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Interview mit Renata Schneiter

Therapie im Grünen – für Sinne und Seele

Renata Schneiter, die wohltuende Wirkung von Gärten ist seit jeher bekannt. Trotzdem ist Gartentherapie ein noch junges Fachgebiet. Welcher Stellenwert kommt diesem in der Schweiz zu?
Die Gartentherapie ist tatsächlich ein relativ junges Fachgebiet und wird erst seit wenigen Jahren wissenschaftlich untersucht. Gartentherapie für Demenzerkrankte war bis vor kurzem in der Schweiz sogar überhaupt nicht Gegenstand der Forschung. Aus der Erfahrung und aufgrund von bereits durchgeführten Untersuchungen wissen wir jedoch, dass sich die Lebensqualität von Patienten in der Rehabilitation, von Menschen mit psychischen Beschwerden oder auch von Demenzerkrankten mit einem richtig gestalteten Aussenraum
signifikant verbessern lässt. Daher ist zu erwarten, dass sowohl die Gartentherapie wie auch die Gestaltung von entsprechenden Gärten in Zukunft einen grösseren Stellenwert geniessen werden.

Welche Wirkung kann ein optimal gestalteter Aussenraum bei Personen erzeugen, die an Demenz erkrankt sind?
Gerade Menschen mit Demenz haben zu Beginn oft einen sehr grossen Bewegungsdrang. Mit einem bedürfnisgerecht gestalteten Garten kann man ihnen eine Tür ins Freie öffnen. Im Gegensatz zu einer Praxis oder einem Heim, dem oft ein Beigeschmack von Krankheit
anhaftet, findet man im Garten auch leicht ein positives Gesprächsthema. Der Garten selber soll vor allem die Sinne ansprechen. So werden bei Demenzerkrankten etwa durch den Duft von Lavendel, das Pflücken von Schlüsselblumen oder den Genuss von Himbeeren
viele positive Erinnerungen wach und das Gedächtnis aktiviert. Voraussetzung ist natürlich, dass ein solcher Aussenraum immer auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt ist und dass diese von einer Betreuungsperson begleitet und animiert werden.

Welche Rolle spielt die ZHAW im Bereich der Gartentherapie und bei der Gestaltung von entsprechenden Aussenräumen?
Wir möchten mit unserer Arbeit die Grundlage schaffen, damit in der Schweiz die positiven Wirkungen der Natur in Zukunft verstärkt genutzt werden können, wenn es um die Förderung von Heilungsprozessen und die Erhöhung der Lebensqualität geht. Auf der Grundlage der verschiedenen interdisziplinären Forschungsprojekte, die wir an der ZHAW zusammen mit der Hochschule für Technik Rapperswil durchführten, haben wir darum ein umfassendes Lehrbuch für Gartentherapie herausgegeben. Ebenfalls planen wir die Publikation des von uns entwickelten Leitfadens für die Nutzung und Gestaltung von Gärten für Demenzerkrankte.
Mit der Gründung der Schweizerischen Gesellschaft Gartentherapie beabsichtigen wir ausserdem den Aufbau eines Netzwerks rund um den Fachbereich Gartentherapie in der Schweiz. Und für 2012 ist ein Zertifikatslehrgang in Gartentherapie geplant, um auch die
Kompetenzen von Betreuungspersonen in diesem Bereich zu fördern.

Prof. Renata Schneiter leitet an der ZHAW in Wädenswil die Fachstelle «Grün und Gesundheit» und ist Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft Gartentherapie.