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Zürcher Hochschule
für Angewandte
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Evaluation des "beni"-Projekts

Ziel der Evaluation ist es, die zentralen Prozesse, Wirkmechanismen und Hindernisse bei der Nutzung des «beni»-Projekts sowie den Nutzen aus Sicht der Familien ganzheitlich zu erfassen und praxisnahe Empfehlungen für die Weiterentwicklung zu formulieren.

Ergebnis

Die qualitative Evaluation zeigt, dass «beni» von Fachpersonen und Nutzerinnen grundsätzlich als sinnvolles und unterstützendes Angebot wahrgenommen wird. Besonders geschätzt werden die Orientierung im Unterstützungssystem sowie die Möglichkeit, Familien bei psychosozialen Belastungen frühzeitig mit passenden Unterstützungsangeboten in Verbindung zu bringen. Die Ergebnisse weisen zudem darauf hin, dass die Auseinandersetzung mit «beni» Fachpersonen für psychosoziale Belastungslagen sensibilisieren und Reflexionsprozesse über Unterstützungsbedarfe und Weitervermittlungsmöglichkeiten anregen kann. Damit deutet sich neben der Vermittlungsfunktion auch ein Potenzial zur Stärkung professioneller Orientierung und Vernetzung im Frühbereich an.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Nutzung von «beni» weniger von der grundsätzlichen Akzeptanz als von den Bedingungen seiner Einbettung in den Versorgungsalltag abhängt. Förderlich sind insbesondere eine verständliche Kommunikation des Angebots, die Verankerung in professionellen Routinen, die aktive Begleitung von Übergängen sowie einfache Rückmeldeschlaufen zwischen beteiligten Akteurinnen und Akteuren.

Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede zwischen den Versorgungskontexten: Fachpersonen mit begrenzter Übersicht über psychosoziale Unterstützungsangebote profitieren besonders von der Lotsen- und Vermittlungsfunktion von «beni». Demgegenüber verstehen insbesondere Hebammen in eigener fachlicher Verantwortung die Wahrnehmung psychosozialer Belastungen, die Orientierung im Hilfesystem und die Weitervermittlung an passende Unterstützungsangebote bereits als festen Bestandteil ihres professionellen Auftrags. In diesen Kontexten wird «beni» eher als ergänzende Ressource zur Unterstützung und Strukturierung bestehender Vernetzungs- und Vermittlungsprozesse wahrgenommen.

Aus Sicht der Familien sind insbesondere direkte und unkomplizierte Vermittlungswege, die Erreichbarkeit von Unterstützung sowie Angebote wichtig, die unterschiedliche Lebensrealitäten und -Bedürfnisse berücksichtigen. Insgesamt zeigt die Evaluation, dass «beni» sein Potenzial insbesondere dort entfaltet, wo professionelle Begleitung, passgenaue Unterstützung, Rückkopplung zwischen den Beteiligten und eine gute strukturelle Einbettung im Versorgungssystem zusammenwirken.

Beschreibung

Das Projekt «beni» des Vereins Peribass setzt im frühen Lebensverlauf von Familien an und adressiert eine in der Schweiz bestehende Versorgungslücke in der psychosozialen Unterstützung rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Elternschaft. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Belastungen in der perinatalen Phase langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern haben und dass ein frühzeitiger Zugang zu passgenauer, niedrigschwelliger Unterstützung besonders wirksam ist. Dennoch fehlt in der Schweiz bislang eine systematische Erfassung psychosozialer Belastungsfaktoren im peripartalen Zeitraum, was insbesondere Familien mit erhöhtem Unterstützungsbedarf den Zugang zu bestehenden Angeboten erschwert.

«beni» – ein Akronym für Befragung, Beratung, Begleitung, Eltern, Neugeborene, Information und Interaktion – wurde entwickelt, um diese Lücke im Raum Winterthur gezielt zu schliessen. Das Projekt verbindet eine wissenschaftlich fundierte digitale Selbsteinschätzung (über die «beni-App» unter Nutzung des validierten KINDEX-Fragebogens) mit einer unabhängigen, kostenlosen und niederschwelligen «beni-Anlaufstelle». Ziel ist es,

  • psychosoziale Belastungen frühzeitig zu erkennen,
  • Familien individuell zu entlasten und
  • Barrieren im Zugang zu Unterstützungsangeboten abzubauen.

Die Unterstützung reicht dabei von der Schwangerschaft bis zum Kindergarteneintritt und erfolgt anonym, datenschutzsicher, mehrsprachig und ohne verpflichtende App-Nutzung.

Gemeinsam mit den Forschungspartnerinnen der ZHAW wurde im Vorfeld ein Service Blueprint entwickelt, um Prozesse, Schnittstellen und die Nutzerperspektive sichtbar zu machen und das Angebot systematisch mit bestehenden Strukturen der Gesundheitsversorgung und Frühen Förderung zu verknüpfen. Erste Erfahrungen zeigen sowohl den Nutzen für Familien als auch für Fachpersonen, die durch die Möglichkeit der Weiterleitung an die Anlaufstelle bei psychosozialen oder finanziellen Fragestellungen entlastet werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Vermittlungsprozess sowie die Nutzung und Empfehlung der App noch nicht umfassend untersucht sind. Die Evaluation bietet die Möglichkeit, die Wirksamkeit von «beni» sichtbar zu machen und Potenziale für die Weiterentwicklung zu identifizieren.

Vor diesem Hintergrund zielt die geplante Evaluation darauf ab, die zentralen Prozesse und Kontextfaktoren der Implementierung des «beni»-Projekts systematisch zu untersuchen. Basierend auf dem Consolidated Framework for Implementation Research (CFIR) sollen hemmende und fördernde Bedingungen identifiziert und praxisnahe Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Angebots erarbeitet werden. Die Evaluation ist mehrstufig angelegt und setzt zunächst bei den Perspektiven der Fachpersonen an. In einem weiteren Schritt kann sie, sofern die entsprechende Zustimmung vorliegt, um die Sichtweisen von Familien und Mitarbeitenden der Anlaufstelle ergänzt werden.

Eckdaten

Projektleitung

Heike Edmaier, Erika Dinkel (Peribass)

Projektpartner

Peribass

Projektstatus

laufend, gestartet 10/2025

Institut/Zentrum

Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG)

Drittmittelgeber

Peribass

Projektvolumen

17'252 CHF