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Frank Wittmann wird neuer Direktor des Departements Soziale Arbeit der ZHAW

Nach einem interimistischen Jahr ist Frank Wittmann auf den 1. Juni 2020 zum offiziellen Direktor des Departements Soziale Arbeit ernannt worden. Er will ihm mehr Aktualität und Praxisnähe verleihen und die Innovation stärken.

von Sibylle Veigl

Auf dem Regal stehen zwei Postkarten mit Blumenmotiven an Bücher gelehnt. Ansonsten ist Frank Wittmanns Büro im Toni-Areal in Zürich nüchtern und funktional gehalten: ein Stehpult, ein Metallregal, ein runder Besprechungstisch und drei Sessel mit Couchtisch. Der Beton der Wände wirkt für sich – wäre da nicht ein gut zwei Meter hoher Wandschmuck in Rot: Kleine Holzklötze baumeln an Schnüren von der Decke, versetzt mit Stoffelementen. Arbeitet Frank Wittmann an seinem Stehpult, was er wegen der Corona-Krise derzeit nur einmal pro Woche tut und die übrige Zeit im Home-Office verbringt, so hat er einen direkten Blick darauf. Der Wandschmuck ist eine Erinnerung an seinen einjährigen Aufenthalt in Senegal, wo er für seine Dissertation in Medienkultur Feldforschung betrieb, gefunden bei einem lokalen Künstler. «Eigentlich nützte ich damals das Vehikel der Dissertation, um das Land und seine Menschen kennenzulernen», erzählt Wittmann.  

Nach dem Abschluss des Studiums zog es ihn weiter nach Haiti. Dort koordinierte er im Freiwilligenprogramm der Uno-Friedensmission die Kommunikation und die Weiterbildung. Prägend war für ihn nicht nur, in einer so grossen Institution zu arbeiten, sondern auch die karibische Mentalität zu erfahren. Haiti ist ein von Armut, Krisen und Gewalt geplagtes Land. Doch die Fähigkeit der Menschen, für alles eine Lösung zu finden und dabei sehr humorvoll und lebensbejahend zu bleiben und ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl zu bewahren, das hat ihn fasziniert. Die Beziehungen, die sich damals entwickelten, pflegt er bis heute. «Es sind Lebensfreundschaften entstanden», sagt der 46-Jährige.

Start an der ZHAW im Ressort Internationales

Nach zwei Jahren kehrte er in die Schweiz zurück und startete im November 2007 seine Karriere an der ZHAW als Stabsstellenleiter im Ressort Internationales der ZHAW. Heute, gut zwölf Jahre später, ist Wittmann zum Direktor des Departementes Soziale Arbeit ernannt worden. Dieses hatte er bereits ein Jahr lang interimistisch geleitet.

Mittlerweile identifiziert er sich ganz mit seiner Funktion als Führungskraft und Manager. Den internationalen, vergleichenden Blick hat er sich aber bewahrt. Ebenso den Wunsch, Grenzen zu überwinden und das Gemeinsame zu suchen – «sei es kulturell, disziplinär oder über Hierarchien hinweg», sagt er.

Vor einem Jahr habe er noch gedacht, er kenne das Departement wie seine Westentasche. Und dann habe er im Interimsjahr doch viel Neues gelernt und kennengelernt. Das motiviert ihn: dass jede neue Funktion mit einem grossen Entwicklungspotenzial einhergeht. Es war zwar ein Übergangsjahr, aber lediglich das Tagesgeschäft aufrechterhalten, das wollte er unter keinen Umständen. «New Beginning» nannte er deshalb das Programm, das er im Juni 2019 startete. Nun als Direktor habe er zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Diese möchte er nutzen, damit das Departement durch interdisziplinäre Herangehensweisen und innovative Themenkombinationen neue Angebote in analogen und digitalen Formaten entwickelt.

International und praxisnah

Das Departement habe Energie und Kontur, doch für grosse Praxisnähe stehe es nicht, stellt Wittmann fest. Das will er ändern: Er will näher an die relevanten Fragestellungen der Sozialen Arbeit und des gesellschaftlichen Wandels gelangen und eng mit den Akteuren in Verwaltung und Praxis zusammenarbeiten: «Wir müssen Praxis und Wissenschaftsorientierung miteinander verbinden und in eine Balance bringen.»

