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Alumnus Roger Tschallener ist ein digitaler Wirbelwind

Online-Marketing ist die fortschrittlichste Spielart der Vermarktung. Roger Tschallener sind die Mechanismen von Klicks und Likes von Grund auf vertraut, doch auch als Teamleiter der Digital-Agentur Webrepublic lernt er laufend dazu.

Meetings hält Roger Tschallener am liebsten in der Jurte ab: Im Nomadenzelt mit Sitzkissen hat schon manches Online-Projekt seinen Anfang genommen. Wahlweise bieten sich auch eine Gruppe von Strandkörben, ein ausgemustertes Segelboot, eine Holzhütte oder ein Bällebad für Brainstormings an. Die Büros der Digital-Marketing-Agentur Webrepublic sind eine Mischung aus Villa Kunterbunt und Industrie-Loft.

«Mit den verschiedenen Begegnungsorten wollen wir Teamgeist und Kreativität fördern», sagt Tschallener. Als Head of Digital Marketing Strategy führt er ein achtköpfiges Team – lauter onlinebegeisterte junge Leute, die das Internet und seine Mechanismen kennen und dafür sorgen, dass die Kunden im Kampf um Aufmerksamkeit auf die richtigen Werkzeuge und Kanäle setzen. Das Geschäft läuft so gut, dass die Firma laufend expandiert.

Auf Expansionskurs

«Ich merkte, dass ich für Firmen, die noch gar nicht online sind, etwas in Gang bringen kann»: Roger Tschallener, Teamleiter der Digital-Agentur Webrepublic.

Innerhalb von knapp zehn Jahren ist Webrepublic auf 160 Mitarbeitende gewachsen und kommt kaum nach mit Rekrutieren. Praktisch jeden Monat werden neue Digital-Talente aus Kommunikation, Marketing, Informatik, Mathematik, Physik oder Ökonomie eingestellt. «Wir leben von der Vielfalt», sagt Tschallener, der seit 2012 dabei ist, «jeder bringt seine Geschichte und seine Erfahrungen ein, so können wir uns gegenseitig inspirieren.» Eine besondere Anziehungskraft besteht bezüglich der ZHAW: Zahlreiche Mitarbeitende sind Absolventen, so auch Tschallener.

Diplomarbeit über Shitstorms

Der 30-Jährige ist mit dem Netz gross geworden. Schon als Primarschüler baute er mit Gratis-Tools, die er online aufstöberte, seine erste Website. «Ich war neugierig auf alles, was das Internet bot», sagt er, «das ist bis heute so geblieben.» Die Lehre machte er als Systemtechniker in der Informatikabteilung der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf. Nach einem Abstecher zum Fernsehsender Star TV schrieb er sich an der ZHAW für den Studiengang Journalismus und Organisationskommunikation ein. Dort tat sich ein Fach auf, das ihn fesselte: Digitale Kommunikation. Seine Diplomarbeit verfasste er zu einem Thema, das heute aktueller ist denn je: Krisenkommunikation auf Social Media, kurz: Shitstorms.

«Von der praxisorientierten Ausrichtung des Studiums mit den vielen Fallbeispielen und der Nähe zur realen Wirtschaft profitiere ich heute noch.»
Zu seinen Vorzeigeprojekten gehört die Digital-Kampagne für den Weltfussballverband Fifa, mit der er während der Fussballweltmeisterschaft 2018 für viralen Wirbel sorgte.

«Von der praxisorientierten Ausrichtung des Studiums mit den vielen Fallbeispielen und der Nähe zur realen Wirtschaft profitiere ich heute noch», sagt Tschallener. Viel von seinem Rüstzeug holte er sich in zwei Praktika. Für die ZHAW arbeitete er an der Kommunikation für die hauseigene E-Learning-Plattform, für die Flugsicherung Skyguide baute er die Social-Media-Strategie auf. «Ich merkte», so Tschallener, «dass ich für Firmen, die noch gar nicht online sind, etwas in Gang bringen kann.» Stark profitierte er auch von seiner Teilzeitstelle bei der Risikokapitalfirma Redalpine, die er während der ganzen Studienzeit hatte. Dort kümmerte er sich nicht nur ums Online-Marketing von Redalpine selbst, sondern unterstützte auch deren Startup-Beteiligungen. Dank diesen Erfahrungen konnte er vor sechs Jahren ohne Umweg über eine Praktikantenstelle direkt bei Webrepublic einsteigen.

Vieles vom nötigen Know-how zu Themen wie Online-Werbung oder Suchmaschinenoptimierung (SEO) erarbeitete sich Roger Tschallener in Eigenregie. Gibt es eine Konstante in seinem Werdegang, so ist es das permanente Lernen. «Alles, was ich bei der ZHAW gelernt habe, kann ich gut gebrauchen», sagt er, «trotzdem muss ich mich konstant weiterentwickeln.» Als digitaler Vorreiter ist das ein Muss, denn die Tools von heute sind morgen schon von gestern. Mit immer ausgefeilteren Techniken kämpfen die Online-Vermarkter um Aufmerksamkeit: Daten werden personalisiert und Nutzer gezielt angesprochen, die Performancemessung erfolgt umgehend in Form von Klickzahlen und Konversionsraten. Facebook, Instagram, Youtube, Blogs – die Auswahl an Kanälen ist riesig, und laufend entstehen neue Plattformen mit ihren Zielgruppen.

