Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Gebärdensprachen: Empirie-basierte Grundlagen für grammatische, pragmatische und soziolinguistische Deskriptoren in Deutschschweizer Gebärdensprache (2015-18)

Auf einen Blick

Projektleiter/in: Dr. Jörg Keller

Projektteam: Patty Shores-Hermann (HfH, Zürich), Petrea Bürgin, Aline Meili, Dawei Ni

Projektfinanzierung: SNF

Projektvolumen: 342'000.00 CHF

Projektbeginn: 01.07.2015

Kurzdarstellung

Im Projekt sollen für einen Teilbereich der kommunikativen Kompetenzen in Gebärdensprachen auf empirischem Wege Deskriptoren bestimmt werden, welche gut differenzierbare Sprachkenntnisstufen beim Lernen von Gebärdensprachen als Fremd- und Zweitsprache charakterisieren. Diese Deskriptoren bilden wiederum die Grundlage eines europaweiten Bezugsrahmens zur Bestimmung, Charakterisierung, Standardisierung und Prüfung der Sprachkenntnisse beim Erlernen von Gebärdensprachen als Fremd- und Zweitsprache im Allgemeinen.
Eine standardisierte Beschreibung der notwendigen kommunikativen Kompetenzen und Sprachfertigkeiten unabhängig von der Erstsprache der Lernenden besteht bereits für Lautsprachen im Kriterienraster des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER, engl. CEFR). Das lautsprachliche Raster ist insbesondere aufgrund des Modalitätsunterschieds zwischen Laut- und Gebärden¬sprachen, aber auch - soweit es die kommunikativen Kompetenzen betrifft - aus sprachsystematischen Gründen nicht ohne Weiteres auf Gebärdensprachen übertragbar. Hinzu kommen Bereiche, die in Lautsprachen weitgehend als nonverbale Signale kommuniziert werden, die jedoch in Gebärden¬sprachen als nicht-manuelle Anteile einer Gebärdenäusserung vielfach sprachsystema¬tischen Charakter haben. Ferner sind für die Nutzung von Gebärdensprachen kontaktsprachliche Kompetenzen wichtig, wie etwa die Rezeptions- und Produktionsfähigkeit des Fingeralphabets und des Mundbildes. Gebärdensprachen (GS) nutzen neben Gebärdensequenzen (zweidimensional) den dreidimensionalen Raum als Ausführungsmedium, wobei Bedeutungen sowohl simultan als auch sequentiell in der morphosyntaktischen Äusserungsform kodiert werden.
Zwar verfügen GS nicht über ein Schriftsystem, wohl aber über Textsorten, sodass der Bereich der "schriftlichen" Kompetenzen anders als in Lautsprachen in einem Referenzrahmen abgebildet werden muss. Einen Zugang dazu bilden Videoaufzeichnungen. Gebärdete Vorträge, Erzählungen, Anleitungen, Berichte usw. unterscheiden sich voneinander also ebenso wie schriftliche Textarten und relevante Textualitätsmerkmale können insofern in solchen Aufzeichnungen identifiziert, deren Bedeutung analysiert und interpretiert werden.
Im Projekt sollen Deskriptoren für den Kompetenzbereiche "Textualität" in der Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS) empirisch erhoben und analysiert werden. In einer Arbeitsphase von 36 Monaten soll empirisch geklärt werden, welche Deskriptoren in DSGS die gebärdensprachliche Kompetenzen abbilden und welchen GER-GS-Stufen der Fremdspracherwerb dieser Kompetenzen jeweils entspricht. (Bewilligt am 24.09.2014; Start 01.07.2015)