Modernisierung der Monografien für Thymianfluidextrakt und Thymiansirup der Schweizer Pharmakopöe

; ; ; ; (). Modernisierung der Monografien für Thymianfluidextrakt und Thymiansirup der Schweizer Pharmakopöe. Zeitschrift für Phytotherapie, 37, S01. P24. Peer reviewed.

Kongressbeitrag:

Einführung: Die Monografie für Thymiansirup in der Schweizer Pharmakopöe [1] ist nicht mehr zeitgemäss, da zur Standardisierung Thymol als Reinstoff zugesetzt wird. Als Wirkstoff enthält der Sirup einen Thymianfluidextrakt, dessen Herstellung sich ebenfalls als problematisch erwies, da mit der vorgeschriebenen Menge Lösungsmittel (3 Teile) keine Maische resultierte. Eine Revision der Monografie unter Einbezug der aktuellen Regularien zur Herstellung pflanzlicher Arzneimittel drängte sich deshalb auf.

Ziel: Es war abzuklären, wie ein Fluidextrakt oder eine Tinktur hergestellt werden muss, damit der in der Schweizer Pharmakopöe beschriebene Thymiansirup als Monografie nach zeitgemässen Kriterien weiter bestehen kann. Die Notwendigkeit des Einsatzes von Ammoniak und Glycerin als Bestandteil des Extraktionsmittels zur Optimierung der Thymolausbeute sollte überprüft werden. Angestrebt wurde eine möglichst geringe Ethanolkonzentration im Extraktionsmittel, damit der Sirup für Kinder applizierbar bleibt.

Resultate: Die Ausbeute an Thymol beim Mazerieren hängt ab vom Alkoholgehalt, wobei bei 40 – 60% Ethanol V/V das Maximum der Extraktionskurve erreicht wurde. Unterhalb von 30% V/V ist die Thymolausbeute zu gering. Nach 30 min ist bereits eine maximale Ausbeute erreicht. Der Zusatz von Glycerin und Ammoniak hat keinen Einfluss auf die Ausbeute an Thymol (Abb. 1). Um mit 30% Ethanol V/V eine möglichst hohe Ausbeute zu erreichen, wird eine Digestion bei 60 °C empfohlen. Die Perkolationskurve mit 30% V/V Ethanol verläuft sehr flach, sodass dieses Verfahren keine Alternative darstellt. Abb. 1: (...)

Diskussion: Es zeigte sich, dass ein Thymianfluidextrakt gemäss aktueller, allgemeiner Extrakt-Monografie der Ph.Eur. [2] nicht hergestellt werden kann. Es braucht mindestens 5 Teile Extraktionsmittel, um mit Thymi herba überhaupt einen Extrakt herstellen zu können, da die pulverisierte Droge sehr viel Extraktionsmittel aufsaugt. Ein Einengen auf einen Fluidextrakt (1 Teil Extrakt entspricht 1 Teil Droge) ist ohne aufwändige Rückgewinnungsverfahren infolge Thymolverlust nicht möglich. Der Fluidextrakt wurde durch eine 1:5-Tinktur ersetzt. Enthält die Tinktur 30% Ethanol, kann ein kindergerechter Alkoholgehalt im Sirup (< 8%) bei adäquater Thymolkonzentration erreicht werden. Auf den Einsatz von Ammoniak und Glycerin bei der Extraktion konnte verzichtet werden, Glycerin wurde in die Sirup-Formulierung transferiert.

Wir danken dem Schweizerischen Heilmittelinstitut SWISSMEDIC, Abteilung Pharmakopöe, für die finanzielle Unterstützung.

[1] Swissmedic (2012) Schweizer Pharmakopöe. Monografien CH272 Thymi extractum fluidum normatum und CH273 Thymi sirupus

[2] EDQM (2015) European Pharmacopeia. Monograph 07/2015:0765 Herbal drug extracts.