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Nossa Casa. Wohnraumförderung und Dorfentwicklung in der Surselva

Beschreibung

Durch demographische, soziale und ökonomische Entwicklungen stehen im Berggebiet zahlreiche Gebäude leer oder werden wenig genutzt. Während einige Gemeinden und Dörfer einen Attraktivitätsverlust als Wohnstandorte erfahren (bspw. durch die Schliessung von Läden und Restaurants), ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum für die einheimische Bevölkerung und das Personal im Tourismus, im Gastgewerbe und auf dem Bau gross. Zusätzlich verstärkt der Zweitwohnungsmarkt die Preisentwicklung nach oben.

Leerstehende Gebäude wie ehemalige Schulhäuser, Gemeindehäuser, Gewerbebetriebe oder Heuställe im Siedlungsgebiet sowie nur schwach genutzte, teilweise sanierungsbedürftige Wohngebäude bieten Potenziale für die Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum und die Förderung der Attraktivität von Wohnstandorten (bspw. durch Mischnutzungen und innovative Wohnformen). 

Nossa Casa (Unser Zuhause auf Romanisch) ist ein Pilotprojekt in der Surselva. Das Ziel des Projektes besteht darin, das Problem des Wohnraummangels anzugehen und zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum an guter Lage zur Verfügung zu stellen. Zudem werden Impulse für die Dorf- und Regionalentwicklung generiert. Nossa Casa zielt auf die Erarbeitung einer regionalen Wohnraumstrategie, eingebettet in die Standortentwicklungsstrategie Surselva vom Dezember 2023. Ebenso steht das Projekt im Einklang mit dem neuen Gesetz des Kantons Graubünden zur Wohnraumförderung.

In mindestens drei Gemeinden werden Gebäude für einen Umnutzungsprozess ausgewählt, der neue Impulse für das Zusammenleben leistet. Parallel dazu werden Potenziale für die Bildung einer regionalen Baugenossenschaft mit dem Namen Nossa Casa erschlossen und Ressourcen aktiviert, wenn möglich bis zur Gründung der Genossenschaft. Die einzelnen Umnutzungsobjekte können, müssen aber nicht in diese Genossenschaft eingebracht werden.

Die Besonderheit des Projekts liegt in der Verbindung konkreter Umnutzungsprojekte in den Gemeinden mit dem Aufbau eines nachhaltigen Trägermodells (Genossenschaft) auf Regionsebene. Das Projekt basiert auf einem integralen und partizipativen Ansatz. Es führt öffentliche und private Akteure (Gemeinden, Bergbahnen, Bauwirtschaft, Immobilienfirmen, Vereine, informelle Netzwerke und lokal engagierte Bewohner:innen etc.) auf lokaler, regionaler und kantonaler Ebene zusammen. Es verbindet verschiedene Sektoralpolitiken (Raumplanung, Wohnen, Wirtschaft, Soziales und Kultur). Die neue Genossenschaft wird später eigenständig Projekte entwickeln und umsetzen. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt werden dokumentiert und sind auf andere Bergregionen übertragbar.

Folgende Ergebnisse und Produkte werden angestrebt:

  • Potenzialabklärungen und Auswahl geeigneter Objekte für Umnutzungsprojekte
  • Integrale, kollaborative und partizipative Entwicklung von Umnutzungsprojekten
  • Machbarkeitsstudien inkl. Klärung bautechnischer Fragen und Entwurf Businessplan
  • sanfte Verdichtung im Bestand durch Umnutzung und nachhaltiges Raumprogramm
  • Ressourcenmodell und Akteursprozess zur Gründung einer regionalen Wohngenossenschaft (Struktur kann in Zukunft weitere Entwicklungen anstossen)
  • neue Impulse für die Dorfentwicklung durch Mischnutzungen in den ausgewählten Objekten (Wohnen und Gewerbe, Kultur, Co-Working, Kultur, Kinderbetreuung) und kommunale Wohnraumstrategien
  • neue Impulse für die Regionalentwicklung durch neue Formen der Zusammenarbeit unter Einbezug aller relevanten Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft; Erarbeitung einer regionalen Wohnraumstrategie
  • integrale Projektentwicklung durch die Verbindung von Wohnraumförderung, Wirtschaftsförderung, Raumplanung und Dorfbildpflege, Soziales und Kultur
  • übertragbare Modelle und Anleitungen für die Bearbeitung ähnlicher Herausforderungen in anderen Regionen

Eckdaten

Projektpartner

Regiun Surselva; Kontextplan AG

Projektstatus

laufend, gestartet 04/2026

Institut/Zentrum

Institut für Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe (IVGT)

Drittmittelgeber

Bund; Öffentliche Hand (ohne Bund)

Projektvolumen

300'000 CHF