Industriehanf und andere Bastfasern als nachhaltige Ergänzung und Alternative zur Baumwolle

Auf einen Blick

Projektleiter/in: Prof. Dr. Rolf Krebs, Dr. Marianne Leupin

Projektteam: Roman Meyer

Projektbeginn: 01.11.2011

Beschreibung

Machbarkeitsstudie zur industriellen Produktion von kostengünstigen & umweltverträglichen spinnbaren Hanffasern

Kurzdarstellung

Aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl und des steigenden Pro-Kopf-Verbrauches erhöht sich der Bedarf an textilen Rohstoffen weltweit. Geht man vom heute durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 10.8 kg aus und rechnet dies auf die von der UNO geschätzte Bevölkerungszahl im Jahr 2050, liegt der geschätzte Bedarf an textilen Rohstoffen 20 Millionen Tonnen höher als heute. Bezogen auf Baumwolle (BW) und die Tatsache, dass in Zukunft nicht nur die Bevölkerungszahl sondern auch der Pro-Kopf-Verbrauch zunehmen wird, ist davon auszugehen, dass sich Nachfrage und damit auch der BW-Bedarf bis ins Jahr 2050 etwa verdoppeln wird.

In der Bekleidungsindustrie ist BW wegen ihrer sehr angenehmen Trageigenschaften momentan noch der bedeutendste Textilrohstoff, dies obwohl Polyester sie von den Produktionsmengen her bereits überholt hat. Da der BW-Anbau auf den sogenannten BW-Gürtel beschränkt ist, lässt sich die Produktion aber nur noch geringfügig ausweiten und kann niemals den zu erwartenden Mehrbedarf abdecken.

Neben BW sind auch andere Pflanzenfasern wie z.B. Flachs, Hanf, Ramie und Nesseln bekannt für Ihre sehr angenehmen Trageigenschaften. Zudem hat Hanf den Vorteil, dass er problemlos in unseren Breitengraden angebaut werden kann, sehr krankheitsresistent ist und pro ha in etwa den doppelten Faserertrag von konventioneller und den 4-fachen Ertrag von Bio-BW liefert.

Will man Hanf zukünftig als umweltverträgliche Ergänzung und Alternative zur BW etablieren, muss er so aufgearbeitet werde, dass seine Fasern kostengünstig und nachhaltig geliefert und mit modernen Maschinen textil zu qualitativ hochstehenden Produkten verarbeitet werden können.

An der ETH Zürich konnte nachgewiesen werden, dass es technisch machbar ist, Hanf im Labormassstab so aufzuarbeiten, dass seine Fasern auf einer OE-Spinnmaschine zu reinen Hanfgarnen im Bereich von 50tex versponnen werden können. Damit konnte ein wichtiges Teilziel auf dem Weg zur textilen Nutzung von Hanf erreicht werden.

Beim nächsten Schritt geht es an der ZHAW nun darum, die gesamte Aufarbeitungskette - vom Samen bis zur textil verarbeitbaren Hanffaser - vom Labormassstab auf den industriellen Massstab zu übertragen, die einzelnen Prozessschritte punkto Nachhaltigkeit auf den neusten Stand der Technik zu bringen, sowie die möglichen Produktionskosten zu eruieren. Gleichzeitig geht es auch darum, genügend Fasermaterial für die Herstellung interessanter Prototypen und Produktlinien bereitzustellen, um so das Marktpotential und die Marktchancen von Hanf-Textilien aufzeigen zu können.