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Editorials Jahresbericht 2017

Digitalisierung: Herausforderung und Chance

Dr. Silvia Steiner, Regierungsrätin und Präsidentin des Fachhochschulrats

Die Digitalisierung hält überall Einzug, auch in den Hörsälen, Ateliers und Forschungslaboratorien der Zürcher Fachhochschulen. Nicht morgen oder übermorgen. Die Digitalisierung ist bereits Realität. Wie gehen wir mit der digitalen Transformation um, und wie können wir dafür sorgen, dass unser Bildungssystem auch in Zukunft zu den besten der Welt gehört?

Digitalisierung als Chance

Das Wichtigste vorweg: Es ist nicht so, dass wir von der Digitalisierung überrollt werden, wie Kulturpessimisten landauf landab immer mal wieder behaupten. Unsere Schulen und Hochschulen haben nicht reagiert, sondern sich dem Thema proaktiv und optimistisch gestellt: Digitalisierung ist keine Gefahr, sondern eine grosse Chance. Gerade für Länder wie die Schweiz, die Bildung auf hohem Niveau betreiben und international stark vernetzt sind. Es ist ein Fakt, dass die Digitalisierung die Art, wie geforscht und gelehrt wird, verändert. Das verlangt von den Hochschulen, aber natürlich auch den Dozierenden und den Studierenden, Offenheit und Flexibilität. Vernetzung ist das Wort der Stunde: Die Digitalisierung führt auch zu einer stärkeren Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Für den Bildungs- und Forschungsplatz Zürich kann dieser Megatrend eine Chance sein. Es sind viele erfolgsversprechende Partnerschaften möglich, sei es mit innovativen Startup-Unternehmen oder grossen Technologie-Firmen.

Neue Kompetenzen rücken in den Fokus

Die Hochschulen werden aber noch vor weitere Herausforderungen gestellt werden, denn die Projekte werden grösser, interdisziplinärer und aufwändiger – gerade, was die Infrastruktur betrifft. Es muss das Ziel bleiben, auch bei aufwändigerem Betrieb den Hochschulen genügend Raum zu geben. Nur so können sie in eigener Verantwortung die digitalen Herausforderungen meistern. Grosse Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Arbeit der Dozierenden: Weil Wissen überall abrufbar ist, beschränkt sich ihre Aufgabe immer weniger auf die pure Wissensvermittlung. Sie nehmen auch die Rolle eines Coachs oder Motivators wahr. Für die Studierenden bringt der Einsatz der digitalen Technologie mehr Flexibilität. Sie haben nun eine grössere Auswahl an Inhalten und Methoden und können ihre Lernprozesse effizient und auf ihre Bedürfnisse massgeschneidert gestalten. Gleichzeitig steigt der Druck: Weil das Wissen für alle jederzeit verfügbar ist, rücken persönliche Kompetenzen wie Kreativität, Teamfähigkeit oder Sozialkompetenz in den Fokus. Innovationsgeist und die Fähigkeit, in Varianten zu denken, werden über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Was brauchen unsere Fachhochschulen also, um im Zeitalter der Digitalisierung weiterhin erfolgreich zu bestehen? Die Antwort ist klar: Vernetzung, Aufgeschlossenheit und den Willen, sich immer wieder mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Mit Blick auf die vielen erfolgreichen Projekte unserer Fachhochschulen bin ich überzeugt, dass wir auf gutem Weg sind.

Wissenstransfer und digitale Transformation

Prof. Dr. Dr. h.c. Andrea Schenker-Wicki, Mitglied des Fachhochschulrats, Referentin ZHAW

Dr. Matthias Kaiserswerth, Mitglied des Fachhochschulrats, Referent ZHAW

Die ZHAW spielt als Fachhochschule eine wichtige Rolle beim Wissenstransfer an der Schnittstelle zwischen Forschung auf der einen Seite und Wirtschaft wie auch Gesellschaft auf der anderen Seite. Diese Transferrolle wird immer bedeutender, weil die Zyklen zwischen Innovation respektive Idee und Umsetzung immer kürzer werden. Gerade digitale Innovationen laufen in extrem kurzen Zyklen ab.

Interdisziplinäre Transferleistungen

Ein Beispiel für diese Transferleistung ist die interdisziplinäre ZHAW-Plattform Industrie 4.0 der School of Engineering, welche Unternehmen umfassend bei der Transformation zu Industrie 4.0. unterstützt. Die Plattform zeigt auf, wie mit der intelligenten Vernetzung von Anlagen, Produkten und Menschen neue Prozesse, Geschäftsmodelle und Services entstehen. Gerade in hochkomplexen Themenbereichen wie Data Science ist die Transferrolle von Hochschulen zentral. Mit dem 2013 gegründeten ZHAW Datalab, das eine der ersten interdisziplinären Data-Science-Initiativen in Europa war, ist die ZHAW gut aufgestellt. Im Netzwerk arbeiten inzwischen rund 70 Forschende aus drei Departementen zusammen. Tiefgreifende Veränderungen löst die «digitale Revolution» auch in den Life Sciences aus. Das Departement Life Sciences und Facility Management hat darauf reagiert und ein Center für High Performance Computing aufgebaut, das Forschenden zur Umsetzung rechenintensiver Algorithmen und Simulationen zur Verfügung steht.

