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Interview mit Julie Page
Selbstverständlich an allen Lebensbereichen teilnehmen
Julie Page, was verstehen Sie unter einer «Hindernisfreien Hochschule»?
Es geht nicht nur um einen freien Zugang mit dem Rollstuhl, also um bauliche Hindernisfreiheit, sondern um Barrierefreiheit in einem weiten Sinn. Sind beispielsweise die Prüfungsreglemente einer Hochschule flexibel genug, dass eine Person in einer Prüfung keinen Nachteil aufgrund einer Behinderung erfährt? Wichtig ist auch die grundsätzliche Einstellung zu diesem Thema, die im Leitbild einer Hochschule verankert sein soll.
Welches Ziel verfolgt Ihr Projekt?
Ziel ist die Entwicklung eines Leitfadens zur Soll-Ist-Analyse. Es gibt gesetzliche Vorgaben auf eidgenössischer und kantonaler Ebene, die das «Soll» für die Hochschulen festlegen. Wir entwickeln ein Instrumentarium, welches Hochschulen eine Überprüfung des Ist-Zustandes ermöglichen soll und ihnen Ansatzpunkte aufzeigt, um Barrieren für Studierende mit beispielsweise einer Seh-, Hör- oder Mobilitätsbehinderung systematisch abzubauen. Gerade bei den Fachhochschulen gibt es noch wenig Fachwissen zum Thema Studium und Behinderung.
Das Projektteam ist interdisziplinär zusammengesetzt. Wie funktioniert diese
Zusammenarbeit?
Es fliesst Know-how aus sehr unterschiedlichen Fachbereichen in dieses Projekt. Gemeinsam ist allen Beteiligten, dass sie bereits zum Thema Behinderung geforscht haben. Das Projektteam vereint Wissen aus dem juristischen Bereich, aus der Ergotherapieforschung, der Sozialen Arbeit, Expertise zu Corporate Social Responsibility und im technischen Bereich zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien für Menschen mit Behinderung. Wir ergänzen uns alle sehr gut, aber wir brauchen viel Zeit für die Kommunikation. Sprache und methodisches Vorgehen sind sehr unterschiedlich in den verschiedenen Disziplinen. Der Aufwand ist gross, lohnt sich aber auf jeden Fall.
Mit welchem Ansatz arbeitet das Projektteam?
Wir begannen mit einer Literaturrecherche, haben die Ergebnisse in ein theoretisches Modell eingeordnet und auf überprüfbare Indikatoren heruntergebrochen. Anschliessend haben wir zahlreiche Expertinnen und Experten vor allem aus der Praxis, aber auch aus der Wissenschaft befragt, deren Rückmeldungen in den Leitfaden eingeflossen sind. Als nächster Schritt folgt nun die Praktikabilitätsüberprüfung: In einem Pilotversuch an der ZHAW werden einzelne Studiengänge mit dem Raster unter die Lupe genommen: Erlauben die Rahmenbedingungen, dass auch Menschen mit Behinderung ein Studium absolvieren können? Wie steht es mit den technischen und baulichen Gegebenheiten und nicht zuletzt, ist der Leitfaden geeignet für diese Analyse? Die spezielle Herausforderung bei der Erstellung des Leitfadens ist, aus den unzähligen Detailaspekten zu abstrahieren, aber dennoch ein praxistaugliches Instrument zu erstellen. Die Hochschulleitung der ZHAW hat uns von Anfang an sehr unterstützt. Wir sind froh, dass wir die Überprüfung des Leitfadens an der ZHAW durchführen dürfen.
Dr. Julie Page, verantwortlich für die Forschung am Institut für Ergotherapie des ZHAW Departements Gesundheit, leitet das Projekt. Zum Projektteam gehören Dr. Heidrun Becker, Institut für Ergotherapie, Dr. Alireza Darvishi, Institut für angewandte Informationstechnologie der School of Engineering, Dr. Sylvie Kobi, Departement Soziale Arbeit, Prof. Dr. Kurt Pärli, Dr. Eylem Copur und Herbert Winistörfer, Institut für Wirtschaftsrecht der School of Management and Law.



