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Architektur, Gestaltung
und Bauingenieurwesen

Bogn Tenigia

Bogn Tenigia

Masterthesis Anna Schneider 
Herbstsemester 2025

Dozierende: Regula Iseli, Urs Primas

Koreferent: Rainer Klostermann

Gastkritiker:in: Oya Atalay Franck

Vorwort der Dozierenden

Die Wucht der Geologie: Felsformationen verdichten sich, hoch oben im Val Sumvitg dringt mineralreiches Wasser aus der Tiefe. Früh schon wird die heilende Kraft der entlegenen Quelle entdeckt. Zunächst errichtet man ein einfaches Badehaus und später daneben die Kapelle «unserer Muttergottes zum Schnee». Um die Jahrhundertwende stösst dann der boomende Alpentourismus in die Seitentäler vor, und zugleich beginnt die Nutzung der Wasserkraft. Bis heute zeugt das weithin sichtbare Badehotel «Waldhaus» von dieser kurzen Episode der Weltläufigkeit und Eleganz. Es folgen Weltkriege und danach ist nichts mehr wie zuvor. Zunächst als Ferienheim genutzt verfällt Teningerbad, oder romanisch Bogn Tenigia, in einen Dornröschenschlaf, aus dem es kurz vor der Ölkrise unsanft erwacht. Alles scheint möglich, ein ambitionierter Investor erweitert die Anlage mit umfangreichen Neubauten. Aber wenige Jahre später folgt schon der Konkurs. Wieder Leerstand und Verfall, aber die vergangene Pracht an diesem entlegenen Ort regt zum Träumen an. Spannend wie ein Roman ist die Geschichte, welche Anna Schneider in dieser Arbeit aufdeckt, und genauso spannend die fiktive Fortsetzung, die sie ihr angedeihen lässt. Was wäre, wenn da wieder gelebt und gearbeitet würde? Minimal invasive Eingriffe lassen in den vorgefundenen Strukturen betreute Wohngruppen für Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen entstehen. Könnten sie unter fachkundiger Anleitung nach und nach Badebetrieb, Hotel, und Park wiederbeleben? Könnte der Charme der vergangenen Pracht erneut Besucherinnen und Besucher anziehen, solche die nicht den Rummel suchen, sondern eben diese Ruhe, die Präsenz der Berge, der Steine und des heilkräftigen Wassers? Von der zunächst aussichtslos erscheinenden Ausgangslage unbeirrt ist es Anna Schneider gelungen, ein überzeugendes Nutzungskonzept als über die Jahre fortschreitende Geschichte zu entwickeln und mit ausbalancierten, architektonischen Interventionen im Ort zu verankern.

Zürich, im Januar 2026

Regula Iseli und Urs Primas