Nachhaltigkeits-Pioniere im Gespräch: Conrad U. Brunner, Ruedi Kriesi und Rolf Lüthi
Was können wir von den Pionieren des energieeffizienten Bauens lernen? Conrad U. Brunner, Ruedi Kriesi und Rolf Lüthi blicken auf ihre Erfahrungen zurück und diskutieren, welche Ideen von damals heute noch wegweisend sind.
Architektur und Energie stehen heute (wieder) im Fokus. Dass das Bauen sowie das Heizen und Kühlen von Gebäuden zu den grössten Energieverbrauchern gehören und entsprechend erhebliche Treibhausgasemissionen verursachen, ist heute allgemein bekannt. Auf unterschiedlichsten Ebenen wird deshalb an Lösungen gearbeitet – vom Einsatz nachwachsender und regenerativer Materialien über die Optimierung von Heiz- und Kühlsystemen bis hin zur Wiederverwendung von Bauteilen und energetischen Sanierungen. Begriffe wie «Ökobilanz», «Graue Energie» oder «Suffizienz» gehören längst zum Wortschatz vieler Architekt.
Neu sind diese Themen allerdings nicht. Bereits seit den 1970er Jahren wurden Fragen des energie- und ressourcenschonenden Bauens intensiv diskutiert. Zahlreiche Forschungsprojekte wurden lanciert und Experimentalgebäude realisiert, in denen Konzepte wie Re-Use oder Design for Disassembly erprobt sowie Materialien wie Lehm oder Stroh eingesetzt wurden. Ein besonderes Augenmerk galt dem Bauen mit der Sonne – sowohl mit passiven als auch mit aktiven Solarsystemen – sowie der Baubiologie. Auch die Mobilität war ein Thema, das nicht losgelöst vom Bauen gedacht wurde. Der Fokus verlagerte sich dabei zunehmend von der allgemeinen Umweltproblematik hin zur Frage des Energieverbrauchs.
Veranstaltungen wie die Ausstellung «Umdenken Umschwenken» der Arbeitsgemeinschaft Umwelt (AGU) an der ETH Zürich (1975) oder das Nullheizenergie-Haus an der Ausstellung «Heureka» (1991) stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Dazwischen wurde gerechnet, gemessen, experimentiert und gebaut. Visionen wurden in Prototypen umgesetzt und neue Konzepte erprobt. Vieles von diesem Wissen ist heute jedoch in Vergessenheit geraten. Auch der erhoffte gesellschaftliche und berufliche Bewusstseinswandel blieb weitgehend aus. Dennoch haben sich wichtige Errungenschaften etabliert – etwa bessere Wärmedämmungen, ein stärkeres Bewusstsein für Energiefragen sowie neue Normen und Planungsinstrumente.
Drei Pioniere im Gespräch
Im Rahmen einer Gesprächsrunde kommen drei Pioniere des energieeffizienten Bauens zu Wort: die Architekten Conrad U. Brunner und Rolf Lüthi sowie der Ingenieur Ruedi Kriesi. Sie gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten einer Generation, die bereits vor fünfzig Jahren nach Antworten auf die Energie- und Umweltfragen des Bauens suchte. Conrad U. Brunner war einer der Ersten, die das Berufsbild des Energieberaters im Bauwesen etablierten und die integrale Planung einführten. Lüthi baute energieeffiziente Pionierprojekte, und Kriesi gründete Minergie zusammen mit Heinz Uebersax.
Im Gespräch blicken sie auf ihre Erfahrungen zurück und diskutieren Fragen wie:
- Weshalb blieb der grundlegende Bewusstseinswandel in Gesellschaft und Architektur hinsichtlich Energie- und Ressourcenschonung weitgehend aus?
- Welche Ideen und Innovationen von damals haben Bestand?
- Was können wir heute aus dieser Geschichte lernen?
- Was ist damals «schiefgelaufen»?
Conrad U. Brunner
Der Architekt Conrad U. Brunner (1942) studierte an der ETH Zürich sowie bei Louis Kahn und arbeitete anschliessend sowohl für Kahn als auch für Fumihiko Maki. Nach einer Tätigkeit bei Ernst Göhner gründete er gemeinsam mit Peter Steiger das Planungsbüro PLENAR. Neben zahlreichen Forschungsprojekten für Bundesämter und öffentliche Auftraggeber – unter anderem die Stadt Zürich – engagierte er sich in verschiedenen Organisationen, darunter die Schweizerische Energiestiftung (SES), deren Präsident er zeitweise war, sowie die Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz. Zudem war er massgeblich an der Entwicklung verschiedener SIA-Normen beteiligt, insbesondere der SIA 380/1 «Energie im Hochbau».
Ruedi Kriesi
Ruedi Kriesi (1953) studierte Maschinenbau an der ETH Zürich und promovierte an der EPFL. Bereits als Student wirkte er 1975 an der ETH-Ausstellung «Umdenken Umschwenken» mit. Im Auftrag von Ueli Schäfer, den er als Energieberater unterstützte, und der Zeitschrift «Werk, Bauen + Wohnen» bereiste er Anfang 1977 die USA, um Projekte und Konzepte der passiven und aktiven Sonnenenergienutzung zu untersuchen. Er war Mitglied der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie sowie der Eidgenössischen Energieforschungskommission (CORE). Ab 1985 leitete er die Energiefachstelle des Kantons Zürich. Gemeinsam mit dem Architekten Ruedi Fraefel realisierte er 1990 die Nullheizenergie-Siedlung in Wädenswil – ein Konzept, das auch in einem Musterhaus an der Ausstellung «Heureka» präsentiert wurde. Zusammen mit Heinz Uebersax gründete er Minergie. 2000 startete er das Geschäft mit Komfortlüftungen bei der Zehnder Group und begleitete es bis 2020. Heute ist er Präsident und Geschäftsführer des Vereins Solalpine.
Rolf Lüthi
Rolf Lüthi (1941) ist Architekt. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner arbeitete er unter anderem bei Ernst Gisel, bevor er 1966 sein eigenes Architekturbüro gründete. Während vieler Jahre war er Mitglied der Baukommission von Regensberg. Zu seinen wichtigsten Projekten zählen verschiedene wegweisende Bauten im Bereich des energieeffizienten Bauens, darunter die Primarschulanlage Gumpenwiesen in Dielsdorf sowie das Haus Maag in Riedt. Beim Haus Maag kombinierte er Schotterspeicher, Luftkollektoren und Solaranlage zu einem innovativen Energiekonzept, das einen minimalen Heizbedarf ermöglichte. Auch die Primarschulanlage Gumpenwiesen gilt als Pionierprojekt: Inspiriert vom vernakulären Bauen im Tessin nutzt sie eine klimatische Pufferzone, die saisonal geöffnet werden kann und so den Energiebedarf erheblich reduziert.
Forschungsprojekt und Archivübernahme
Das Gespräch findet im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Geschichte der Ökoarchitektur in der Schweiz, 1960–1990» statt. Die Gesprächsrunde ist zugleich Anlass, die Übernahme der Archive der drei Gäste durch das Institut Konstruktives Entwerfen an der ZHAW zu feiern. In drei Vitrinen wird eine kleine Auswahl aus ihren Archivbeständen präsentiert.
Datum
Von: 26. November 2026, 18.00 Uhr
Ort
ZHAW, Campus Stadt-Mitte
Gebäude MC, Blauer Saal
Tössfeldstrasse 11
8400
Winterthur
Veranstalter
ZHAW Institut Konstruktives Entwerfen
Tössfeldstrasse 11
8401
Winterthur