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Gesellschaftliche Positionierung im Kontext von Migration und Adoleszenz

Eine qualitative Langzeitstudie in der Gemeinde Emmen

Auf einen Blick

Beschreibung

Im Fokus dieser Studie steht die gesellschaftliche Positionierung von jungen Frauen und Männern aus zugewanderten Arbeiterfamilien im Übergang ins Erwachsenenalter in der Schweiz. Untersucht wurde, welche Prozesse und Muster von (auch transnationaler) Zugehörigkeit und Partizipation sich im Kontext einer spezifischen Lebenssituation herausbilden, die von erschwerten Zugängen zu Bildung, Beruf und Staatsbürgerschaft geprägt ist.

Ausgangslage

Im Übergang ins Erwachsenenalter beginnen junge Menschen, in Auseinandersetzung mit ihrer bisherigen (Familien-) Geschichte und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, eigene Lebensperspektiven zu entwickeln und sich eigenständig in sozialer, beruflicher und politischer Hinsicht zu positionieren. Bringt diese Übergangsphase für alle Jugendlichen Herausforderungen mit sich, so trifft dies für junge Frauen und Männer aus zugewanderten Familien in spezifischer Weise zu.

Ziel

Die Studie nimmt drei miteinander verwobene Dimensionen gesellschaftlicher Positionierung in den Blick und untersucht anhand der Analyse konkreter Biografien deren komplexes Zusammenspiel über die Zeit:

  • Prozesse der Positionierung im Bildungs- und Berufssystem
  • soziale Einbindungen in Familie und Verwandtschaft sowie ausserfamiliäre Kontexte
  • Positionierungen im Hinblick auf die politisch-rechtliche Zugehörigkeit und Partizipation.

Die Verhältnisse sozialer Benachteiligung und sozialer Abwertung stehen als Rahmenbedingungen der Positionierungsprozesse ebenso im Fokus der Untersuchung wie die subjektiven Wahrnehmungen und Strategien der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen.

Methode

Die Studie ist als qualitative Langzeituntersuchung in der Gemeinde Emmen angelegt. Über einen Zeitraum von rund zehn Jahren wurden dieselben jungen Frauen und Männer im Übergang ins Erwachsenenalter dreimal (2006, 2010, 2016) biographisch-narrativ befragt. Der biografische Zugang, das Langzeitdesign und die kontextuelle Verortung der Studie werden als geeignet erachtet, um die hohe Komplexität und die Prozesshaftigkeit der gesellschaftlichen Positionierung erfassen und analysieren zu können.

Ergebnisse

Die Ergebnisse geben Einblick in die Vielfalt der gesellschaftlichen Positionierungsverläufe, die sich im Spannungsfeld von internalisiertem Leistungsprinzip einerseits und Erfahrungen von sozialer Benachteiligung und Abwertung - etwa im Rahmen ausländer- oder muslimfeindlicher Diskurse - andererseits bewegen. Soziale Aufstiege, die durch eine vergleichsweise gute Ausgangslage, kontinuierliche Weiterbildung und laufende Selbstoptimierung möglich wurden, stehen (über die Jahre zunehmender) Unsicherheit in Folge von prekären Arbeitsverhältnissen, finanzieller Knappheit oder eines plötzlich in Frage gestellten Bleiberechts angesichts von Ausschaffungs- und Durchsetzungsinitiative gegenüber.
Die Befunde der Studie geben Anlass zur kritischen Reflexion der Konsequenzen eines wirtschafts-, sozial- und integrationspolitischen Kontextes, in dem individuelle Leistung als Garant für sozialen Erfolg und Sicherheit proklamiert wird, während Ressourcen, Teilhabe- und Anerkennungschancen ungleich verteilt bleiben.

Publikationen