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Jugenddelinquenz und Cybermobbing in der Schweiz

4. International Self-Report Delinquency Study (ISRD)

Auf einen Blick

Beschreibung

Nach jahrelangem Rückgang der polizeilich registrierten Jugenddelinquenz in der Schweiz scheint sich in jüngster Zeit wieder eine Zunahme abzuzeichnen. Bis zum Jahr 2015 sinken in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) die Zahlen der Jugendkriminalität bzw. der Jugendgewalt, um im Anschluss wieder zu steigen. In Bezug auf die Kerngruppe der 15- bis 17-jährigen Jugendlichen und die Gewaltstraftaten insgesamt belegt die Polizeiliche Kriminalstatistik zwischen 2009 und 2015 einen kontinuierlichen Rückgang der Belastungszahlen um 47.3 %; bis zum Jahr 2018 steigt diese Zahl allerdings wieder um insgesamt 24.9 % - wobei das Niveau der früheren Jahre damit aber noch nicht wieder erreicht ist. Dunkelfeldstudien, die für die Schweiz bereits seit dem Jahr 1992 durchgeführt werden, sind hinsichtlich ihrer Ergebnisse widersprüchlich. So finden sich Befunde, dass es bereits im Zeitraum 2006 bis 2013 zu einem Anstieg von Straftaten im Dunkelfeld gekommen ist; andere Studien hingegen kommen im Vergleich von Befragungen der Jahre 2007 und 2014 zum Befund einer rückläufigen Delinquenz.

Vor diesem Hintergrund wird eine nationale Dunkelfeldbefragung zu selbstberichteter Delinquenz und Opfererfahrungen bei Jugendlichen beantragt. Dabei soll eine Fortführung der bisherigen Befragungen im Rahmen der International Self-Report Delinquency (ISRD)-Studien durchgeführt werden, welche bereits 1992, 2006 und zuletzt 2013 stattfanden. Zusätzlich sollen vergleichbare Untersuchungen in vier Ländern des ehemaligen Jugoslawiens erfolgen; Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nord-Mazedonien und Serbien. Dies ermöglicht die Analyse verschiedener kulturvergleichender Fragestellungen. Insgesamt sollen mit dem vorliegenden Projekt vier Ziele verfolgt werden; 1. Untersuchung des Dunkelfelds der Jugendkriminalität und Fortschreibung der existierenden Datenbestände, wobei die bisherigen Themenschwerpunkte um die Themen Cyberbullying/-crime und politischer Extremismus erweitert werden soll; 2. Erarbeitung einer Schweizerischen Datengrundlage für internationale Vergleiche im Rahmen der ISRD-4-Studie; 3. Vergleichende Analyse der Jugenddelinquenz in der Schweiz und in Ländern des ehemaligen Jugoslawien; 4. Prüfung des Einflusses verschiedener Erklärungsfaktoren der Jugenddelinquenz, wobei sich heuristisch an dem theoretischen Modell von Agnew orientiert wird.

Hierfür sollen rund 4000 Jugendliche schweizweit befragt werden. Ebenso werden 7200 Jugendliche in den vier Balkanländern (1800 pro Land in je zwei Städten) befragt. Weiter wird in explorativer Hinsicht versucht, Jugendliche mittels einer internetbasierten (Gelegenheits-)Stichprobe zu befragen; dies in allen Städten der vorliegenden Länder. Schliesslich sollen in einer Längsschnittstudie (2000 Jugendliche der 8. Schulstufe) auch kausale Einflüsse berücksichtigter Einflussfaktoren identifiziert werden.