Marktöffnung als Weg in eine zukunftsfähige Schweizer Ernährungs- und Landwirtschaft - Chancen, Herausforderungen und Lösungsansätze

(). Marktöffnung als Weg in eine zukunftsfähige Schweizer Ernährungs- und Landwirtschaft - Chancen, Herausforderungen und Lösungsansätze: Studie im Auftrag von economiesuisse. Schlussbericht. Wädenswil: IUNR.

Die Schweizer Ernährungs- und Landwirtschaft hat sich unter den Rahmenbedingungen eines ausgebauten Schutzes vor Wettbewerb und einer direkten Stützung der Agrarproduktion ent­wickelt. In den vergangenen 20 Jahren wurde das agrarpolitische Instrumentarium  zwar umgebaut, dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Landwirtschaft nach wie vor deutlich geschützt und gestützt wird und in ihrem Kielwasser sich die ge­samte Wertschöpfungskette innerhalb dieser Rahmenbedingungen eingerichtet hat.

Wie kann die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft auf dem Weg in die Zukunft begleitet werden? Welche Herausforderungen stellen sich mit einer zunehmenden Marktöffnung? Welche Chancen bieten sich und welche Lösungsansätze gibt es? Zielsetzung des Projektes war es, einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen zu liefern. Zentralen Stellenwert in der Untersuchung haben explorative vertrauliche Gespräche mit ExpertInnen und Betroffenen einer Marktöffnung.

Die in der Untersuchung vorgenommene qualitative Betroffenheitsanalyse basiert auf dem ökonomischen Verhaltensmodell. Danach beeinflussen Wertvorstellungen und Überzeugungen das Entscheiden und Handeln umso stärker, je geringer die wirtschaftlichen (Opportunitäts)Kosten einer Handlung sind (sogenannte Kleinkostensituation). Die Analyse lässt sich in der These zusammenfassen, dass das Interesse an einer Öffnung der Agrar- und Lebensmittelmärkte beschränkt ist, sei es aus einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber «Wettbewerb, Liberalisierung, (Frei)Handel und Globalisierung» heraus (Wertvorstellungen und Überzeugungen), sei es aus der Befürchtung, dass die Kosten einer Marktöffnung die Nutzen übertreffen (wirtschaftliche Betroffenheit).

Untersuchungen aus dem In- und Ausland bestätigen eine kritische Haltung gegenüber einer Marktöffnung als allgemeine Grundstimmung. Solange eine Mehrheit der Akteure und der Stimmbevölkerung überzeugt sind, dass die Kosten einer Aufrechterhaltung der heutigen agrarprotektionistischen Politik vernachlässigbar oder nicht gravierend sind, ist nicht damit zu rechnen, dass die Zustimmung zu einer Marktöffnung wächst und die Notwendigkeit, zu handeln, erkannt wird.

Ein anderes Bild ergibt sich aus den 18 explorativen vertraulichen Gesprächen mit 22 ExpertInnen und Betroffenen aus der Wertschöpfungskette, aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Der wachsende Wettbewerbsdruck für die gesamte Wertschöpfungskette ist für sie eine Realität, der man sich stellen muss, wenn auch mehrheitlich ohne Begeisterung.

Um die Entwicklung bestmöglich zu gestalten, die negativen Folgen zu begrenzen und die Chancen zu nutzen, ist für die Mehrheit der GesprächspartnerInnen ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU die richtige Strategie, unabhängig von anderen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, beispielsweise im Rahmen der WTO. Ein Konsens besteht darin, dass ein Agrarfreihandelsabkommen sorgfältig vorbereitet und mit geeigneten Massnahmen und ausreichenden Übergangsfristen begleitet werden muss.

Viele Meinungen rund um das Thema Marktöffnung und Freihandel basieren auf verzerrten Vorstellungen von Wirtschaft und Landwirtschaft. Diese Ängste müssen ernst genommen und respektiert werden, sie sind aber schlechte Ratgeber, wenn es darum geht, gute Entscheidungen für die Zukunft zu fällen. Ziel sollte sein, zu realistischeren Vorstellungen zu gelangen, und den verbreiteten Ängsten, was bei einer Marktöffnung passieren könnte, fachlich begründete positive Botschaften gegenüberzustellen. Konkret wurden in der Untersuchung zu den Themenbereichen Sicherheit, Schweizer Wirtschaft, Schweizer Landwirtschaft, Gerechtigkeit, Ökologie und Tierwohl 22 positive Botschaften ausgearbeitet, fachlich begründet und den entsprechenden verbreiteten Befürchtungen gegenübergestellt.