nachhaltiges Bauen verständlich macht

ZHAW-Forschende haben ein digitales Werkzeug entwickelt, das nachhaltiges Bauen verständlicher macht. Mit der neuen ZHAW-Plattform dkon.ch können Studierende und Fachpersonen Baukonstruktionen analysieren, vergleichen und selbst entwickeln. Dank der Integration von realen Bauprojekte erhalten Nutzer:innen zudem einen praxisnahen Einblick in die konkrete Umsetzung. Interessierte können dkon.ch ab sofort frei nutzen.

dkon.ch ermöglicht es, Baukonstruktionen interaktiv zu analysieren und zu entwickeln.

Die heutigen Anforderungen an Planung und Umsetzung sind gross: Materialien müssen ökologisch bewertet, Konstruktionen wirtschaftlich optimiert und Bauprozesse effizient gestaltet werden. Dabei basieren viele dieser Entscheidungen nach wie vor auf Erfahrung und Annahmen. Was oft fehlt, ist ein vertieftes Verständnis dafür, welche Auswirkungen einzelne Konstruktionsentscheidungen auf die Umwelt, Kosten und Bauweise haben. Das führt nicht selten zu Unsicherheiten in der Planung und begrenzten Vergleichsmöglichkeiten zwischen Alternativen.

Wie dkon.ch Konstruktionen sichtbar und vergleichbar macht

Mit dkon.ch haben ZHAW-Forschende vom Institut für Konstruktives Entwerfen (IKE) des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen ein digitales Werkzeug entwickelt, das diese Lücke schliesst. Die browserbasierte Plattform ermöglicht es, Baukonstruktionen interaktiv zu analysieren und selbst zu entwickeln. Nutzer:innen können Bauteile im virtuellen Raum zerlegen, drehen und neu zusammensetzen. Dabei wird sichtbar, aus welchen Materialien eine Konstruktion besteht und wie diese zusammenwirken.

Von der Analyse zur fundierten Entscheidung

Ein zentrales Element der Plattform ist die Verknüpfung mit ökologischen Bewertungsdaten. Materialien und Konstruktionen werden laufend hinsichtlich ihrer Umweltwirkungen analysiert, wodurch sich Varianten gezielt gegenüberstellen lassen. 

Das eröffnet neue Möglichkeiten in der Planung: Wer etwa den Einsatz von Beton reduzieren oder alternative Materialien prüfen möchte, kann unterschiedliche Lösungen direkt vergleichen. Veränderungen in der Konstruktion werden unmittelbar sichtbar und in ihren Auswirkungen verständlich.

Lernen an realen Projekten statt an idealisierten Modellen

Ein besonderer Mehrwert der Plattform liegt in der Integration realer Bauprojekte. Statt theoretischer Beispiele stehen konkrete Referenzbauten im Zentrum, die detailliert analysiert werden können. Nutzer:innen erhalten Einblick in tatsächliche Konstruktionen, Materialien und Bauabläufe. 

Diese Orientierung an der Praxis ermöglicht es, nachhaltige Lösungen nicht nur zu verstehen, sondern auch auf eigene Fragestellungen zu übertragen. «dkon.ch zeigt, wie innovative Ansätze in realen Projekten umgesetzt wurden und welche Überlegungen dahinterstehen. Damit entsteht ein direkter Bezug zwischen Lehre und Anwendung: Wissen wird nicht isoliert vermittelt, sondern im Kontext realer und konkreter Bauprojekte erfahrbar gemacht.», sagt Andri Gerber, Projektleiter und Co-Leiter Institut für konstruktives Entwerfen.

«Durch dkon.ch entsteht ein direkter Bezug zwischen Lehre und Anwendung: Wissen wird nicht isoliert vermittelt, sondern im Kontext realer und konkreter Bauprojekte erfahrbar gemacht.»

Andri Gerber, Projektleiter und Co-Leiter Institut für konstruktives Entwerfen

Von der Lehre in die Praxis – und wieder zurück

Entwickelt wurde dkon.ch ursprünglich für die Ausbildung von Architekturstudierenden. Ziel war es, die Konstruktionslehre aus der rein theoretischen Vermittlung zu lösen und ein vertieftes Verständnis für Zusammenhänge zu schaffen. 

Gleichzeitig zeigt sich, dass genau dieses Verständnis auch in der Praxis zunehmend gefragt ist. «Fachpersonen stehen vor der Herausforderung, komplexe Anforderungen zu integrieren und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. dkon.ch unterstützt diesen Prozess, indem es eine strukturierte Auseinandersetzung mit Konstruktionen ermöglicht. So wird aus einem Lehrinstrument ein Werkzeug, das sowohl in der Ausbildung als auch in der beruflichen Praxis eingesetzt werden kann.», erklärt Andri Gerber.

Digitale Analyse trifft auf reale Erfahrung

Eine weitere Besonderheit liegt in der Verbindung von digitaler und physischer Welt. Viele der auf der Plattform dargestellten Konstruktionen existieren als reale Modelle an der ZHAW. Diese sogenannten Mock-ups ermöglichen es, digitale Erkenntnisse mit haptischen Erfahrungen zu verknüpfen. Dadurch entsteht ein ganzheitlicher Zugang zur Konstruktionslehre: Digitale Visualisierung, analytische Bewertung und physische Erfahrung greifen ineinander und fördern ein vertieftes Verständnis für Bauprozesse.

Ein offenes Werkzeug für Studium und Praxis

dkon.ch ist frei zugänglich und richtet sich sowohl an Studierende als auch an Fachleute und interessierte Personen. Die Plattform wird laufend erweitert und mit weiteren Projekten und Funktionen ergänzt. Wer sich mit nachhaltigem Bauen auseinandersetzt, erhält hier die Möglichkeit, Konstruktionen selbst zu erkunden, Varianten zu entwickeln und deren Auswirkungen zu verstehen.