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Warum eine medikamentöse ADHS-Behandlung für mein Kind?

Als häufigste Gründe nennen Eltern von Kindern mit ADHS in einer ZHAW-Studie den Leidensdruck im Schul- und Familienalltag, familiäre Belastungen sowie schulische Leistungsanforderungen. Die Studie zum Entscheidungsprozess ist Teil einer schweizweiten interdisziplinären ADHS-Studie der Universität Freiburg, der ZHAW und des Collegium Helveticum der ETH und Universität Zürich.

Die Zunahme pharmakologischer Behandlungen bei ADHS führt in der Fachwelt, in den Medien und bei Betroffenen immer wieder zu Kritik, Besorgnis und ungeklärten Fragen. Warum entscheiden sich Eltern eigentlich für eine medikamentöse Behandlung ihres Kindes und mit welchen Herausforderungen sind sie dabei im Alltag konfrontiert?

Leidensdruck im Schul- und Familienalltag als wichtigster Entscheidungsmechanismus

Die Studienergebnisse aus Interviews und 87 Online-Fragebogen zeigen, dass der Weg zu einer Entscheidung durch langwierige Behandlungsgeschichten gekennzeichnet ist. Dabei erwägen die Eltern zu Beginn oft nicht etwa eine medikamentöse Behandlung als erstbeste Lösung, sondern probieren zuerst andere Behandlungsmethoden aus.

Aus der Perspektive der Eltern werden diese Behandlungen allerdings als ungenügend wirksam oder sogar wirkungslos beschrieben. Sie stellen bei ihren Kindern einen zunehmenden Leidensdruck fest, der sich häufig im schulischen Setting äusserte. Der Leidensdruck der Kinder zeigt sich gemäss den Erzählungen der Eltern in zu hohen Erwartungen in der Schule oder dem Druck, Leistungen erbringen zu müssen. Die Kinder müssten in der Schule gemäss Zitaten von betroffenen Eltern zu schnell «vom einem zum nächsten» gehen und hätten «zu wenig Spielraum», die Aufgaben so umzusetzen, wie sie das eigentlich wollten. Diese Überforderung führe schliesslich zu einer Unfähigkeit, dem Unterrichtsstoff folgen und Aufgaben zeitgerecht abliefern zu können.

Ihre Kinder litten unter einer Reizüberflutung und könnten mit der Flut von Informationen nicht umgehen. Auf einer emotionalen Ebene führe dies gemäss den Eltern dazu, dass die Kinder sich «vergesslicher, langsamer oder dümmer» als andere Kinder fühlen. Die Kinder seien dadurch oftmals «ausgegrenzt». Die Auswirkungen dieses steigenden Leidensdrucks, der anfänglich in der Schule auftaucht, und aufgrund dessen die Eltern mit der Zeit eine medikamentöse Behandlung in Betracht ziehen, beeinflusst zudem die familiäre Situation negativ.

Prinzip der Rückkopplung

Die Studienresultate zeigen ausserdem, dass es zu einer negativen Wechselwirkung der schulischen und familiären Herausforderungen kommt. Zu hohe Leistungsanforderungen in der Schule führen nicht nur zu einem Leidensdruck bei den betroffenen Kindern, sondern auch zu einer Überforderung im familiären Setting, die sich z. B. in Streit unter den Eltern äussert und sich dann wiederum negativ auf das Verhalten des Kindes auswirkt. In Bezug auf die ADHS-Situation wird die Problemlage verstärkt und es kommt zu einer gegenseitig negativen Begünstigung des schulischen und familiären Systems. Die Eltern bezeichnen diesen Prozess als ein «Hinüberschwappen».

Fachbeitrag in «elpost»

Weitere Details zur Studie des ZHAW-Instituts für Gesundheitswissenschaften sind im Fachbeitrag «Warum Eltern sich für eine medikamentöse ADHS-Behandlung ihres Kindes entscheiden – Erkundungen zum Entscheidungsprozess» (PDF 2,2 MB) von Soziologe Dominik Robin in der Juni-Ausgabe des Magazins «elpost» des Dachverbands ELPOS Schweiz zu entnehmen. Die Studie wird im Herbst 2017 abgeschlossen. Weitere Publikationen in Fachjournals sind geplant.

Kontakt

Dominik Robin, lic. phil.
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Departement Gesundheit
Institut für Gesundheitswissenschaften

dominik.robin@zhaw.ch
058 934 63 42