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«Firmen wissen mehr über uns, als wir glauben.»

Bruno Baeriswyl ist Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich. Big Data beschäftigt ihn jeden Tag.

Haben die Kunden von Big Data mehr Schaden oder Nutzen?

Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich

Bruno Baeriswyl: Wie alle Technologien hat auch diese zwei Seiten. Wichtig scheint mir, dass für den Kunden transparent ist, was mit seinen Daten geschieht. Wenn man Big Data zum Beispiel für personalisierte Werbung nutzt, kann das für den Kunden nützlich sein. Wird er aufgrund von algorithmischen Berechnungen von gewissen Dienstleistungen ausgeschlossen, ist das natürlich problematisch.

In welchen Branchen ist das Sammeln von grossen Datenmengen besonders heikel?

Überall dort, wo es aufgrund von Big Data Analytics zu Diskriminierungen kommen kann. Heikel ist beispielsweise der Versicherungsbereich.

Wo sehen Sie in der Schweiz Nachholbedarf?

Die Datenmenge wächst exponentiell. Gesetzlich müssten die Unternehmen zu mehr Transparenz verpflichtet werden. Der andere Bereich ist ganz klar die Sicherheit der Daten, damit diese vor Cyber-Attacken geschützt sind. Das Risikobewusstsein ist insgesamt noch zu wenig entwickelt. Es bräuchte eine vertiefte kritische Auseinandersetzung mit dieser Technologie. Nur so wird die Technologie in Zukunft einen Vorteil für die gesamte Gesellschaft bringen.

Was raten Sie Kunden, um ihre Daten zu schützen?

Es gibt zwei Dinge, die man beachten muss. Erstens sollten wir uns bewusst sein, dass Daten, die wir von uns preisgeben, für Zwecke verwendet werden, die für uns nicht transparent sind. Zweitens ist es aus meiner Sicht wichtig, dass der Kunde aktiv nachfragt, welche Daten an bestimmten Stellen von ihm erfasst und bearbeitet werden. Sonst verlieren wir völlig die Kontrolle darüber, was andere über uns wissen. Und das ist häufig viel mehr, als wir glauben.

Wo würden Sie eine solche Nachfrage platzieren?

Ich würde zum Beispiel bei meinen Versicherungen nachfragen, bei meiner Bank, dort, wo ich regelmässig einkaufe. Die Unternehmen sind verpflichtet, über meine Daten Auskunft zu geben.

Hochschulmagazin ZHAW-Impact

«Ethik» lautet das Dossier-Thema der aktuellen Ausgabe des Hochschulmagazins ZHAW-Impact. Wir berichten über den Besuch des Dalai Lama an der ZHAW und seinen Appell, in der Bildung mehr Gewicht auf innere Werte zu legen. Wir zeigen welchen Stellenwert Ethik im Studium und in der Forschung an der ZHAW hat. Eine Themenauswahl: Medizinische Berufe zwischen Fürsorge und Patientenautonomie, zwischen Leben erhalten und Sterbefasten. Architektur zwischen Design und Stadtreparatur. Big Data zwischen fairen und diskriminierenden Algorithmen. Bei solchen Dilemmata kann Ethik helfen, diese einzuordnen, Handlungsmuster zu überdenken, um letztlich angemessene Entscheidungen treffen zu können.