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Technische Assistenz in Alter- und Pflegeinstitutionen

Bedarf und Akzeptanz aus Sicht der Fachpersonen

Auf einen Blick

  • Projektleiter/in: Prof. Dr. Heidrun Karin Becker
  • Projektteam: Ursula Meidert
  • Projektstatus: abgeschlossen
  • Drittmittelgeber: Andere (Curaviva)
  • Projektpartner: Verband Heime und Institutionen Schweiz, Curaviva
  • Kontaktperson: Brigitte Gantschnig

Beschreibung

Hintergrund

Die demografische Entwicklung in der Schweiz führt dazu, dass der Anteil an Menschen in der Bevölkerung, welche auf Pflege und Betreuung angewiesen sind, stetig zunimmt. Gleichzeitig besteht ein Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal. Es wird daher in der Versorgung älterer Menschen zunehmend auf neue Technologien gesetzt, die die Pflege und Betreuung unterstützen und entlasten. Die Technologie soll den älteren Menschen Autonomie und Selbstständigkeit ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit bieten, damit diese möglichst lang eigenständig Leben können.

Zielsetzung

Der Auftraggeber CURAVIVA, Verband Heime und Institutionen Schweiz, möchte klären, wie technische Assistenz die Pflegenden in Heimen unterstützen könnte, welchen Bedarf Pflegefachpersonen wahrnehmen und unter welchen Voraussetzungen technische Lösungen akzeptieren würden. Ebenso soll geklärt werden, welche Faktoren die Akzeptanz neuer Technologien in Heimen beeinflusst.

Die Studie soll der der Orientierung innerhalb der Organisation von CURAVIVA dienen und als Grundlage für eine geplante Hauptstudie dienen.

Methoden

Für die Beantwortung der Forschungsfragen wurde in einem ersten Schritt eine Literaturrecherche durchgeführt. Es wurde in verschiedenen einschlägigen Datenbanken mit Begriffen zur Technologie-Akzeptanz und Langzeitpflege gesucht. Zudem wurde eine Freihandsuche als Ergänzung durchgeführt mit der Suchmaschine Google-Scholar. Es konnten 27 Artikel eingeschlossen und ausgewertet werden.

Basierend auf den in der Literatur gefundenen Aspekte zur Technologie-Akzeptanz sowie dem erweiterten Technologie-Akzeptanz-Modell (TAM 2) von Venkatesh (2000) wurde ein Leitfaden für eine Expertenbefragung entwickelt. Vier Expertinnen aus der Langzeitpflege, je zwei aus der Deutschschweiz und der französischsprachigen Schweiz, wurden im Mai 2013 mit Hilfe des Leitfadens befragt. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert, z.T. übersetzt und mit inhaltsanalytischen Methoden ausgewertet.

In einem letzten Schritt wurde eine Synthese gebildet aus den Erkenntnissen aus der Litera-turrecherche und den erhobenen Daten aus den Experteninterviews.

Ergebnisse

Die Literaturanalyse zeigte, dass eine Reihe von Studien zur Akzeptanz von Technologie im Gesundheitswesen und in der Pflege durchgeführt wurden. Jedoch haben nur wenige Studien die Akzeptanz des professionellen Pflegepersonals in der Langzeitpflege zum Gegenstand. Aus den eingeschlossenen 27 Studien geht hervor, dass das Technologie-Akzeptanz-Modell weitgehend bestätigt werden konnte, d.h. dass Evidenz für die Beeinflussung dieser Faktoren auf die Technik-Akzeptanz in der Langzeitpflege gefunden wurde. Nützlichkeit und Bedienerfreundlichkeit der Geräte sind demnach die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Akzeptanz. Bildung, Funktion und Rolle sowie Erfahrung sind ebenfalls wesentlich. Es kamen weitere Aspekte hinzu: gemeinsamer Entscheidungsfindungsprozess im Team, Ethik, geteilte Werte und Normen, institutionelle Faktoren, individueller, situativer Nutzer-Technologie-Match. Über einige Faktoren wie Alter und Geschlecht können keine Aussagen gemacht werden, da sich die Studienergebnisse widersprechen oder keine ausreichenden Ergebnisse vorhanden sind.

Die Interviews haben gezeigt, dass in der Praxis bereits eine Vielzahl von technischen Hilfsmitteln und Systemen vorhanden sind. Die Expertinnen begrüssen den Einsatz von Technik vor allem dort, wo körperlich schwere Arbeiten verrichtet werden müssen, Routinearbeiten anfallen, zur Dokumentation und Kommunikation, zur Hygiene, als Erinnerungsfunktion, zur Unterstützung während der Nachtschicht, zum Monitoring und zur Mobilisierung. Es zeigte sich, dass sich die institutionelle Rahmenbedingungen unterscheiden und Einfluss nehmen auf die Bereitschaft, Technologie einzusetzen, z.B. ist in kleineren Institutionen der Langzeitpflege eher Mitsprache und Freiwilligkeit in der Anwendung neuer Technologien möglich als in grossen Einrichtungen, während grosse Einrichtungen über mehr Ressourcen verfügen. Die Pflegeexpertinnen betonten, dass Lösungen immer individuell abgestimmt werden müssen und der Einsatz von Technologie gut reflektiert und in Absprache mit den Bewohner/-innen zu erfolgen habe. Ethische Werte und Normen für den Einsatz von Technologien in der Langzeitpflege müssten dazu geklärt sein, in schwierigen Situationen wäre ethische Beratung hilfreich.