Evaluation Phase 2 des Projekts «beni»: Perspektive von Familien zur Nutzung der beni-App und der beni-Anlaufstelle
Qualitative Evaluation der Phase 2 des Projekts «beni» im Raum Winterthur. Untersucht werden Nutzung, Wahrnehmung und Zugänglichkeit der beni-App und der beni-Anlaufstelle aus Sicht von Familien unter besonderer Berücksichtigung von Barrieren und Unterstützungsbedarfen.
Ergebnis
Die qualitative Evaluation zeigt, dass «beni» von Fachpersonen und Nutzerinnen grundsätzlich als sinnvolles und unterstützendes Angebot wahrgenommen wird. Besonders geschätzt werden die Orientierung im Unterstützungssystem sowie die Möglichkeit, Familien bei psychosozialen Belastungen frühzeitig mit passenden Unterstützungsangeboten in Verbindung zu bringen. Die Ergebnisse weisen zudem darauf hin, dass die Auseinandersetzung mit «beni» Fachpersonen für psychosoziale Belastungslagen sensibilisieren und Reflexionsprozesse über Unterstützungsbedarfe und Weitervermittlungsmöglichkeiten anregen kann. Damit deutet sich neben der Vermittlungsfunktion auch ein Potenzial zur Stärkung professioneller Orientierung und Vernetzung im Frühbereich an.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Nutzung von «beni» weniger von der grundsätzlichen Akzeptanz als von den Bedingungen seiner Einbettung in den Versorgungsalltag abhängt. Förderlich sind insbesondere eine verständliche Kommunikation des Angebots, die Verankerung in professionellen Routinen, die aktive Begleitung von Übergängen sowie einfache Rückmeldeschlaufen zwischen beteiligten Akteurinnen und Akteuren.
Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede zwischen den Versorgungskontexten: Fachpersonen mit begrenzter Übersicht über psychosoziale Unterstützungsangebote profitieren besonders von der Lotsen- und Vermittlungsfunktion von «beni». Demgegenüber verstehen insbesondere Hebammen in eigener fachlicher Verantwortung die Wahrnehmung psychosozialer Belastungen, die Orientierung im Hilfesystem und die Weitervermittlung an passende Unterstützungsangebote bereits als festen Bestandteil ihres professionellen Auftrags. In diesen Kontexten wird «beni» eher als ergänzende Ressource zur Unterstützung und Strukturierung bestehender Vernetzungs- und Vermittlungsprozesse wahrgenommen.
Aus Sicht der Familien sind insbesondere direkte und unkomplizierte Vermittlungswege, die Erreichbarkeit von Unterstützung sowie Angebote wichtig, die unterschiedliche Lebensrealitäten und Bedürfnisse berücksichtigen. Insgesamt zeigt die Evaluation, dass «beni» sein Potenzial insbesondere dort entfaltet, wo professionelle Begleitung, passgenaue Unterstützung, Rückkopplung zwischen den Beteiligten und eine gute strukturelle Einbettung im Versorgungssystem zusammenwirken.
Beschreibung
Hintergrund
Das Projekt «beni» des Vereins peribass kombiniert eine digitale Selbsteinschätzung psychosozialer Belastungsfaktoren (beni-App, basierend auf dem KINDEX-Fragebogen) mit einer persönlichen Begleitung durch die beni-Anlaufstelle. Ziel ist es, Familien im Raum Winterthur während Schwangerschaft und früher Elternschaft frühzeitig, niederschwellig und bedarfsgerecht zu unterstützen.
Während Phase 1 der Evaluation die Perspektive von Fachpersonen analysierte, richtet sich Phase 2 ausschliesslich auf die Sicht von Familien. Damit wird eine zentrale Lücke geschlossen: die systematische Erfassung der subjektiven Nutzungserfahrungen, Zugangswege und Wirkungseinschätzungen des Angebots.
Ziele / Fragestellung
Phase 2 verfolgt das Ziel, die Nutzung und Wirkung des Projekts «beni» aus Perspektive von Familien zu verstehen.
Zentrale Fragestellungen
- Wie erleben Familien die Nutzung der beni-App und/oder die Begleitung durch die beni-Anlaufstelle?
- Welche Erwartungen bestehen vor dem Erstkontakt?
- Welche Barrieren oder Hürden zeigen sich beim Zugang (sprachlich, organisatorisch, emotional, digital)?
- Inwiefern wird das Angebot als niederschwellig, verständlich und vertrauenswürdig wahrgenommen?
- Welche subjektiven Wirkungen (z.B. Entlastung, Orientierung, Selbstwirksamkeit) beschreiben Familien?
Methode
Phase 2 folgt einem qualitativen Studiendesign.
- Durchführung von 4 leitfadengestützten Einzelinterviews mit Familien
- Einbezug unterschiedlicher Nutzungserfahrungen (App-Nutzung, Anlaufstelle, bewusste Nicht-Nutzung)
- theoriegeleitete Leitfadenentwicklung entlang des Consolidated Framework for Implementation Research (CFIR 2.0)
- Transkription und qualitative Inhaltsanalyse (Schreier)
- Kombination deduktiver (CFIR-basierter) und induktiver Kategorien
- Der Fokus liegt auf der kontextsensiblen Analyse von Zugangsbedingungen, Implementierungsbarrieren und subjektiv erlebter Wirkung
Eckdaten
Projektleitung
Heike Edmaier, Erika Dinkel (Peribass)
Projektpartner
Peribass
Projektstatus
abgeschlossen, 02/2026 - 05/2026
Institut/Zentrum
Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG)
Drittmittelgeber
Peribass
Projektvolumen
9'340 CHF