Lernende Organisation

Entsprechend versteht sich die Webrepublic als lernende Organisation, in der permanente Weiterentwicklung oberstes Gebot ist. «Mein Team funktioniert als Schwarmintelligenz», sagt Tschallener. Vorrangig seien Grundkompetenzen wie Eigeninitiative, selbstständiges Arbeiten und Begeisterung für die digitale Welt, spezifische fachliche Qualifikationen kommen erst an zweiter Stelle. Das zeigt sich auch bei der Rekrutierung: Wer sich bei Webrepublic für einen Job bewirbt, kann sich nicht hinter akademischen Würden verstecken. Jeder Kandidat und jede Kandidatin muss beim Vorstellungstermin einen Fall lösen und präsentieren. Die Vorbereitung unter Zeitdruck liefert Hinweise auf Persönlichkeit und Arbeitsmodus. Tschallener fasste damals die Aufgabe, ein Konzept für eine Online-Musiklehrervermittlung zu erstellen mit Fokus auf SEO.

«Je mehr ein Kunde weiss, desto spannender wird die Zusammenarbeit.»

Eine gute Digital-Kampagne erreicht ihre Zielgruppe zur richtigen Zeit und mit der richtigen Botschaft: Was einfach klingt, ist in Wahrheit hochkomplex. Tschallener und sein Team organisieren für ihre Kunden Workshops, veranstalten Audits und entwickeln dann auf sie zugeschnittene Vermarktungskonzepte. Das läuft partnerschaftlich ab: «Wir wollen dem Kunden möglichst viel Wissen vermitteln und mit ihm zusammen wachsen», sagt er, «je mehr ein Kunde weiss, desto spannender wird die Zusammenarbeit.» Zu seinen Vorzeigeprojekten gehört die Digital-Kampagne für den Weltfussballverband Fifa, mit der er während der Fussballweltmeisterschaft 2018 für viralen Wirbel sorgte: Der erfolgreichste Tweet generierte über eine halbe Million Retweets. Während des ganzen Turniers zählte die Fifa über zehn Milliarden Impressions.

Small Talk statt Big Data

Nicht nur internationale Namen stehen auf der Kundenliste, sondern auch KMUs und Startups, die manchmal auch einfach nur eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen Facebook-Post benötigen. Für das Chocolarium, das Schokolade-Museum von Maestrani, entwickelte Tschallener mit seinem Team die gesamte digitale Markenstrategie. Für den Krankenversicherer CSS feilt er am Content-Marketing, mit dem Inhalte nutzerfreundlich und personalisiert aufbereitet werden. Für Herofest, die im vergangenen Herbst lancierte Berner Messe für Gaming und Fantasy, war er für den Aufbau der ganzen Markenwelt zuständig – von der Namensfindung über den optischen Auftritt bis hin zur digitalen Vermarktung.

Nach Abschluss von grösseren Projekten kommt es in Tschalleners Team häufig zu einer Feier. Manchmal laden Mitarbeitende zum Feierabend auch Freunde von auswärts zu einem Drink zu Webrepublic ein. Dann ist Small Talk statt Big Data angesagt; zu sehen gibt’s in dem Eklektik-Kosmos auch mehr als in jeder öffentlichen Bar. «Arbeit soll auch Spass machen», findet Roger Tschallener. Und wo geht das besser als in einer Firma, die auch eine Community ist?

Autorin: Corinne Amacher

Hochschulmagazin ZHAW-Impact

«Studium der Zukunft» lautet das Dossierthema der Dezember-Ausgabe des Hochschulmagazins ZHAW-Impact.

Eine Auswahl der Themen:
Individualisiertes und flexibles Lernen für die digitale Transformation – eine neue ZHAW-Teilstrategie begründet den Masterplan für die nächsten zehn Jahre. Kreativer, flexibler und aktueller, so stellt sich Leandro Huber, der Präsident der Studierendenorganisation VSZHAW, sein Studium der Zukunft vor. Die Lernfabrik an der School of Engineering erklärt das Prinzip Industrie 4.0. Im Biotech-Labor der Zukunft können Studierende ihre Experimente von unterwegs kontrollieren. Kreativ sein, ausprobieren, Fehler machen dürfen: Bei den Lernkonzepten «Service Design» und «Collaborative Online International Learning» steht Erfahrung im Fokus. Hybride Lebensläufe: Rafael Freuler – der einstige Internetunternehmer ist Quereinsteiger in die Soziale Arbeit. Halb real, halb online studieren mit Blended Learning. Mit Seamless Learning Brüche in der Lernbiografie verhindern. Lesen Sie weitere Beiträge über praxisorientiertes Studieren und Prüfungen der Zukunft.

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