Er möchte Themen wie Sozialhilfe, Arbeitsintegration, Erwachsenenschutz und Behinderung stärken, ohne bisherige Schwerpunkte des Departementes beispielsweise in der Kinder- und Jugendhilfe oder im Straf- und Massnahmenvollzug zu vernachlässigen. Und auch beim Thema Digitalisierung müsse sich die Soziale Arbeit mit den tiefgreifenden Veränderungen in der Gesellschaft beschäftigen: mit der sozialen Ungleichheit durch Prozesse der Digitalisierung oder mit der Kriminalität im virtuellen Raum. Das betrifft sowohl die Aus- und Weiterbildung wie auch die Forschung, betont Wittmann. Gerade erst hat er einen Data Scientist eingestellt: Der ETH-Physiker mit langjähriger Industrieerfahrung wird technologische Expertise und Erfahrung in Innovationsprozessen einbringen. «In Kombination mit unserem sozialarbeiterischen Know-how wird das ein spannendes Experiment», ist Wittmann überzeugt.

Schlichten, moderieren, vernetzen

Ob er als Führungskraft manchmal kritisiert wird? «Natürlich», sagt er lachend. Doch die Einsamkeit der Führungspersonen, wie sie in der Managementliteratur oft beschrieben wird, kennt Wittmann nicht: «Die Soziale Arbeit ist ein kritisch-reflexiver Beruf, dementsprechend sind die Fachpersonen selbstbewusst und kommunizieren offen. Daraus ergeben sich viele wertvolle Beziehungen.» Konstruktive Kritik mache Entscheide am Ende besser, ist er überzeugt.  

Zum Kern einer Führungsfunktion gehöre es, Prozesse so umsichtig zu gestalten, dass am Ende zukunftsgerichtete und tragfähige Entscheidungen stehen. Das ist im Hochschulumfeld nicht immer ganz einfach, der Umgang mit den heterogenen Erwartungen ist herausfordernd. Er will die Mitarbeitenden mehrheitlich mitnehmen und sieht dennoch, dass er es nicht allen recht machen kann: «Schlichten, moderieren, vernetzen – das ist emotional anspruchsvoll.» Die Energie, die am Departement herrsche, könne sich konstruktiv entladen, aber wenn unterschiedliche Ziele und Interessen aufeinanderprallen, «da kann es schon einmal krachen».

Gut 25 Prozent seiner Arbeitszeit will Frank Wittmann wie bis anhin in der Weiterbildung tätig sein, «um die Füsse auf dem Boden zu behalten», wie er sagt. In seinem neuen CAS Culture Change geht es um die Frage, wie man Organisationskulturen weiterentwickeln kann. Der direkte Austausch mit den Teilnehmenden ermögliche ihm einen direkten Zugang zum Feld. «Dies ist eine Gelegenheit, wieder einmal meinen ethnologischen Blick zum Tragen kommen zu lassen», meint der neue Direktor.

«Wir müssen Praxis und Wissenschaftsorientierung miteinander verbinden und in eine Balance bringen»: Frank Wittmann, neuer Direktor der ZHAW Soziale Arbeit.
Frank Wittmann will auch als Direktor weiterhin in der Weiterbildung tätig sein.
Frank Wittmann vermisst während der Corona-Krise die Gespräche von Angesicht zu Angesicht im Toni-Areal.

Frank Wittmann

Der Zürcher Fachhochschulrat hat den 46-jährigen Frank Wittmann auf den 1. Juni 2020 zum offiziellen Direktor des Departements Soziale Arbeit ernannt. An der ZHAW ist der promovierte Sozialwissenschaftler bereits seit Ende 2007 tätig: Als Stabsstellenleiter im Ressort Internationales trug er zur Positionierung der ZHAW im internationalen Umfeld bei. Im Herbst 2012 wechselte er ans Departement Soziale Arbeit und wurde Leiter Weiterbildung und Dienstleistung. Nach drei Jahren übernahm er die Leitung des neu gegründeten Instituts für Sozialmanagement, welches er aufbaute und etablierte, bis er im Juni 2019 zum interimistischen Direktor ernannt wurde. Wittmann hat an der Universität Fribourg promoviert, in Westafrika ethnografische Feldforschung durchgeführt und sich in der Friedensförderung bei der Uno engagiert. Zurzeit absolviert er eine Online-Weiterbildung der Stanford University in Innovationsmanagement und Unternehmertum. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.