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Psychosomatische Komorbiditäten: Einsatz von Screeninginstrumenten in der Haus- und Kinderärztlichen Praxis

Förderprogramm Interprofessionalität

Auf einen Blick

Beschreibung

Hintergrund:


Knapp 17 Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden an psychischen Störungen oder Erkrankungen, unterschiedlicher Ausprägung (Schuler & Burla, 2012). In ca. einem Drittel der Fälle liegen Komorbiditäten vor (Schuler & Burla, 2012; Tuch, 2018). Psychische und nicht-übertragbare Erkrankung weisen national und global steigende Inzidenz und Prävalenzzahlen auf (Institute for Health Metrics and Evaluation, 2016) und stellen für die Betroffenen und die Gesellschaft eine relevantes Public Health Problem dar.
Viele psychische Störungen (Angststörungen, Depressionen, Störungen des Sozialverhalten) treten schon früh im Leben auf. Im Kinderalter geht man global von 10–20% (Kieling et al., 2011) Betroffenen aus, wobei eine grosse Diskrepanz zwischen der Anzahl Kinder und Jugendliche in Behandlung und der tatsächlichen Anzahl an Betroffenen angenommen wird (Green et al., 2013). Unbehandelte psychische Störungen haben für alle Kinder und Jugendliche langfristige Folgen (z.B. Schulmisserfolge, Schulte-Körne, 2016) und führen zu einem Fortbestehen einer häufig bereits bestehenden sozioökonomischen Benachteiligung auch im Erwachsenenalter.
Damit Menschen mit psychischem und somatischem Krankheitsbild optimal versorgt werden können, muss einerseits das Bewusstsein für psychische Beeinträchtigungen bei vordergründig vor allem körperlichem Leiden geschärft werden, andererseits braucht es eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen den psychischen und den somatischen Versorgungsbereichen bzw. den darin tätigen Fachpersonen. Haus- und KinderärztInnen sind die Ärztegruppe, die von der Bevölkerung am häufigsten aufgesucht werden. Nicht zuletzt die NCD-Strategie hat diesem Umstand entsprechend das hohe Präventionspotential in der Primärversorgung festgehalten (BAG, 2016). Für viele Personen sind Haus- und KinderärztInnen langjährige Vertrauenspersonen, eine Basis, die für die Erfassung von psychischen Störungen und Risiken nicht unerheblich ist. Für diese wie auch weitere Gesundheitsfachpersonen bedarf es «Setting»-gerechter Instrumente, die es ermöglichen, die psychischen oder somatischen Risiken und Krankheitsbilder zu diagnostizieren. Dieser Bedarf nach einem validen Screening-Instrument für die Versorgungspraxis ist bislang nicht abgedeckt.


Ziel:

Das vorliegende Mandat zielt darauf ab, das Vorhandensein geeigneter Instrumente «für die Erkennung von psychischen Krankheitsbildern im somatischen Versorgungsbereich» für Erwachsene wie auch Kinder in deutscher, französischer und italienischer Sprache zu recherchieren und ihre Praktikabilität, Nutzungshäufigkeit und Akzeptanz zu evaluieren. Basierend auf den Befunden sollen unter Einbezug von Haus- und KinderärztInnen Screening-Instrumente empfohlen werden, die eine gute Eignung für einen Einsatz in der ärztlichen Arbeit aufweisen und eine hohe Akzeptanz erfahren. Die Instrumente sollen relativ schnell, und einfach anzuwenden sein und eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage bieten, ob die Patientin / der Patient nebst dem somatischen Krankheitsbild ein psychisches Krankheitsbild bzw. Störung aufweist und ob eine weitere Abklärung und evtl. eine somatisch-psychisch kombinierte Versorgung angezeigt sind. Im Fall, dass keine geeigneten Screening-Instrumente existieren, fokussiert das Projekt auf die Bereitstellung eines geeigneten Screening-Instruments. Zu diesem Zweck würde eine Validierungsstudie durchgeführt. Weitere Ziele bestehen darin das Bewusstsein für die hohe Prävalenz psychisch-somatischer Komorbiditäten zu erhöhen, zur Entstigmatisierung psychischer Krankheiten beizutragen und die Koordination zwischen psychischen und somatischen Versorgungsfeldern zu verbessern.

Handlungsempfehlungen in Bezug auf die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer schweizweiten Implementierung von Screening-Instrumenten, die sowohl den Anforderungen an die Gütekriterien, insbesondere in Bezug auf deren Sensitivität und Spezifität bei der Identifizierung psychischer Gesundheitsprobleme, als auch den Bedürfnissen der Anwendenden in der Praxis entsprechen.