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Integrativer Lebensraum trotz Lärm

Kostengünstige Wohnungen an lärmbelasteten Lagen

Auf einen Blick

Beschreibung

Ausgangslage
Laut der «SiRENE-Studie» leben rund 20-25% der Schweizer Bevölkerung in Gebieten, in denen die zulässigen Immissionsgrenzwerte für Verkehrslärm in der Nacht oder am Tag überschritten werden. Derweil ist wissenschaftlich belegt, dass Lärmbelastung zu Beeinträchtigungen der physischen wie auch psychischen Gesundheit führen kann. Das Bundesamt für Raumentwicklung schätzte die externen Gesundheitskosten infolge von Strassenverkehrslärm 2019 auf über 2.1 Milliarden Franken. Dass die Bevölkerung vor Lärm geschützt werden muss, ist demnach unbestritten. Dazu wird der Lärm einerseits an der Quelle bekämpft – also Emissionen gemindert. Andererseits schreiben Bund und Kantone baulichen Lärmschutz vor.
Insbesondere der Wohnungsbau an lärmbelasteten Lagen stellt für Architektinnen und Architekten aber eine grosse Herausforderung dar. Sind die Immissionsgrenzwerte überschritten, schränkt die geltende Gesetzgebung den planerischen Spielraum massiv ein: Wohnräume, Schlafzimmer und Balkone rücken auf die lärmabgewandten Gebäudeseite, während sich Treppenhäuser, Badezimmer, Küchen und Abstellräume an der Strasse konzentrieren. Die Folgen dieser rigiden Handhabung sind in unseren Städten bereits sichtbar: Neuere Wohnbauten zeigen dem öffentlichen Raum ihre abweisende Rückseite, die älteren verschwinden hinter Schallschutzwänden. Belebte Strassen mitten in der Stadt verwandeln sich in unwirtliche Verkehrsachsen. Gleichzeitig nimmt mit der intensiveren Nutzung der lärmabgewandten Gebäudeseiten der Nachbarschaftslärm und damit das Potential für soziale Konflikte zu. Nicht zuletzt hat der Lärmschutz auch seinen Preis. Einkommensschwache Haushalte können sich die Mieten in sanierten oder neuen Bauten, welche den heutigen Lärmschutzvorschriften entsprechen, oft nicht leisten. Sie werden entweder aus der Innenstadt verdrängt oder bleiben dem Lärm in unsanierten Gebäuden weiterhin ausgesetzt. Lärmschutz beeinflusst also nicht nur die Entwicklung unserer Städte und unsere Wohn- und Baukultur, sondern wirkt sich auch auf die Teilhabe verschiedener sozialer Gruppen am urbanen Lebensraum aus.
Die geschilderten Entwicklungen werden sich im Zuge der raumplanerisch notwendigen und von der Bevölkerung geforderten Verdichtung nach innen nicht nur fortsetzen, sondern verstärken. Ob und wann der Verkehrslärm in den Städten etwa durch den Einbau von Flüsterbelägen, die zunehmende Elektromobilität oder eine Reduktion auf Tempo 30 abnehmen wird, ist ungewiss. Eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen baulichen und regulatorischen Praxis ist daher dringend notwendig.

Zielsetzung
Als Lärmschutz wird heute vornehmlich die technische Herausforderung verstanden, Innenräume vor Aussenlärm abzuschirmen. Das Forschungsprojekt hat demgegenüber eine ganzheitliche Betrachtung der Lärmschutzproblematik zum Ziel – mitsamt ihren städtebaulichen, architektonischen und sozialen Implikationen. Betrachtet wird folglich nicht nur die Gebäudehülle, sondern auch die Wohnung, gemeinschaftliche Räume und der städtische Raum. In Kooperation mit dem Departement Soziale Arbeit der ZHAW wird untersucht, wie sich städtische Dichte, qualitätsvolle öffentliche Räume und die Bedürfnisse verschiedenster Nutzergruppen mit Lärmschutz in Einklang bringen lassen. Auch unter Einbindung von Studierenden lotet das Forschungsteam die architektonischen Möglichkeiten innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen aus und sucht innovative Ansätze im Umgang mit ihnen.

Publikationen