BLAUER MONTAG: Belastbare Lösungen
Belastbare Lösungen im Bauen berücksichtigen die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Belastbarkeit erschöpft sich dabei nicht in statischer Tragfähigkeit. Sie umfasst ebenso die Robustheit gegenüber Unsicherheiten – etwa gegenüber veränderten Umweltbedingungen, regulatorischen Anforderungen sowie technologischen Entwicklungen, insbesondere im Kontext von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Belastbare Lösungen Lösungen sind eine Voraussetzung dafür, dass Architektur und Bauingenieurwesen ihrer gemeinsamen Verantwortung für das gebaute Umfeld gerecht werden. Beide Disziplinen tragen Verantwortung für Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit, Ressourceneinsatz und die langfristigen Auswirkungen von Bauwerken und Infrastrukturen auf Umwelt und Gesellschaft.
Vor diesem Hintergrund befindet sich unsere Lehre in einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, die 2030 in eine umfassende Lehrplanrevision münden soll. Ziel ist es, jene fachlichen, methodischen und reflexiven Kompetenzen zu stärken, die zur Entwicklung belastbarer Lösungen erforderlich sind.
Im kommenden Semester steht der Studiengang Bauingenieurwesen im Zentrum der Veranstaltungsreihe Blauer Montag.
Die ZHAW vermittelt ihren Studierenden im Bauingenieurwesen seit jeher, dass in der beruflichen Praxis verantwortungsvolles Handeln erwartet wird. Die Gesellschaft verlässt sich darauf, dass begleitete Baumassnahmen sicher sind und zuverlässig funktionieren. Heute haben sich die Erwartungen an das Bauingenieurwesen erweitert; die zu tragende Verantwortung hat an Umfang und Bedeutung zugenommen. «Responsible Engineering» erfordert in verstärktem Mass die systematische Berücksichtigung der Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft.
Mit der kontinuierlichen Anpassung der Lehre greifen wir veränderte Lösungsansätze auf und stärken die Kompetenzen zur Entwicklung neuer Lösungen. Dazu gehört der reflektierte Einsatz digitaler Werkzeuge. «Digital Engineering» ist zu einem zentralen Bestandteil des Bauingenieurwesens geworden: Planung und Ausführung werden modellbasiert vorweggenommen, das Verhalten von Bauwerken unter äusseren und inneren Einwirkungen simuliert. Studierende lernen, die gewonnenen Informationen mit fundiertem Technikverständnis zu plausibilisieren und zu interpretieren. Im Sinne des «Systems Engineering» behalten sie dabei die Gesamtsicht und verbinden Spezialwissen mit systemischer Einordnung.
Die beiden Veranstaltungen im Frühlingssemester fragen nach den Kompetenzen, die erforderlich sind, um im Studium und im Berufsalltag belastbare Lösungen zu entwickeln. Studierende, Dozierende und Berufstätige kommen zu Wort.
Die Bildwelt Giovanni Battista Piranesis (1720–1778) begleitet die Reihe. Der Architekt und Kunstunternehmer kombinierte in seinen «halluzinierten» Räumen strukturelle Logik und architektonische Versatzstücke und öffnete so – ähnlich wie eine KI mit realer Syntax – einen Raum des Neuen und Möglichen. Seine Bilder machen deutlich, worauf es beim umsetzbaren und verantwortungsvollen Bauen ankommt: auf Tragfähigkeit, Massstab und einen reflektierten Umgang mit dem Entwurfs- und Planungsprozess.