Blick in die Zukunft: Soziale Nachhaltigkeit im Workplace Management - Befunde und Forderungen

(). Blick in die Zukunft: Soziale Nachhaltigkeit im Workplace Management - Befunde und Forderungen: Tagungsreferat. In: iafob Jahrestagung. Tagung. (26.11.2015). Bern: iafob.

Welche Faktoren sind zu beachten, wenn man Bürogebäude und -räume planen, bauen und betreiben will, die über den Lebenszyklus betrachtet nicht nur ökonomisch und ökologisch nachhaltig sind sondern auch den Nutzenden ganzjährig ein komfortables, gesundes und arbeitsunterstützendes Arbeitsumfeld bieten?

Unsere Forschung zeigt, dass nicht Gebäudeeigenschaften, Bürotypen oder die Einhaltung von Normen und Empfehlungen zur Innenraumqualität Komfort, Gesundheit, Arbeitsleistung und Arbeitszufriedenheit von Büronutzenden vorherzusagen vermögen. Vielmehr sind es die subjektiven Beurteilungen der Arbeitsumgebung welche für diese Ergebnisgrössen ausschlaggebend sind. Die Büroqualität resultiert somit aus der Wahrnehmung und Beurteilung der Nutzenden (vorausgesetzt die gängigen Normen und Empfehlungen werden eingehalten). Damit liegt auch das Potenzial für die Optimierung von Büros im Hinblick auf Komfort, Gesundheit, Arbeitsleistung und Arbeitszufriedenheit in der starken und konsequenten Nutzerorientierung. Theoretische Ansätze, empirische Evidenz und Instrumente dazu liegen vor. Allerdings werden beispielsweise nutzerorientierte Formen der Ergebnisprüfung (post-occupancy evaluations) von Workplace Innovationen und Interventionen selten systematisch durchgeführt. 

Gleichzeitig steigt die Offenheit von Organisationen gegenüber neuen Arbeitsweisen bzw. Arbeitswelten. Entscheidungen in Bezug auf neue Arbeitswelten basieren nicht mehr ausschliesslich auf Kosten- und Flächeneinsparungen. Die Unterstützung von Arbeitsleistung, Gesundheit und Zufriedenheit sowie die Attraktivität als Arbeitgeber werden bei Workplace Projekten mehr und mehr mitberücksichtigt.

Diese Entwicklungen bestätigen die Forderung nach stärkerer Nutzerorientierung. Zurzeit sind allerdings wenige Organisationen in Bezug auf Kompetenzen und organisationale Strukturen darauf vorbereitet. Die Evidenz aus der wissenschaftlichen Forschung zu Workplace Innovationen und Interventionen findet noch zu wenig Berücksichtigung in Praxisprojekten. Die Verantwortung für das Workplace Management ist zudem oft schlecht oder gar nicht definiert. Für die Zukunft und die Bewältigung von organisationalen Herausforderungen mit Bezug zu Arbeitsumgebungen (z.B. Nachhaltigkeit, alternde Belegschaft, Fachkräftemangel, neue Arbeitsmodelle, Digitalisierung) ist deshalb zu fordern, dass Workplace Management in Organisationen eine integrierte und integrierende Rolle übernimmt und entsprechende Positionen in Organisationen geschaffen werden, welche die Workplace Projekte und Prozesse unter Einbezug von HR, IT, CREM und anderen Stellen verantworten. Diesen Platz können sich Workplace Manager erarbeiten, indem sie die ökonomischen, ökologischen und sozialen Mehrwerte belegen und damit ihren Beitrag zum Erfolg der Organisation darstellen.