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Architektur, Gestaltung
und Bauingenieurwesen

SYLAHA - ein urbaner Korridor für Zürich

SYLAHA - ein urbaner Korridor für Zürich

Masterthesis Jonathan Allemann
Herbstsemester 2025

Dozierende: Regula Iseli, Urs Primas

Koreferent: Rainer Klostermann

Gastkritiker:in: Oya Atalay Franck

Vorwort der Dozierenden

Flüsse scheinen eigene Persönlichkeiten zu haben und so erhalten sie Eigennamen, die sie erst dann ablegen, wenn sie in einen bedeutenderen Fluss, in einen See oder ins Meer münden. So muss auch die Sihl ihren Namen hergeben, sobald sie sich in Zürich mit der Limmat vereinigt. Aber ist Zürich tatsächlich bloss Limmatstadt und Stadt am See? Mit der vorliegenden Arbeit richtet Jonathan Allemann die Scheinwerfer auf das «dritte Gewässer» der Stadt. Sein Titel zitiert die alte Schreibweise «Sylaha», welche möglicherweise auf einen tobenden, einen wütenden Fluss verweist. Jedenfalls war und ist die Sihl wechselhafter, unvorhersehbarer und irgendwie wilder als See und Limmat. Ihren eigenwilligen Charakter schält die vorliegende Arbeit mit grosser Präzision heraus. Die Sihl ist Naturraum, Bewegungsraum und Schauplatz eingreifender Infrastrukturbauten, aber ihre Ufer wurden nie als urbane Schauseiten aufgetakelt. Gerade deshalb könnte sie heute einer rasch wachsenden Stadt, in der Freiräume für Kultur, Freizeit, Sport und Erholung zunehmend knapp werden, neue Angebote erschliessen. Wie diese Arbeit überzeugend aufzeigt, braucht es dafür keine umfassenden Umgestaltungen. Es genügt, genau hinzuschauen – oder hinzuhören – um die Sihl, ihre Orte und die mit ihnen verknüpften Geschichten zu verstehen und sie mit begrenzten, aber treffsicheren Interventionen auf neue Weise in ihrer Stadt zu verankern. Vom Platzspitz bis zur Allmend Brunau wird erkundet, was die Flusspersönlichkeit zum heutigen Stadtleben beitragen könnte. Auf der Halbinsel der Gessnerallee verknüpft ein Sihlpfad Natur, Kultur und die Buvette «Sihlblick». Weiter flussaufwärts stapeln sich in einem zeichenhaft aufragenden Turm jene Hallen für Sport und Kultur an denen es in der Innenstadt zunehmend mangelt. Im von wuchtigen Infrastrukturen überformten Flussabschnitt unter der Sihlhochstrasse werden geschickt neue Wege für Fussgänger und Radfahrer eingefädelt. Oben bei der Brunau wird das Wasser in einen kleinen Kanal geleitet, der zum Bade lädt. So wird die Sihl weder gezähmt noch in neue Korsette gezwängt, sondern freundlich eingeladen, ihre Vorzüge im Leben der Stadt auf neue Weise zur Geltung zu bringen. All das ist bravourös choreografiert: eine kaleidoskopische Montage von Bildern, Geschichten und Plänen in vielfältigen Massstäben die bei aller Mannigfaltigkeit nie das grosse Ganze, die Sihl, aus den Augen verliert. 

Zürich, im Januar 2026

Regula Iseli und Urs Primas