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Fachpersonenbefragungen ADHS

Perspektiven von HeilpädagogInnen, LehrerInnen und KinderärztInnen

Auf einen Blick

Beschreibung

Im Kontext des Forschungsprojekts "Kinder fördern" wurden zwei online-Befragungen mit Fachpersonen zum Thema ADHS durchgeführt, um ihre Perspektive mit einbeziehen zu können.


1) Befragung Lehrpersonen und HeilpädagogInnen


In dieser Teilbefragung wurden Lehrpersonen und HeilpädagogInnen (n=223) in der Deutschschweiz zum Thema ADHS befragt. Fokussiert wurden Fragen zu den Ursachen des Phänomens, zur Erkennung, Diagnose und zum schulischen Umgang mit ADHS.
Neben Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten (quantitative Auswertungen) standen insbesondere auch offene, qualitative Fragen im Vordergrund.


Ergebnisse:


Um das Wohl des Kindes zu fördern, muss ADHS als ein mehrere Faktoren berücksichtigendes Phänomen verstanden, diagnostiziert und therapiert werden. Kompetente Abklärungen und die Zusammenarbeit der Akteure sind wichtig. Die Daten lassen zudem auf einen Paradigmawechsel schliessen, wonach zum herkömmlichen «bio-medizinischen» Modell (Störung im Neurotransmitterhaushalt), das alternative Modell einer «sozialen Konstruktion» vorgestellt wird, das verstärkt auf die Umwelt der Kinder eingeht. Die Ergebnisse zu dieser Teilstudie werden bis mitte 2019 publiziert werden.


2) Befragung KinderärztInnen

Zum anderen wurden KinderärztInnen (n= 151) in allen drei Schweizer Sprachregionen zum Thema ADHS befragt. Der Schwerpunkt der Befragung lag auf der Erfassung der aktuellen Praxis und der Bedarfe zur Diagnose und Therapie von ADHS.



Ergebnisse:
Zur Praxis in der Diagnostik berichteten die ÄrztInnen, dass sie für eine Diagnose durchschnittlich 3.1 Termine mit den Eltern und LehrerInnen durchführen, wovon die Kinder bei 2.4 Terminen mit einbezogen werden. Über 80% der KinderärztInnen verwenden Screening Instrumente und ca. 50% nutzen spezifische Instrumente zur Differentialdiagnostik.  Als Herausforderung bei der Diagnose werden die Subjektivität der Diagnose genannt und die damit verbundene Herausforderung, von den Eltern, Lehrenden und Kindern an aussagekräftige Informationen zu erhalten. Als ebenfalls herausfordernd werden die bestehenden Vorurteile gegenüber ADHS auf Seiten der Eltern, Lehrenden und der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Zur Praxis in der Therapie berichteten die ÄrztInnen, dass der Leidensdruck der Kinder einen zentralen Faktor für die Therapie darstellt. Sie klären ausführlich über die möglichen Therapieformen auf, insbesondere über die als Standard empfohlene multimodale Therapie, die pharmakologische und psychotherapeutische Therapieansätze kombiniert. Aus den Angaben zur Verschreibungspraxis der Therapien wird allerdings deutlich, dass Medikationen mit durchschnittlich 8 Verschreibungen im Monat doppelt so häufig verschrieben werden wie Psychotherapie, die wie Ergotherapie, durchschnittlich 4-mal im gleichen Zeitraum verschrieben wird. Als Herausforderung bei der Therapie werden entsprechend eine geringe Verfügbarkeit von Therapieplätzen genannt sowie fehlende Abrechnungsmöglichkeiten für die interprofessionelle Zusammenarbeit, beispielsweise mit Lehrenden.


Die Ergebnisse aus beiden Fachpersonen-Befragungen sind in die Handlungsempfehlungen eingeflossen, die als zentrale Publikation aus dem "Kinder fördern" Projekt eine Hilfestellung zum Umgang mit AD(H)S im Entscheidungsprozess für Betroffene und Fachpersonen bieten. Die Handlungsempfehlungen stehen allen Interessierten unentgeltlich zur Verfügung. Die Projektleitenden fungieren als Ansprechpersonen.

Weiterführende Informationen