Neben der Maschine steht auch der Mensch im Zentrum

Neben der Maschine steht für die ZHAW auch der Mensch im Zentrum. Forschende setzen sich mit den Auswirkungen der technologischen Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt auseinander. Das macht unter anderem die School of Management and Law mit ihren Untersuchungen zu den Auswirkungen der Digitalisierung im Banking, Verwaltungsmanagement und in der Gesundheitsökonomie oder das Departement Angewandte Psychologie mit Studien und Weiterbildungen zum Thema «Mensch in der Arbeitswelt 4.0». Auch die Lehre ist von der digitalen Transformation erfasst. Digitale Technologien ermöglichen innovative und flexiblere Lehr- und Lernformen und führen zu einem didaktischen Kulturwandel. Ein Beispiel aus der ZHAW ist das Studienmodell «Flex» im Bachelor Betriebsökonomie. Dieses kombiniert betreute Online-Lektionen mit Präsenzveranstaltungen und ermöglicht den Studierenden sehr grosse Flexibilität. In immer mehr Unterrichtsmodulen wird das Lernen von Faktenwissen ins Selbststudium ausgelagert, so dass in den Vorlesungen mehr Zeit bleibt für die praktische Anwendung und die Vertiefung von überfachlichen Kompetenzen wie Beraten und Kommunizieren. Zudem zeigen Beispiele aus der School of Engineering, wie der Einsatz von interaktiven Simulatoren oder Virtual-Reality-Umgebungen im Unterricht die didaktischen Möglichkeiten enorm erweitern.

Der Fachhochschulrat begrüsst, dass sich die ZHAW intensiv mit den vielfältigen Herausforderungen der digitalen Transformation für die ganze Institution befasst und eine Teilstrategie «Bildung und digitale Transformation» erarbeitet.

Ein Jubiläum mit Blick nach vorne

Prof. Dr. Jean-Marc Piveteau, Rektor

2017 feierte die ZHAW ihr 10-Jahr-Jubiläum. Vier Hochschulen waren es, die sich 2007 zusammenschlossen. Heute zählt die ZHAW mit ihren acht Departementen zu den führenden Schweizer Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. In diesem Zeitraum haben sich sowohl die Zahl der Studierenden als auch der Weiterbildungs­teilnehmenden mehr als verdoppelt und das Forschungs­volumen stark vergrössert. Das Jubiläum war aber nicht nur Gelegenheit für einen Rückblick. Wir nahmen den runden Geburtstag auch zum Anlass, um uns mit der zukünftigen Entwicklung unserer Hochschule zu beschäftigen. Beispielsweise am Hochschultag, der die Zukunft der Hochschullehre im Zeitalter der Digitalisierung in den Mittelpunkt stellte.

Wissenschaftlicher Nachwuchs wird gefördert

Bleiben wir bei der Zukunft. Einen wichtigen und erfreulichen Schritt konnten wir bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verzeichnen. Der Bund hat entschieden, im Rahmen der Projektgebundenen Beiträge 2017–2020 gemeinsame Doktoratsprogramme von Fachhochschulen und Universitäten zu finanzieren. An der ZHAW werden sieben dieser Kooperationen in ausgewählten Fachbereichen unterstützt. Dank dieser Programme können wir unserem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Perspektive bieten.

In der Forschung konnten wir die Fokussierung auf Schwerpunktthemen weiter vorantreiben. So hat der Forschungsschwerpunkt «Gesellschaftliche Integration» 2017 Fahrt aufgenommen: Ein interner Aufruf für Projekteingaben ist auf breites Interesse gestossen. 14 Projekte hat die Hochschulleitung ausgewählt, welche über die nächsten zwei Jahre gefördert werden. Mit diesem Schwerpunkt möchte die ZHAW ihre interdisziplinäre Stärke als Mehrspartenhochschule nutzen und damit einen wissenschaftlichen Beitrag zu drängenden gesellschaftlichen Fragen leisten.

In Anlehnung an die Energiestrategie 2050 des Bundes definierte die ZHAW bereits 2013 das Thema «Energie» als Forschungsschwerpunkt. Nach vier Jahren beschloss die Hochschulleitung, eine Gesamtevaluation des Forschungsschwerpunkts durchführen zu lassen. Es freut mich sehr, dass die externe Überprüfung durch Experten eine positive Bilanz ergeben hat. Der Bericht konstatiert, dass sich die ZHAW über die letzten drei bis fünf Jahre unter den Fachhochschulen der Schweiz in der Energieforschung eine führende Position erarbeitet hat. Auch in Zukunft wird «Energie» ein Fokusthema der ZHAW-Forschung und -Entwicklung bleiben.

Der Blick bleibt nach vorne gerichtet

Doch wir wollen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Die Verbesserung unserer Hochschule ist ein andauernder Prozess. So ging die Umsetzung eines umfassenden Qualitätssystems, das den Grundsätzen unserer Qualitätskultur gerecht wird, auch 2017 weiter. Ein zentraler Teil der Qualitätsstrategie sind Peer-Reviews aller Einheiten der ZHAW. Als erstes wurde 2017 die Hochschulleitung einem solchen Peer-Review unterzogen. Die interne Reflexion sowie der Austausch und Dialog auf Augenhöhe mit externen Fachkolleginnen und -kollegen haben sich als sehr bereichernd erwiesen.

Das Jubiläumsjahr war auch eine Zeit der Veränderung in der Hochschulleitung. Drei Direktoren gingen nach langjährigem Einsatz in Pension. Nachdem sie vom Fachhochschulrat gewählt worden waren, traten zwei Departementsdirektoren bzw. eine Departementsdirektorin 2017 ihr neues Amt an. Es freut mich sehr, dass wir in allen drei Fällen Persönlichkeiten mit langjähriger Erfahrung für diese wichtigen Aufgaben gewinnen konnten.