Absolventenporträt: Labordaten-Bändiger

Er sorgt als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Lonza unter anderem dafür, dass die Flut an Labordaten effizient analysiert und verarbeitet werden kann. Das Rüstzeug dafür hat Thomas Heimen an der ZHAW erworben.

Biotechnologe Thomas Heimen

Manche sagen, man könne seinem Schicksal nicht entrinnen. Das würde Thomas Heimen vielleicht nicht unterschreiben. Trotzdem: Die Lonza scheint sein Schicksal zu sein. Sein Grossvater arbeitete hier – einer der typischen Walliser Arbeiter-Bauern –, sein Vater ist seit seiner Lehre als Laborant in dem Unternehmen. Jetzt also auch Heimen junior. Der 31-Jährige lacht, als er erzählt, wie es ihn zur Lonza verschlagen habe: Er sass an seiner Masterarbeit an der ZHAW und machte sich Gedanken über seine Zukunft. «Ich hätte gerne in Basel gearbeitet», sagt er. Doch als der frischgebackene Biotechnologe den Stellenmarkt konsultierte, stolperte er immer wieder über Ausschreibungen der Lonza. Schliesslich entschied er sich, bei der Lonza in Visp als Scientist für Fermentationsentwicklung ins Berufsleben zu starten. «Also war ich schneller wieder im Wallis, als ich gedacht hätte.»

Daten schnell und smart auswerten

Die Lonza – 1897 als Elektrizitätsunternehmen gegründet – ist heute ein internationales Chemie- und Pharmaunternehmen. Zum Geschäft gehören etwa die Entwicklung und der Tech-Transfer von kundenspezifischen Prozessen zur Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen. Dabei ist die Fermentation ein wichtiger Teil. Bei der Fermentation werden Mikroorganismen in Bioreaktoren getestet, in denen die Wachstumsbedingungen exakt gesteuert und optimiert werden können. So produzieren die kultivierten Organismen die gewünschten Stoffe in optimaler Qualität und in höheren Konzentrationen.

Durch Parallelisierung und Automation können in einem bestimmten Zeitraum mehr Experimente in Fermentationsprozessen durchgeführt werden.  Gleichzeitig erlaubt die moderne Sensor- und Computertechnik eine höhere Datendichte. Insgesamt hat damit die Datenmenge, die in solchen Projekten gewonnen wird, extrem zugenommen. «Heute wird in bestimmten Prozessen innerhalb von zwei Wochen die gleiche Datenmenge generiert wie früher in mehreren Jahren», erklärt Heimen.  Und hier kommt nun Smart Data ins Spiel.

«Heute wird in bestimmten Prozessen innerhalb von zwei Wochen die gleiche Datenmenge generiert wie früher in mehreren Jahren.»

Thomas Heimen

Die Daten müssen nicht nur schnell, sondern auch intelligent verarbeitet werden. «Auswertung von Daten in Excel-Tabellen und Ablegen in Ordnern soll der Vergangenheit angehören», erklärt Heimen. «Aktuell läuft die Implementierung einer Datenbank-basierten Software, mittels deren kontinuierliche Prozessdaten und assoziierte Metadaten standardisiert erfasst, in Berechnungen und Modellen weiterverarbeitet und automatisch abgelegt werden», erklärt Heimen. Einerseits können so auf lange Frist statistische Methoden systematisch auf grosse Datenbestände angewendet werden – das sogenannte Data-Mining. Diese Innovation ist auch nötig, denn nicht nur durch Konzepte wie Industrie 4.0, sondern speziell auch in der Pharmaindustrie steigen die Ansprüche an Qualität und Auflösung der Daten stetig. Andererseits sind die erhöhten Anforderungen der regulatorischen Behörden bezüglich Datenintegrität ein aktuelles Thema. Das Geschäft wird immer schnelllebiger, was den Zeitdruck bei der Datenauswertung erhöht. 

Das Rüstzeug für seine Tätigkeit auch in Bezug auf Smart Data hat sich Thomas Heimen während seines Studiums an der ZHAW in Wädenswil geholt: «Hier wurde mir deutlich gemacht, wie wichtig die genaue Auswertung von Daten bei Bioprozessen ist.» Wird es im Labor der Zukunft überhaupt noch Laboranten geben, die irgendwelche Flüssigkeiten in Reaktoren füllen – oder werden Roboter den Job übernehmen? Heimen lacht: «Wohl eher nein», sagt er. «Aber ich kann mir vorstellen, dass alle  Laboranten mit einem Tablet herumlaufen.»

Autorin: Astrid Tomczak-Plewka

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