Sie setzt die School of Engineering in Szene
Sonja Koch arbeitet für ein Jahr an der School of Engineering, um die dortige Campus-Ausstellung neu zu konzipieren. Wie sie das Projekt angeht und welche Hindernisse sie dabei überwinden muss, verrät sie im Porträt.
Als wir das Atelier in Zürich betreten, werden wir sofort von einem freundlichen Hund begrüsst. Der Vierbeiner gehört zwar dem Kollegen im Büro nebenan, hat es sich aber an diesem Nachmittag neben Sonja Kochs Arbeitsplatz bequem gemacht und scheint sich über den Besuch im Gemeinschaftsatelier zu freuen.
Koch selbst wird den Hund und ihr Atelier die kommenden Monate etwas seltener sehen: Sie wurde für ein Jahr von der School of Engineering engagiert, um die in die Jahre gekommene Campus-Ausstellung zu überarbeiten und neu zu konzipieren. Wie genau die zukünftige Ausstellung daherkommen wird, kann die Szenografin zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht sagen. «Aber es wird bestimmt keine krassen Multimedia-Licht-Sound-Installationen geben», sagt die 36-Jährige schmunzelnd. Um die Kosten im Rahmen zu halten und den Brandschutzauflagen zu entsprechen, muss Koch mit den bisherigen Vitrinen arbeiten. «An diesen Formen werde ich folglich nichts ändern können, aber ich überlege mir gerade, wie man die einzelnen Exponate besser inszenieren könnte, damit diese eine stärkere Magnetwirkung auf die Vorbeispazierenden haben.»
Technische Herausforderungen
Eine Herausforderung sind auch gewisse technische Details. «Die Vitrinen in der Mensa zum Beispiel haben aktuell einen Handhörer, über den einem etwas erzählt wird. Das heisst für mich, ich muss entweder wieder mit einem solchen arbeiten, oder das Kabel-Loch irgendwie kaschieren», erklärt Koch. Etwas Kopfzerbrechen bereiten ihr die Bildschirme, weil die abgespielten Inhalte bisher via SD-Karte eingespiesen wurden. «Das ist supermühsam! Eigentlich möchten wir diese über einen WLAN-basierten Mediaplayer zentral verwalten können. Ich kläre nun ab, ob das mit diesen Screens irgendwie machbar ist.»

«Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durchs Leben, alles kann mich inspirieren.»
Sonja Koch, Szenografin
Wenn Sonja Koch von ihrem Arbeitsalltag erzählt, wird schnell klar, dass es keineswegs nur um kreatives Entwerfen geht, sondern eben auch um Technisches, Absprachen mit diversen involvierten Stellen und ganz viele kleinere und grössere Abklärungen. Wie würde sie den Beruf der Szenografin zusammenfassen für eine Person, die sich nichts darunter vorstellen kann? «Ich sage jeweils, dass ich Geschichten erzähle in einem Raum mittels atmosphärischer Elemente», sagt Koch, «und gerade Ausstellungen versuche ich so zu gestalten, dass die Leute sofort verstehen, worum es geht, wenn möglich ohne auch nur einen einzigen Text lesen zu müssen.» Während des Studiums bekam sie Einblicke in ganz unterschiedliche Berufe, lernte neben dem Pläne zeichnen auch mehr über Fotografie, Grafik, Licht- und Multimediaplanung bis hin zu Metallbau und Schreinerhandwerk. «Der Sinn dahinter ist, dass man bei der Ausstellungskonzeption versteht, was die eigenen Ideen für diejenigen Leute bedeuten, die diese dann handwerklich umsetzen sollen. Und bei kleineren Projekten kann man das Ganze gleich selbst anfertigen, weil man die Grundtechniken gelernt hat.»
Zu ihrem Beruf ist Sonja Koch über den gestalterischen Vorkurs an der ZHdK gekommen. «Ich wollte etwas Gestalterisches lernen, aber auf keinen Fall denselben Beruf ausüben wie meine Eltern, die Schreiner beziehungsweise Hochbauzeichnerin waren.» Für die Aufnahmeprüfung musste sie einen Zugwaggon zum Restaurant umgestalten – und zwar passend zu einem Schweizer Spitzenkoch. «Diese Aufgabe hat mich so geflasht, da wusste ich: Das will ich unbedingt zu meinem Job machen!» Als sie nach dem Studium ein Praktikum im Museum Rietberg absolvierte, hat es ihr «den Ärmel vollends reingezogen», wie sie mit strahlenden Augen erzählt: «Ausstellungen zu konzipieren ist das Beste auf Erden! Es wird dir dabei nie langweilig, weil die Arbeit so vielseitig und spannend ist.»
Woher sie die Inspiration für ihre Projekte nimmt? «Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durchs Leben, alles kann mich inspirieren.» Bisweilen bringen sie auch andere Ausstellungen auf neue Ideen, denn diese als neutrale Betrachterin zu besuchen ist für die Szenografin fast nicht mehr möglich. «Manchmal kann ich zwar abtauchen, wenn mich ein Thema fasziniert. Dennoch geht der erste Blick immer zu den Details. So schaue ich mir beispielsweise genauer an, wie etwas an der Wand befestigt wurde – Dinge, auf die andere Ausstellungsbesuchende nie achten würden», sagt Koch. Auch ihre eigenen Ausstellungen besucht sie gerne, wobei ihr Fokus dann auf den Besucher:innen und deren Reaktionen liegt: «So bekomme ich das ehrlichste Feedback überhaupt und sehe sofort, was begeistert oder was ich ein anderes Mal besser machen sollte.»
Während Ausstellungen in Museen bewusst besucht werden, soll die Ausstellung auf dem SoE-Campus auch jene Leute anziehen, die per Zufall dort vorbeilaufen. Wie will sie die Leute dazu bringen, vom Smartphone aufzuschauen, stehenzubleiben und sich den Inhalten in den Vitrinen zu widmen? «Mit grösseren Bildern, kräftigeren Farben und mehr interaktiven Elementen, die zum Mitmachen anregen.» Es werde ausserdem sicher deutlich weniger Text geben als bisher, denn «aktuell erschlagen einen diese Bleiwüsten regelrecht». Und neu gibt es kreisförmige Einblicke in die Vitrinen, damit der Blick besser auf die Exponate geführt wird. «Ein Teil der Leute wird dennoch daran vorbeilaufen und die Ausstellung ignorieren, da darf man sich keine Illusionen machen. Aber im besten Fall schauen sich viele potenzielle Studierende und Wirtschaftspartner das Ganze an und denken: Mega cool, was die ZHAW macht, da will ich studieren beziehungsweise mitwirken!»
Bis wir die fertige Ausstellung begutachten und uns selbst ein Urteil bilden können, dauert es noch eine Weile. Mit einem anderen Projekt wird Sonja Koch allerdings bereits diesen Oktober an der ZHAW präsent sein: Ihr «Vorturteilsorakel» kommt in die Hochschulbibliothek Wädenswil zu Besuch. «Das ist eine partizipative Kunstinstallation, bei der man mit Vorurteilen über sich konfrontiert wird und dadurch zu überlegen anfängt, wie man eigentlich selbst mit dem Thema umgeht.» Das Orakel gehört zu Sonja Kochs Lieblingsprojekten, weil die Leute auf einfachste Art zum Mitmachen bewegt werden – trotz unangenehmem Thema. Wenn du das Orakel auch befragen möchtest, kannst du dies vom 13.-16. Oktober auf dem Campus Reidbach tun.