Mit Kompetenz im Einsatz für geflüchtete Menschen
Das Schweizer Asylwesen bringt viele Herausforderungen mit sich. Für die geflüchteten Personen ebenso wie für jene, die sie darin begleiten. Wie man den Menschen unter den vorgegebenen Umständen auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen gemeinsam Lösungen erarbeiten kann, ist Thema des neuen CAS «Asyl».
Die Arbeit mit geflüchteten Personen im Asylprozess findet in einem hochkomplexen Umfeld statt. Sie erfordert interkulturelle Sensibilität, rechtliches Wissen und Kenntnisse im Umgang mit vulnerablen Personen, die zum Teil traumatische Erfahrungen gemacht haben. Die Fluktuation bei Mitarbeitenden ist hoch, wie eine Studie der ZHAW zum Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit zeigt. Mirjam Eser Davolio ist Professorin an der ZHAW und forscht im Bereich Migration. Sie erklärt: «Die Gesuchszahlen schwanken, und um Kosten zu sparen, werden Mitarbeitende kurzfristig eingestellt und wieder freigestellt, wobei oft auch auf Quereinsteiger:innen zurückgegriffen wird.» Dazu kommt eine generell hohe Belastung der Mitarbeitenden, wenn es zu wenig Personal gibt und der Betreuungsschlüssel hoch ist. Die Teams können den geflüchteten Personen kaum die nötige Kontinuität bieten, und zur erfolgreichen Aneignung und Weitergabe von Erfahrungswissen arbeiten die Teams zu wenig lange zusammen.
Besondere Bedürfnisse erkennen
Der CAS fokussiert auf die Lebensrealität geflüchteter Personen. «Möglichkeiten und auch Grenzen der Integration sind ein wichtiges Thema im Alltag geflüchteter Menschen», sagt Eser Davolio. «Wenn sie etwa in abgelegenen Unterkünften untergebracht sind, keine Arbeitserlaubnis vorliegt oder Ausgehbeschränkungen herrschen, wird es sehr schwierig, am gesellschaftlichen Leben vor Ort teilzunehmen.» Auch bei geflüchteten Menschen mit besonderen Bedürfnissen sind die Mitarbeitenden gefordert. «Menschen mit Beeinträchtigung, queere Personen oder unbegleitete Kinder und Jugendliche können oft nicht in einer regulären Unterkunft angemessen untergebracht werden», sagt Eser Davolio und erzählt von einer Mutter, die ihre Tochter mehrere Wochen nicht duschen konnte, weil die sanitären Anlagen der Unterkünfte nicht rollstuhlgängig waren. «Die Mitarbeitenden müssen für solche Situationen sensibilisiert sein.» Im CAS lernen die Teilnehmenden, wie man den Menschen unter den vorgegebenen Umständen auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen gemeinsam Lösungen erarbeiten kann.
Umso wichtiger ist eine fachlich fundierte Qualifikation der Mitarbeitenden. Trotz akutem Bedarf an qualifiziertem Personal im Asylbereich gab es in der Schweiz bisher noch keine entsprechende Weiterbildung. Mit dem neuen CAS «Asyl: Recht, Fallführung, Integration» schliesst die ZHAW Soziale Arbeit diese Lücke. Mirjam Eser Davolio, die den CAS leitet, sagt: «Ziel der Weiterbildung ist es, Mitarbeitende zu befähigen, in schwierigen Situationen bedacht und mit der nötigen Expertise zu handeln sowie Fälle schnell und kompetent einzuschätzen.»
Rechtliche Sicherheit gewinnen
Etwas vom Herausforderndsten, mit dem die Gesuchstellenden im ganzen Prozess konfrontiert werden, ist das sehr komplexe Asylverfahren, weiss Uwe Koch, Dozent beim CAS «Asyl». Fundierte Kenntnisse der rechtlichen Grundlagen sind daher für die tägliche Arbeit von zentraler Bedeutung. Koch sagt: «Jeder Aufenthaltsstatus bringt eigene Rechte und Pflichten mit sich.» Wenn die Mitarbeitenden diese kennen, können sie die Einzelfälle einordnen, den vorhandenen Spielraum verstehen und den Klient:innen gegenüber gut erklären, weshalb die Dinge so sind, wie sie sind, und welche Möglichkeiten es für sie gibt.
Der Rechtsteil ist aber nicht nur trockene Theorie, wie Koch betont: «Natürlich muss man die Grundlagen kennen, daran gibt es kein Vorbeikommen. Wir arbeiten aber mit vielen Fallbeispielen aus der Praxis. Für die Teilnehmenden des CAS ‹Asyl› ist es ein grosses Plus, dass sie konkrete Fragen aus ihrem Berufsalltag mit ausgewiesenen Rechtsexpert:innen diskutieren können.»
Koordination verschiedener Bereiche
Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden, den Schulen, dem Gesundheitswesen, der Polizei sowie Sicherheitsdiensten gehört zum Arbeitsalltag im Asylwesen. «Das Zusammenleben von Menschen mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen auf sehr engem Raum ist nicht immer konfliktfrei», weiss Mirjam Eser Davolio. Dazu kommt, dass der Asylprozess bei vielen Menschen Stress auslöst, was gesundheitliche Probleme mit sich bringt. «Die Menschen werden zermürbt, und das macht krank. Auch hier ist es deshalb sehr wichtig, dass Mitarbeitende wissen, welche Rechte und Ansprüche die Menschen haben.»
Die Weiterbildung mit dem Abschluss «Certificate of Advanced Studies» richtet sich an bereits im Asylwesen oder Integrationsbereich tätige Menschen oder solche, die in diesem Feld gerne arbeiten möchten. Explizit spricht der Lehrgang auch Menschen mit Migrationserfahrung an. Und er ist breit genug, dass er auch in anderen Bereichen der Sozialen Arbeit wichtige Skills vermittelt. Gerade wer in den Sozialen Diensten arbeitet, hat häufig mit dem Asylwesen zu tun, aber meistens keine fachliche Vertiefung in diesem Bereich. Der CAS eröffnet auch hier eine Chance.
Eine erfüllende Aufgabe
Die Arbeit im Asylwesen bewegt sich in einem dynamischen politischen Kontext: Gesellschaftliche Stimmungsverschiebungen und Anpassungen der finanziellen Ressourcen beeinflussen die Rahmenbedingungen fortlaufend. Hier Bedarfsgerechtigkeit und Konstanz für die betroffenen Menschen zu schaffen, ist nicht einfach. Eser Davolio betont aber: «Man arbeitet im Asylbereich mit Menschen, die unglaublich viel durchgemacht haben. Sie in ihrer schwierigen Situation bestmöglich zu unterstützen, ist eine sehr erfüllende Arbeit. Der CAS «Asyl» bietet das Know-how und die Qualifikation, dass man als Fachperson geflüchtete Menschen in ihrem Ankommen und dem Integrationsprozess professionell begleiten kann.»