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Interview mit Michael Schanne

Gesundheitstipps auf Empfang schalten

Michael Schanne, Sie führten in der ländlichen kenianischen Coast Province eine Machbarkeitsstudie zum Thema Gesundheitsjournalismus und Gesundheitskommunikation durch. Welches Ziel verfolgten Sie dabei?
Während Massenkommunikation in den meisten afrikanischen Ländern relativ gut erforscht ist, existieren zur Individualkommunikation bisher nur wenig wissenschaftlich abgestützte Informationen. So ist es vergleichsweise einfach herauszufinden, wie viele Leute Radio
gehört haben. Es ist aber nicht so einfach herauszufinden, was sie genau gehört, welche Gedanken sie sich dabei gemacht und mit wem sie über das Gehörte diskutiert haben. Um die Individualkommunikation in ländlichen und entlegenen Gebieten genauer zu beleuchten,
wie dies von zahlreichen Gesundheitsorganisationen gewünscht wird, bedarf es einer breitangelegten Untersuchung. Mit unserer Machbarkeitsstudie wollten wir dafür das Feld bereiten und herausfinden, ob es überhaupt möglich ist, die benötigten Informationen von der einheimischen Bevölkerung zu erhalten. Inzwischen kennen wir die Bedürfnisse und das Mediennutzungsverhalten der Leute genauer und wissen auch, dass eine gross angelegte Studie machbar ist und relevante Erkenntnisse liefern würde.

Lässt sich das Gesundheitsverhalten der Menschen im ländlichen Kenia tatsächlich durch die Medien beeinflussen?
Die Ergebnisse unserer Machbarkeitsstudie zeigen, dass journalistische Berichterstattung zum Thema Gesundheit wichtige Informationen vermitteln und persönliche Gespräche anregen kann. Unter anderem deshalb, weil die ländliche Bevölkerung Kenias sehr an Gesundheitsinformationen interessiert ist. Dies zeigen etwa die in vielen Dörfern regelmässig veranstalteten Gesundheitsvorträge, welche von den Menschen sehr aufmerksam verfolgt werden – obwohl sie dazu oft einen mehrstündigen Fussmarsch auf sich nehmen müssen.
Auch Umfragen von Radiostationen ergaben, dass sich die Hörerinnen und Hörer mehr Informationen zum Thema Gesundheit wünschen. Bisher wird in den Medien jedoch nur spärlich darüber berichtet und die Informationen sind für die Leute oft schwer verständlich.
Gerade die vielen lokalen Radiosender könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Inwiefern hebt sich die Studie von anderen Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit ab?
Der Gesundheitszustand einer Gesellschaft wird nicht alleine durch Fortschritte in der medizinischen Versorgung beeinflusst, sondern hängt ebenso von einer Vielzahl struktureller, kultureller oder kommunikativer Gegebenheiten ab. Unser Anliegen war es deshalb, die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum zu rücken, um die öffentliche Gesundheit nicht einfach punktuell und kurzfristig zu verbessern, sondern das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung nachhaltig verändern zu können. Mit dieser Einstellung stiessen wir in Kenia nach anfänglicher Skepsis auf sehr viel Offenheit, was sich in äusserst aufschlussreichen Interviews widerspiegelte. So erfuhren wir etwa, dass viele Einheimische den Einsatz von Bettnetzen zur Malariaprophylaxe als überflüssig betrachteten, weil sie gar nicht in einem Bett, sondern oft direkt auf dem Boden schlafen.

Michael Schanne ist Dozent für Kommunikations- und Mediensoziologie am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW und hat dort im Bereich Forschung die Schwerpunktleitung Wissenschaftskommunikation inne. Christoph Spurk lebte mehrere Jahre in Kenia. Er forscht und lehrt am IAM zur Qualität im Journalismus vor allem in Entwicklungsländern.