Nach der Krise ist vor der Krise

; (). Nach der Krise ist vor der Krise : Welche Lehren sind aus aktuellen Ereignissen für den Umgang mit Risiken und Krisen im öffentlichen Sektor zu ziehen?. In: Schweizerische Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften (SGVW) (Hg.). Jahrbuch der Schweizerischen Verwaltungswissenschaften 2011. (9-20). Zürich: kdmz. Peer reviewed.

In jüngster Zeit haben durch gesellschaftliche, wirtschaftliche, technische, umweltbedingte sowie weiteren Vorkommnisse verursachte Risiken oder Krisen Gemeinwesen auf allen Ebenen vor die Herausforderungen gestellt, Schäden für Organisation, Gesellschaft und Umwelt einzudämmen und/oder abzuwenden. Risiken und Krisen treten oft nicht überraschend auf, sondern können sich mit Symptomen oder Vorzeichen über eine längere Zeit ankündigen. Dabei kann der Sachverhalt zwar richtig analysiert aber dessen möglichen Auswirkungen nicht erkannt oder falsch eingeschätzt oder nicht mit den geeigneten Massahmen begegnet werden. Andere Ursachen von Risiken oder Krisen gelten bis zu ihrem Eintreten als unvorstellbar und werden deshalb von der Führung nicht wahrgenommen. Die Folgen davon können aufgrund des damit verbunden Umfangs finanzieller und volkswirtschaftlicher, personeller oder anderer Schäden oder dem Verlust von Glaubwürdigkeit nachhaltige Schäden für Organisation, Gesellschaft und Umwelt nach sich ziehen.

Der Umgang mit Krisen, die eine Organisation trotz präventiven Massnahmen unerwartet und schwer treffen können, wird im Krisenmanagement oftmals auf die Bewältigung eines Katastrophenereignisses sowie die Wiederherstellung der Betriebsfunktion beschränkt. Die Vermeidung sowie die Bewältigung von Krisen sind jedoch Teil eines weiter gefassten Risikomanagementsystems und eines modernen Führungsverständnisses. Beides umfasst die laufende Verbesserung und Weiterentwicklungen des Risikomanagements aufgrund von neuen Erkenntnissen, welche aus der Ursache und dem Umgang mit Risiken und Krisen gezogen werden können. Ziel ist es durch ein verbessertes Risikomanagement Staat und Verwaltung in der Krisenprävention zu stärken sowie die zur Risiko- und Krisenprävention notwendigen Mitteln zweckmässig zuzuweisen.

Ob ein Grossrisiko oder eine Krise vorliegt, kann nur unzureichend anhand einer begrifflichen Definition festgelegt werden, sondern wird in der Studie durch die damit verbundenen Auswirkungen definiert. Neben finanziellen Auswirkungen, dem Umfang der Schädigung von Mensch und Umwelt sowie der Beeinträchtigung bei der Erfüllung grundlegender staatlicher Aufgaben und Dienstleistungen wird als weiteres Kriterium die Einleitung einer Untersuchung durch das parlamentarische Aufsichtsorgan verwendet.

Anhand von aktuellen Fallbeispielen aus der Schweiz, die seitens Medien gut dokumentiert und von parlamentarischen Aufsichtsorganen mit umfangreicher Akteneinsicht aufgearbeitet sowie mit konkreten Empfehlungen versehen worden sind, werden Rückschlüsse auf das Risikomanagement im öffentlichen Sektor gezogen und Handlungsanleitungen formuliert. Untersucht werden dabei die Geschehnisse und Einflussfaktoren vor dem Eintreten des Grossrisikos bzw. der Krise. Diese Ergebnisse bilden einen Beitrag zum organisationalen Lernen und verfolgen das Ziel, der Prävention von Risiken und Krisen im öffentlichen Sektor eine grössere Aufmerksamkeit zu widmen.