Reliktpopulationen von endemischen Prioritätsarten aus den Schweizer Nordalpen

Auf einen Blick

Projektleiter/in: Dr. Stephan Brenneisen

Projektteam: Dr. Stephan Brenneisen, Dr. Alexander Szallies

Projektfinanzierung: BAFU

Projektvolumen: 200'000.00 CHF

Projektbeginn: 01.01.2009

ProjektpartnerInnen: Bundesamt für Umwelt BAFU, Kantone

Kurzdarstellung

Erfassung von Tier-Endemiten mit nationaler Verantwortung der Schweiz
Der Kenntnisstand von Vertretern einzelner Tiergruppen, die ausschliesslich (Endemiten) bzw. schwerpunktmässig in der Schweiz (Subendemiten) ist geographisch teilweise lücken¬haft und zu wenig systematisch aufbereitet, insbesondere für die Beurteilung der Schweizer Schutzverantwortung.
In erster Linie soll die endemische und subendemische Käferfauna der nördlichen Schweizer Alpen mit hoher Schweizer Schutzverantwortung mit Feldarbeiten systematisch und möglichst erschöpfend erfasst, die Funde taxonomisch validiert, eine Referenzsammlung errichtet, ferner die artspezifische Gefährdungssituation eingeschätzt werden. Beifänge wie Spinnen, Wanzen und weitere Tiergruppen werden systematisch gesichert und es wird nach Möglichkeiten gesucht diese auch – dem Projektziel entsprechend – durch Experten bestimmen zu lassen.
Zudem soll bei ausgewählten lokalendemischen Taxa die genauere Verbreitung sowie die genetische Diversität untersucht werden. Basis sind das bereits bekannte Vorkommen (z.B. Schweizer Goldschrecke Podimopsis keisti, der Blattkäfer Chrysolina latecincta). Anhand der Kenntnisse der spezifischen Habitatansprüche sollen Habitatmodellierungsmethoden genutzt werden, um systematisch weitere potentielle Lebensräume dieser Arten identifizieren zu können. Zur Ermittlung der genetischen Isoliertheit bzw. Verwandtschaft von zerstreut lebenden endemischen Populationen sollen molekulargenetische Untersuchungen durchgeführt werden.

Erfassen der Faunengeschichte – Spuren der Eiszeiten in der Schweizer Fauna
Mit dem Projekt wird die Faunengeschichte nach den holozänen Vereisungen in der Schweiz aufzeigbar. Daraus ergeben sich wesentliche Grundkenntnisse zur Einschätzung der Entstehung und Bedeutung der Schweizerischen Endemitenfauna. Diese Arten sind im Prinzip selten und kommen sehr lokalisiert vor. Sie sind ebenfalls sensible Bioindikatoren für den Klimawandel.

Erfassen und Zusammenführen von Expertenwissen zu Schweizerischen Endemiten
Experteneinschätzungen zur Taxonomie der speziellen Arten sollen hinzugezogen werden, um ein höchstmögliches Mass an Qualität der Bestandsaufnahme des Arteninventars, der sicheren Bestimmung des bei den Felderhebungen aufgesammelten Materials und der Einschätzung der Schweizer Schutzverantwortung für die endemische oder subendemische Arten zu erreichen. In Veröffentlichungen soll der erlangte Kenntnisstand über die Endemitenfauna der Wissenschaft und den kantonalen Fachstellen mitgeteilt, allenfalls in einer BAFU-Schrift breiter bekannt gemacht werden. Rahmenbedingungen / Bemerkungen
Neben den im strengen Sinne endemischen Arten sind in den Schweizer Nordalpen scheinbar isolierte Populationen von Arten aufgefunden worden, die einen vermutlich reliktären Charakter haben. Ob diese Populationen gar als eigenständige Taxa zu werten sind, was sie per definitionem damit zu Endemiten machen würde, wäre im Einzelfall durch gezielte Aufsammlungen in weiteren Gebieten und vor allem taxonomisch und genetisch noch genauer zu untersuchen. Beispiele dafür sind unsere im Vorprojekt für die Schweizer Nordalpen erfolgten Neunachweise Leistus montanus kultianus (Laufkäfer), Hypnoidus hyperboreus (Schnellkäfer) und Chrysolina latecincta (Blattkäfer).
Dementsprechende Untersuchungen zur genaueren Verbreitung, zur genetischen Unter-schiedlichkeit und zur Populationsdynamik der im engeren Sinne endemischen Taxa, wie z.B. der Schweizer Goldschrecke Podismopsis keisti, der Nidwaldener Haarschnecke Trochulus biconicus, der Unterarten von Nebria cordicollis (Laufkäfer) und gewisser Formen von Trechus pertyi (Laufkäfer) sollen helfen, die These einer reliktären Isoliertheit von Taxa oder von Teilpopulationen und deren endemischer Status zu klären.