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«Geht es den Kindern gut, geht es der Schweiz besser»

Die diesjährige Swiss Public Health Conference 2019 am Departement Gesundheit der ZHAW stand ganz im Zeichen der Kinder- und Jugendgesundheit. Im Rahmen der Konferenz wurde ein Manifest verabschiedet, das Politik, Behörden und Verwaltung auffordert, mehr in die Prävention und Gesundheitsförderung in den frühen Lebensjahren zu investieren.

Lancierten das Manifest für die Kinder- und Jugendgesundheit mit einem Podiumsgespräch: Moderatorin Sonja Hasler, Hauptautor Daniel Frey, Muriel Langenberger von der Jacobs Foundation Zürich, EVP-Nationalrat Nik Gugger und Kurt Albermann Chefarzt Sozialpädiatrisches Zentrum Kantonsspital Winterthur (von links).
Der 17-jährige BMS-Schüler Flurin forderte an der SPHC im Namen zweier BMS- und Kantonsschulklassen ein eigenes Fach Gesundheit in den Schulen.
Reges Interesse: Rund 300 Teilnehmende zählte die diesjährige Swiss Public Health Conference.
In zahlreichen Vorträgen und Workshops wurden die Herausforderungen und Lösungsansätze in der Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen thematisiert.

«In der Schule wird Gesundheit bislang nur punktuell vermittelt. Wir fordern deshalb ein regelmässiges Schulfach Gesundheit ab dem Kindergarten.» Es war eine klare Forderung, die Flurin, ein 17-jähriger Schüler der Berufsmaturitätsschule Winterthur, an der Swiss Public Health Conference 2019 (SPHC) formulierte. Und es ist eins von mehreren Anliegen, die zwei BMS- und Kantonsschulklassen als Vertreter künftiger Generationen zur Förderung der Kinder- und Jugendgesundheit ausgearbeitet und den Teilnehmenden der Konferenz mit auf den Weg gegeben haben. Mit ihren Forderungen unterstrichen Flurin und Melina, eine weitere BMS-Schülerin, die Kernaussagen des «Manifests für Kinder und Jugendgesundheit», das an der SPHC lanciert wurde. Dieses richtet sich an Politik, Behörden und Verwaltung und fordert diese zum Handeln auf. Denn: Zwischen 10 und 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind gefährdet, gesundheitliche und soziale Probleme zu entwickeln, wie Sucht, Gewalt oder psychische Belastungen. 

In keiner anderen Lebensphase so wirksam

«Die Schweiz macht noch zu wenig für die Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen», sagte Daniel Frey, Hauptautor des Manifests und Vorstandsmitglied des Fachverbands Public Health Schweiz, am Podium. Angesichts der sehr hohen Kosten im Gesundheitswesen – rund 80 Milliarden Franken im vergangenen Jahr – biete die Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen ein grosses Sparpotenzial. Ein bedeutender Anteil nicht-übertragbarer Krankheiten könne mit Interventionen in den frühen Lebensjahren verhindert werden. «In keiner anderen Lebensphase sind präventive und gesundheitsfördernde Massnahmen so wirksam, nachhaltig und wirtschaftlich ertragreich», hob Frey hervor.

Dieser Ansicht war auch Podiumsteilnehmer Nik Gugger, Winterthurer Nationalrat (EVP) und Unternehmer: «In die Gesundheit der nächsten Generationen zu investieren, zahlt sich langfristig aus. Geht es den Kindern gut, geht es der Schweiz besser.» Gugger ist einer von zahlreichen Bundespolitikern, die vom Handlungsbedarf im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder und Jugendliche überzeugt sind und das Manifest unterstützen. Zu dessen Hauptforderungen gehören unter anderen eine gemeinsame, übergeordnete Strategie und eine Kinder- und Jugendkohorte, mit der repräsentative Daten erhoben werden können. «Ohne Daten ist eine gemeinsame Strategie sinnlos», so Daniel Frey. Bislang, das wurde im Verlauf der Konferenz immer wieder betont, ist die Datenlage zu Kinder- und Jugendgesundheit in der Schweiz noch sehr lückenhaft.

Auch das Verhalten der Vorfahren hat einen Einfluss

Dass die frühen Lebensjahre entscheidend für die spätere Gesundheit eines Menschen – und damit auch für die Leistungsfähigkeit und den allgemeinen Erfolg – sind, wurde an der Konferenz mit dem Ansatz der Lebenslaufperspektive und anhand zahlreicher Studien immer wieder illustriert. Julia Dratva, Mitautorin des Manifests und Leiterin der Forschungsstelle Gesundheitswissenschaften am ZHAW-Departement Gesundheit, erläuterte anhand der Lebenslaufperspektive, wie sich die Kombination von zahlreichen biologischen, sozialen und psychologischen Faktoren auf die Gesundheit von Kindern auswirkt. Auf diese können auch die Lebensumstände und das Verhalten der Vorfahren einen Einfluss haben. So verwies Dratva auf die epigenetische Programmierung, aufgrund derer sich beispielsweise eine falsche Ernährung oder Rauchen während der Schwangerschaft nicht nur negativ auf die Gesundheit des Kindes, sondern sogar auf die der Enkelkinder auswirken kann. «Unsere Gegenwart ist der Anfang eines Lebenslaufs künftiger Generationen. Und darauf müssen und können wir Einfluss nehmen.»

Komplexes Themenfeld

Die von Swiss Public Health, der Public Health School Schweiz und dem Departement Gesundheit gemeinsam organisierte SPHC zeigte, wie komplex und facettenreich das Thema Kinder- und Jugendgesundheit ist: In den zwei Tagen hatten die Rund 300 Konferenzbesucherinnen und -besucher vor und nach den Keynote-Sessions die Qual der Wahl zwischen zahlreichen Vorträgen, Workshops und Posterpräsentationen. Diese thematisierten die Herausforderungen und Risikofaktoren, wie Sucht, psychische Belastungen, Armut oder Umweltschadstoffe, aber auch Massnahmen und Handlungsfelder wie die Frühförderung und -intervention, Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule, Bewegung oder Ernährung. Ein besonderes Augenmerk galt mit einer eigenen Keynote-Session zudem der digitalen Transformation und deren Chancen und Risiken.