Eingabe löschen

Kopfbereich

Schnellnavigation

Hauptnavigation

Editorials Jahresbericht 2019

Optimale Bedingungen für Forschung und Lehre

Dr. Silvia Steiner, Regierungsrätin und Präsidentin des Fachhochschulrats

Die Zürcher Fachhochschulen sind ein Erfolgsmodell. Alle drei Hochschulen – die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) sowie die Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH) – haben sich gut etabliert und bieten den jungen Menschen im Kanton Zürich attraktive Ausbildungsangebote. Ihre anwendungsorientierte Forschung ist in der Gesellschaft und bei den Unternehmengefragt. Um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein, haben die Hochschulen ambitionierte Projekte und Initiativen gestartet. Stellvertretend seien hier drei davon erwähnt:

ZHAW, ZHdK und PHZH streben je einzeln die Akkreditierungdes Bundes als Fachhochschulen an – und damit die direkte Anerkennung als Hochschule. Sie werden sich damit noch eigenständiger in der Hochschullandschaft positionieren und etablieren können als bisher. Diese Änderung erfordert eine Neuorganisation der Zürcher Fachhochschule ZFH, die bisher als Dachorganisation diente. Zur Frage, wie die ZFH in Zukunft aussehen soll, führt die Bildungsdirektion im Auftrag des Regierungsrates eine Vernehmlassung durch.

Der Leistungsauftrag der Zürcher Fachhochschulen hat sich in den letzten Jahren quantitativ und qualitativ weiterentwickelt. Nebst Forschung und Lehre wurden die Bereiche Weiterbildung und Dienstleistungen gemäss den Anforderungen aus Gesellschaft und Wirtschaft stetig ausgebaut. Nun gilt es, auch die Anstellungsmodalitäten des Hochschulpersonals darauf auszurichten. In einem ersten Schritt muss der Kanton Zürich daher das kantonale Fachhochschulgesetz (FaHG) ändern und in der Folge dann auch die Personalverordnung der Zürcher Fachhochschule (PVF) revidieren. Diese beiden Schritte werden dazu beitragen, dass die Hochschulen ihren Leistungsauftrag noch flexibler erfüllen können und für qualifiziertes Lehr-, Forschungs- undVerwaltungspersonal attraktiv bleiben.

Für Dynamik an den Hochschulen sorgt unter anderem die Digitalisierung. Der Regierungsrat ist sich dieser Verantwortung bewusst und unterstützt deshalb die erste gemeinsame Initiative der Zürcher Hochschulen, welche ihre Anstrengungen im Bereich Digitalisierung enger miteinander verknüpft. Die Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen, genannt DIZH, soll die Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Zürich als Bildungs-, Forschungs- und Entwicklungsstandort stärken. Sie unterstützt Wirtschaft und Gesellschaft darin, die Chancen der Digitalisierung wahrzunehmen und für den Standort Zürich gewinnbringend zu nutzen. Dabei soll zum Beispiel ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung entstehen, an dem alle Zürcher Hochschulen beteiligt sind.

Die Zürcher Fachhochschulen sind für die Zukunft gut aufgestellt. Das erfüllt mich mit grosser Freude. Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die Fachhochschulen optimale Rahmen-bedingungen für Forschung und Lehre vorfinden. Denn ich bin mir sicher, dass der Bildungsstandort Zürich weiterhin von seinen hervorragend positionierten Fachhochschulen profitieren wird.

Wissen zugänglich machen

Prof. Dr. Dr. h.c. Andrea Schenker-Wicki, Mitglied des Fachhochschulrats, Referentin ZHAW

Dr. Matthias Kaiserswerth, Mitglied des Fachhochschulrats, Referent ZHAW

Dr. Thomas Ulrich, Mitglied des Fachhochschulrats, Referent ZHAW

Mit «Open Science» findet in der Wissenschaft ein Paradigmenwechsel statt hin zu einem freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access) und nun auch zu Forschungsdaten (Open Data). Die ZHAW hat bereits 2015 eine Open Access Policy beschlossen. Darin bekennt sie sich dazu, ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen, sofern keine rechtlichen Einschränkungen bestehen. Der nächste Schritt ist nun, die Forschungsdaten zugänglich zu machen. Es geht darum, Fördergelder effizient zu nutzen, z.B. durch die Vermeidung der Duplikation vorhandener Daten, eine gute wissenschaftliche Praxis durch mehr Transparenz zu unterstützen, und nicht zuletzt entstehen dadurch neue Möglichkeiten für Forschende.

Der Paradigmenwechsel zu Open Science verändert die wissenschaftliche Praxis. Stichworte dazu sind Datenmanagement, Reviewprozesse, Darstellung von Ergebnissen und verstärkte Überprüfbarkeit von Ergebnissen. Für die Fachhochschulen stellt sich zudem die besondere Herausforderung, dass der grösste Teil ihrer Forschung und Entwicklung mit Praxispartnern erfolgt, deren Bedürfnisse im Datenmanagement (inklusive Fragen der Vertraulichkeit) miteinbezogen werden müssen. Vor diesem Hintergrund hat die ZHAW 2019 ihre Policy zu Forschung & Entwicklung überarbeitet. Sie bekennt sich darin zur Open- Science-Bewegung und anerkennt gleichzeitig die vertraglichen und gesetzlichen Verpflichtungen im Falle von vertraulichen F&E-Projekten mit Anwendungspartnern oder Projekten mit schützenswerten Daten. Als Begleitung zum Kulturwandel führt die ZHAW diverse Pilotprojekte in verschiedenen Fachbereichen durch, um anhand konkreter Projekte die Anforderungen an Open Science zu thematisieren. Zudem befasst sich ein interdisziplinäres Team mit der Erarbeitung eines umfassenden Service-Angebots im Bereich Forschungsdatenmanagement. Dabei geht es sowohl um die Evaluation der geeigneten Tools als auch um die Service- Bedürfnisse der Forschenden, die so heterogen wie ihre Forschungsgebiete sind. Die ZHAW arbeitet zudem im Rahmen des Programms P-5 «Wissenschaftliche Information» von swissuniversities an zwei nationalen Projekten mit, die sich mit der schweizweiten Etablierung von einheitlichen Prozessen und Standards für den Zugang, die Bearbeitung und Archivierung von Forschungsdaten befasst.

