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Vorsorgeuntersuchungen bei älteren Menschen ? Ein Überblick über Erhebungsinstrumente.

; (). Vorsorgeuntersuchungen bei älteren Menschen ? Ein Überblick über Erhebungsinstrumente.. In: Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin in Vorarlberg. (Hg.). . Bregenz:

Zusammenfassung:
Hintergrund und Fragestellung: Der Anteil an älteren Personen an der Gesamtbevölkerung in industrialisierten Ländern nimmt stetig zu. Die gesundheitliche Versorgung dieser älteren Menschen findet zum überwiegenden Teil in der Grundversorgung beim Hausarzt statt. Eine Vorsorgeuntersuchung bei diesen älteren Personen soll durch die Erfassung von Risikofaktoren Einschränkungen im Alter frühzeitig erkennen helfen und durch geeignete Massnahmen soll die Selbstständigkeit der betroffenen Personen länger erhalten werden. Die hier dargestellte Untersuchung ist Teil eines Forschungsprojektes in der Grundversorgung, das die Grundlagen für die Erstellung eines Erhebungsinstrumentes für den praktizierenden Arzt/Ärztin entwickeln soll, um so eine altersspezifische Vorsorge zu ermöglichen. Zu folgenden Forschungsfragen sollten Informationen gewonnen werden: Welches sind Gebiete und Fragestellungen, die praktizierende Ärzte und Ärztinnen in Vorarlberg für eine Vorsorgeuntersuchung bei älteren Personen (ab 70 Jahren) für wichtig halten? Mit welchen existierenden Messinstrumenten können solche Domänen in einer Vorsorgeuntersuchung in sinnvoller Weise erfasst und gemessen werden?
Methodik: Zur systematischen Aufarbeitung der obigen Fragestellungen wurde ein mehrstufiges Vorgehen gewählt. In einem ersten Schritt wurden mit einem modifizierten Delphi Verfahren (mehrere postalische Fragebogenrunden) unter Einbezug der praktizierenden Ärzte in Vorarlberg wichtige Domänen und Fragestellungen für eine Vorsorgeuntersuchung bei älteren Menschen erhoben und diese gewichtet. Im zweiten Schritt wurde in Gesprächen mit Experten und durch systematische Suchen in Datenbanken Messinstrumente zu den verschiedenen Domänen identifiziert. Im letzten Schritt wurden die Messinstrumente jeder Domäne hinsichtlich der jeweiligen Fragestellung, der Messgenauigkeit, der Praktikabilität im Routineeinsatz und dem bisherigen Einsatzgebiet (Sprache, Setting) beschrieben und strukturiert dargestellt.
Ergebnisse: Knapp ein Drittel aller Vorarlberger Hausärzte beteiligten sich an der Umfrage. Die von den Grundversorgern genannten 28 Bereiche/Fragestellungen für eine Vorsorgeuntersuchung älterer Personen decken eine breite Palette von Themengebieten ab, die von der rein körperlichen Ebene über kognitiv-psychische bis hin zu sozialen und sozioökonomischen Fragestellungen reichen und auch direkt die Selbstbestimmung der betroffenen Personen angehen. Als am relevantesten zum Erhalt der Selbstständigkeit von älteren Menschen werden in der von uns durchgeführten Befragung folgende Bereiche eingestuft: ?Mobilität?, ?Schmerzen?, ?Sturzprävention?, ?kognitiver Status (Demenz)?, ?Sehen?, ?körperlicher Status? und ?psychischer Status (Depression)?. Für die meisten der untersuchten Themengebiete existieren bereits im Einsatz befindliche Erhebungsinstrumente, die für die klassischen Schwerpunkte der Risikoabklärung als breit eingesetzt und bewährt gelten können. Mehrdimensionale Instrumente zur Erhebung des funktionellen Status decken verschiedene Dimensionen ab und erlauben einen Einblick in die Bewältigung von Alltagssituationen (z. B. Aktivitäten des täglichen Lebens), weichen also von einer traditionellen diagnose-orientierten Betrachtungsweise ab.
Diskussion und Ausblick: Für eine mehrdimensionale Vorsorgeuntersuchung bei älteren Personen bedarf es einer gezielten Auswahl von Erhebungsinstrumenten oder Teilen davon, um ein letztlich alltagstaugliches und zuverlässiges Messinstrumentarium zur Hand zu haben, das auf die gegebenen Strukturen abgestimmt ist. Verschiedene Kriterien beeinflussen somit eine solche Auswahl: Das eigentliche Ziel der Vorsorgeuntersuchung, das Setting, in dem eine Vorsorgeuntersuchung stattfindet, die Messzuverlässigkeit der Instrumente, die praktische Durchführbarkeit der Testverfahren und vor allem der Zeitaufwand und die Kosten. Für die Umsetzung von Vorsorgeuntersuchungen in der Grundversorgung wird meist ein mehrstufiges Vorgehen gewählt: So wird z. B. seit 1990 für alle Personen über 75 Jahren in Grossbritannien eine Vorsorgeuntersuchung bei Ihrem Allgemeinpraktiker angeboten, die in ein dreistufiges Programm eingebettet sind. In Stufe 1 wird durch eine Screeninguntersuchung eine Problemidentifikation vorgenommen. Bei etwa der Hälfte der dort gescreenten Personen findet sich kein Problem. Bei einem Teil der der initial beim Screening auffälligen Personen finden sich nach einer vertieften Untersuchung (Schritt 2) Probleme, die jedoch meist auf der Ebene der Grundversorgung zu lösen sind. Lediglich bei etwa 4% der eingeschlossenen älteren Personen wird ein comprehensive geriatric assessment notwendig (Schritt 3). Ein ähnlich abgestuftes schrittweises Vorgehen wird auch von Expertengruppen aus dem deutsprachigen Raum vorgeschlagen. Dabei werden im ersten Schritt standardisierte Assessment-Instrumente sowie einfache Screening-Fragen bzw. einfache körperliche und technische Untersuchungen eingesetzt.