Wir trauern um Silvia Staub-Bernasconi (1936 bis 2026)
Silvia Staub-Bernasconi absolvierte ihre Ausbildung zur Sozialarbeiterin an der damaligen Schule für Soziale Arbeit Zürich. Als Stipendiatin der UNO studierte sie danach Social Work in den USA, unter anderem bei Gisela Konopka in Minneapolis und bei William Schwartz an der Columbia University in New York. An der Universität Zürich folgten Soziologie, Sozialethik und Pädagogik bis zu ihrer Promotion.
Praxiserfahrung sammelte sie in der Strassensozialarbeit, im Sozialdienst und in Projekten der Jugend- und Migrationsarbeit. Die Nähe zur Praxis Sozialer Arbeit blieb auch für ihr späteres Schaffen bestimmend. Ab 1967 kehrte sie als Dozentin an die Schule für Soziale Arbeit Zürich zurück und prägte deren Lehre und Forschung wesentlich mit. Wichtige Impulse für ihr wissenschaftliches Denken und Handeln erhielt sie in dieser Zeit durch den Austausch mit den Studierenden und im Kollegium.
Im Jahr 1996 habilitierte sie an der Technischen Universität Berlin und wurde Titularprofessorin der Universität Fribourg. Von 1998 bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2003 lehrte sie am Institut für Sozialpädagogik der Technischen Universität Berlin. Der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit war sie über Jahrzehnte verbunden und leitete von 2002 bis 2011 den von ihr initiierten Kooperationsstudiengang «Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession».
Auch nachdem die Schule für Soziale Arbeit Zürich in unser Departement Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften aufgegangen war, blieb sie uns durch Lehraufträge verbunden. Ihr Tod berührt uns deshalb auch als Teil unserer eigenen Geschichte. Anlässlich ihres 25-jährigen Arbeitsjubiläums wurde an unserer Hochschule über sie gesagt:
«Nur wer bewegt ist, kann bewegen.»
Dieser Satz trifft für uns den Kern ihres Wirkens. Silvia Staub-Bernasconi liess sich sowohl menschlich als auch professionell von sozialem Leid und Ungerechtigkeit bewegen. Daraus entstand ihr Anspruch, komplexe soziale Probleme zu lindern, ihnen vorzubeugen und massgeblich zu ihrer nachhaltigen Lösung beizutragen.
Silvia Staub-Bernasconi verstand Soziale Arbeit als Profession und Handlungswissenschaft und trug wesentlich zur Entwicklung des Systemtheoretischen Paradigmas Sozialer Arbeit bei. Insbesondere das Anliegen, wissenschaftliche Erkenntnis stets mit ethischer Verantwortung zu verbinden, stand im Zentrum ihres Werks. Mit wegweisenden Ideen wie dem Tripelmandat forderte und ermutigte sie uns alle, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession zu gestalten, die sich zugleich den einzelnen Menschen, der Gesellschaft und der eigenen Profession verpflichtet weiss.
Damit beeinflusste sie Generationen von Studierenden und Fachpersonen weit über unsere Hochschule hinaus. Ihr Anspruch an eine wissenschaftlich begründete, kritische und menschengerechte Soziale Arbeit wirkt bis heute fort. In der Veranstaltung ««Am Anfang war Empörung…» Silvia Staub-Bernasconis Beitrag zur Entwicklung einer praxisnahen Sozialarbeitstheorie», die am 30. November 2023 bei uns im Haus stattfand, wurde deutlich, wie weit ihr Lebenswerk reicht.
Wir sind zutiefst dankbar für alles, was Silvia Staub-Bernasconi unserer Hochschule und der Sozialen Arbeit mitgegeben hat. Unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und allen Menschen, die ihr persönlich verbunden waren.