Der Faktor Mensch im Risikomanagement

(). Der Faktor Mensch im Risikomanagement: Herausforderungen für das Topmanagement im öffentlichen Sektor. In: Jahrbuch der Schweizerischen Verwaltungswissenschaften . Zürich: kdmz. Peer reviewed.

Gesellschaftliche, wirtschaftliche, technische und ökologische Entwicklungen
und Ereignisse beeinflussen staatliche Aufgaben. Dabei stehen Verwaltungen und öffentlich-rechtliche Unternehmen bzw. Anstalten vor der Herausforderung, in
einem hoch komplexen und sich ständig verändernden Umfeld Unerwartetes zu
antizipieren, adäquat darauf zu reagieren und dabei die übertragenen Aufgaben
jederzeit und stets mit hoher Zuverlässigkeit, Effizienz und Effektivität zu erfüllen.

Währenddem heute die Notwendigkeit eines Risikomanagements als Bestandteil von Good Governance im Grundsatz kaum bestritten wird, stehen die obersten Führungskräfte vor der Herausforderung, ein Risikomanagement mit den für Gemeinwesen geltenden Rahmenbedingungen umzusetzen und dabei ihre Verantwortung für die Entwicklung einer Risikokultur wahrzunehmen.
 

Die Bedeutung der Kultur für das Management von Risiken wird in vielen Organisationen bisher unterschätzt. Mitarbeitende nehmen auf das Risikomanagement laufend Einfluss: Sie können dessen Funktionieren ermöglichen, fördern, be- oder verhindern. Kulturelle Aspekte prägen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit ebenso wie das Denken und Handeln. Die Organisationskultur ist somit ein wichtiges Steuerungsinstrument, das alle Teile einer Organisation auf gemeinsame Ziele ausrichtet und Mitarbeitende für Herausforderungen mit Bekanntem und Unbekanntem sensibilisieren kann.
 

Organisationen in Hochrisikobranchen, die schwierige Aufgabenstellungen in
komplexen Systemen mit sehr hoher Zuverlässigkeit erfüllen müssen, richten ihre Aufmerksamkeit auf das Unerwartete und pflegen eine Sicherheitskultur. Organisationen des öffentlichen Sektors können von den Erkenntnissen dieser HROs im Sinne von «Best Practice» lernen. Denn auch sie müssen ihre Aufgaben und Ziele in einem immer komplexeren Umfeld mit hoher Zuverlässigkeit erfüllen. Die Herausforderung liegt auch für Verwaltungen und öffentlich-rechtliche Unternehmen bzw. Anstalten darin, eine Kultur zu etablieren, die «blinde Löcher» vermeidet und der Organisation jederzeit ein möglichst genaues Bild über die Risiken gibt.

Interviews und Umfragen mit Vertretern aus Wissenschaft und Praxis ergaben,
dass kulturelle Aspekte wie Führung und Werte, Personalpolitik und Organisationales Lernen sich entscheidend auf das Risikomanagement einer Organisation auswirken. Zwischen den Aussagen der obersten Führungskräfte aus der Privatwirtschaft und jenen aus dem öffentlichen Sektors gab es keine starken Unterschiede. Zusammen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über HROs sowie den Aussagen in den Interviews wurden jene kulturellen Erfolgsfaktor erfasst, die für das Risikomanagement bedeutsam sind und daraus abgeleitet für Führungskräfte Handlungsempfehlungen formuliert.