Parallel zur Open-Access-Bewegung entwickelt sich die Open-Education-Bewegung mit der Forderung, Bildung frei zugänglich zu machen. Die ZHAW bekennt sich gemäss ihrer strategischen Ziele zur Kultur des Teilens, in der «Open Educational Resources» eine wichtige Rolle für die Lehre einnehmen können. Die ZHAW fördert und fordert die Bereitstellung, die Nutzung und die gemeinsame Weiterentwicklung von Lehr- und Lernmaterialien als offene Bildungsmedien durch die in der Lehre tätigen Mitarbeitenden und hat dieses Ziel 2019 mit der Verabschiedung einer entsprechenden Policy gestärkt.

Die Zukunft von Open Science beinhaltet viele offene Fragen, zum Beispiel rechtliche und ethische Fragen rund um Datenhoheit, Datenschutz, Nutzungs- und Persönlichkeitsrechte, Fragen zum Einbezug der Praxispartner oder wie Incentives geschaffen werden können, damit Open Science von der wissenschaftlichen Community gelebt wird. Der Fachhochschulrat nimmt mit Genugtuung zur Kenntnis, dass sich die ZHAW intensiv mit diesen Fragen auseinandersetzt und ihre Expertise auch innerhalb der schweizweiten Projekte einbringt.

Ein Zeichen setzen für Nachhaltige Entwicklung

Prof. Dr. Jean-Marc Piveteau, Rektor

Die Debatte über den Klimawandel hat seit einem Jahr eine Dynamik angenommen, die sich in der starken Mobilisierung junger Menschen manifestiert. Ich freue mich darüber aus zwei Gründen. Der erste Grund ist, dass dieses Thema die Aufmerksamkeit erregt, die es verdient. Der zweite Grund ist das starke Engagement der jüngeren Generation und insbesondere der Studierenden. Dies gilt auch für ZHAW-Studierende. Der ökologische Wandel ist ein Ziel, an dem kein Weg vorbeiführt, und die Hochschulen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die ZHAW ist sich ihrer Verantwortung bewusst. In unserer Hochschulstrategie haben wir uns mit dem Ziel «Transformativ» verpflichtet, unsere Mitverantwortung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft wahrzunehmen. Als Kompass dienen uns die 17 Ziele der UNO für Nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals. Sie decken alle Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft ab, wobei der Bereich Ausbildung und Forschung besonders betroffen ist.

An der ZHAW wurden bereits viele Initiativen auf Ebene der Departemente, der Institute oder der Studiengänge ergriffen. So betreiben wir langjährige Forschung, leisteten Pionierarbeit in verschiedensten Bereichen der Nachhaltigen Entwicklung und vermitteln das entsprechende Wissen nach innen und nach aussen. Wir wollen Studierende ausbilden, die sich für eine Nachhaltige Entwicklung und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzen. Es fehlte jedoch eine kohärente Vision und eine Koordination auf der Ebene der gesamten ZHAW. Aus diesem Grund hat die Hochschulleitung eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet, ein Green Impact Book verabschiedet und den Posten eines Nachhaltigkeitsbeauftragten geschaffen. Urs Hilber, Mitglied der Hochschulleitung und Direktor des Departements Life Sciences und Facility Management, übernimmt diese wichtige Funktion. Die Koordination der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie erfolgt unter seiner Federführung.

Neben dem ökologischen Wandel hat uns als weiteres strategisches Thema die digitale Transformation intensiv beschäftigt. Zwischen den beiden Themen besteht eine enge Verbindung. Die digitale Transformation wird massive Auswirkungen auf alle sozialen und gesellschaftlichen Ebenen haben. Heute muss sichergestellt werden, dass die digitalen Innovationen einen positiven Beitrag zum ökologischen Wandel leisten. Konkret haben wir eine strategische Initiative gestartet: «ZHAW digital»,

die 2019 richtig Fahrt aufnahm. Es geht um eine agile Organisationsstruktur, mit der wir besser auf die Herausforderungen des digitalen Wandels reagieren können. ZHAW digital funktioniert bottom-up als offenes Netzwerk, bestehend aus allen Mitarbeitenden der ZHAW, die im Bereich der digitalen Transformation wirken oder wirken wollen.

Von grosser Bedeutung ist auch der Aufbau einer engen Kooperation zwischen der ZHAW, der Universität Zürich, der Zürcher Hochschule der Künste und der Pädagogischen Hochschule Zürich im Rahmen der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen DIZH, die 2019 mit einem Beschluss des Zürcher Regierunsrates vorbereitet worden ist.