Bei Familien und viel Gepäck lohnt sich Reisen mit dem Zug
Familien und Reisende mit zusätzlichem Gepäck sparen auf vielen Strecken Geld, wenn sie mit dem Zug anstatt dem Flugzeug reisen. Das zeigt eine neue Studie der ZHAW, die beide Transportmittel in Europa verglichen hat. In der Schweiz ist der Zug besonders bei Reisen in Nachbarländer häufig die günstigere Option.
Eine Preisvergleichsstudie der ZHAW untersuchte die Kosten für Reisen innerhalb Europas mit dem Zug oder Flugzeug auf den gleichen Strecken. Dabei zeigte sich, dass besonders Reisende mit viel Gepäck oder Familien sparen können, wenn sie den Zug nehmen. Für Einzelreisende ohne Gepäck sind Reisen mit dem Flugzeug auf vielen internationalen Strecken oft günstiger als mit dem Zug. Die Studie wurde von Studierenden im Bachelorstudiengang Mobility Science an der ZHAW School of Engineering durchgeführt und baut auf einer Greenpeace-Studie von August 2025 auf.
Die Studie “Flying Cheap, Paying Dear” von Greenpeace zeigte, dass Flüge für Einzelreisende ohne Gepäck auf vielen internationalen Strecken günstiger sind als die Bahnnutzung. Vorteilhafte Wettbewerbsbedingungen im Luftverkehr ermöglichen tiefe Preise, diese wiederum verhindern, dass das Mobilitätsverhalten hin zu klimafreundlicheren Verkehrsmitteln tendiert. Die Untersuchung der ZHAW ergänzte weitere Reisendenprofile, wie zusätzliches Gepäck oder weitere Personen, und fand heraus, dass sich eine Reise mit dem Zug finanziell doch lohnen kann. Grund ist, dass die Preise bei Flugreisen, sobald zusätzliche Leistungen oder Plätze benötigt werden, viel schneller ansteigen.

«Auf den ersten Blick sehen Flugpreise häufig deutlich günstiger aus als jene für die Bahnfahrt. Insbesondere für Familien mit Kindern und Reisende mit Gepäck empfiehlt sich aber ein genauerer Vergleich. Kinderrabatte bei den Bahnen und versteckte Gepäckzuschläge bei den Airlines können erhebliche Auswirkungen auf den realen Reisepreis haben.» – Thomas Sauter-Servaes, Leiter Studiengang Mobility Science
In London und Barcelona ist der Unterschied am grössten
Die Studie der ZHAW analysierte 136 europäische Bahn- und Flugverbindungen und zeigt deutliche Unterschiede in der Preisentwicklung. Bei Alleinreisenden mit wenig oder keinem Gepäck liegen die Preise nahe beieinander. Flüge sind teils etwas günstiger, teils etwas teurer als die gleiche Strecke mit dem Zug. Sobald jedoch Kinder und zusätzliches Gepäck hinzukommen, steigen Flugpreise deutlich stärker an. In Familienszenarien sind Flüge im Durchschnitt mehr als doppelt so teuer wie Bahnreisen. Kurzfristige Buchungen verteuern beide Verkehrsmittel, jedoch wesentlich stärker den Flugverkehr. Besonders deutlich wird der Preisvorteil für Flugreisen auf Strecken mit Start oder Ziel in London oder Barcelona. Beide Städte besitzen grosse Flughäfen mit dort angesiedelten Low-Cost-Airlines. Die günstigen Flugangebote verunmöglichen es den Bahnanbietern, preislich zu konkurrieren.
Mit dem Zug günstiger in Schweizer Nachbarländer
In der Schweiz wurden acht internationale Routen mit Start in Basel, Genf und Zürich analysiert. Bahnreisen in Nachbarländer wie Frankreich, Deutschland und Österreich sind meist günstiger als Flüge, etwa nach Berlin, Paris oder Wien. Für Reisen nach Spanien kostet dagegen das Flugzeug fast immer weniger. Grosse Unterschiede im Preis zeigen sich in der Schweiz vor allem bei Zugreisen. Das günstigste Bahnticket, von Genf nach Paris, kostete 29 Euro, das teuerste, von Zürich nach Madrid, 417 Euro pro Person. Das teuerste Flugticket, von Zürich nach Berlin, lag gleichzeitig bei einem Preis von 276 Euro pro Person.
«Unsere Analyseergebnisse bestätigen die Aussagen der Greenpeace-Preisstudie 2025. Die Fluggesellschaften können sehr niedrige Tarife anbieten, die bei der Einpreisung realer CO2-Kosten niemals wirtschaftlich wären. Trotz dieses Wettbewerbsnachteils ist für viele Zielgruppen die Bahnfahrt im grenzüberschreitenden europäischen Verkehr schon heute die kostengünstigere Reisealternative.» – Thomas Sauter-Servaes, Leiter Studiengang Mobility Science
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Kontakt
- Prof. Dr.-Ing. Thomas Sauter-Servaes, Leiter Studiengang Mobility Science,
+41 58 934 71 77, thomas.sauter-servaes@zhaw.ch - ZHAW School of Engineering Medienstelle,
+41 58 934 75 82, medien.engineering@zhaw.ch