Digitalisierung - Höhere Attraktivität der Lehre

Die digitale Transformation ist ein gesellschaftlicher Umbruch, der die Hochschule in hohem Mass betrifft. Informationstechnologien durchdringen immer stärker Lehre und Lernen und leiten für die Dozierenden einen Kulturwandel ein. Doch der klassische Präsenzunterricht wird eine tragende Rolle behalten.

Immer mehr Bereiche von Gesellschaft und Wirtschaft werden in immer stärkerem Ausmass von digitalen Technologien und Applikationen beeinflusst und verändert. Auch die Hochschule ist in dieser Hinsicht in einem konstanten Wandel, der alle Bereiche betrifft.

Die Digitalisierung der Lehre ist deshalb für die ZHAW von strategischer Bedeutung. Die ZHAW setzt Lehr- ­ und Lernformen um, die von digitalen Technologien unterstützt werden, führt die nötigen Infrastrukturen ein und begleitet Studierende und Dozierende in diesem Prozess. Computerräume werden zunehmend aufgehoben und stattdessen die Geräte der Studierenden sinnvoll in der Lehre eingesetzt. Damit einher geht ein eigentlicher Kulturwandel für die Dozierenden: Weil Wissen überall abrufbar wird, sind die Studierenden heute mehr auf Orientierungshilfe denn auf Wissensvermittlung angewiesen. Der Dozent nimmt deshalb immer stärker die Rolle eines Coachs und Motivators ein. Verschiedene ZHAW-­Departemente wie Life Sciences und Facility Management (LSFM), die School of Management and Law (SML) sowie Soziale Arbeit haben bereits entsprechende Strategien entwickelt. Ziele des Einsatzes von digitalen Technologien sind: eine höhere Flexibilität für die Studierenden durch mehr Varianten an Bildungsangeboten, der Erwerb von Medienkompetenzen und eine effizientere und wirkungsvollere Gestaltung der Lehrprozesse. Damit wird die Attraktivität, Qualität und Wirksamkeit der Bildungsangebote erhöht und ein innovatives, positives Image der Departemente gefördert. Um dies zu erreichen, unterstützen die Departemente Lehrpersonen wie Studierende mit der entsprechenden Infrastruktur und in der Anwendung und Entwicklung von E-Learning-­Angeboten.

Online-Tests für flexibles Selbststudium und kompetenzorientierte Prüfungen

Die elektronisch unterstützte Überprüfung von Fachkenntnissen ist ein Bereich des sogenannten E­-Assessments. An der ZHAW dominieren formative Online­-Tests, welche die Studierenden ortsunabhängig im Selbststudium bearbeiten. Mittels automatisch ausgewerteter Aufgaben erhalten sie Feedback zu ihrem Lernfortschritt. Sofern die Tests zeitlich flexibel sind, werden individuelle Lerngeschwindigkeiten berücksichtigt. Diese E-Assessments sind organisatorisch und sicherheitstechnisch unproblematisch. 

Höhere Anforderungen an Technik und Sicherheit stellen dem gegenüber notenrelevante Online­-Prüfungen. Am Departement LSFM führen Dozierende seit mehreren Jahren mit Klassen von bis zu 200 Studierenden elektronische Leistungsnachweise durch. Die Studierenden lösen die Prüfungsaufgaben auf ihren eigenen Geräten, jedoch in Präsenz und unter Aufsicht. Im Jahr 2016 wurden Prüfungen mit dem Safe Exam Browser (SEB) durchgeführt, welcher den Computer zu einer gesicherten Arbeitsstation macht. Die Pilot-Prüfungen an den Departementen LSFM und SML wurden von der ETHZ begleitet, wo der SEB entwickelt wird. Beide Hochschulen konnten von den Erkenntnis­sen der E­Assessments auf Studierenden­-Geräten, sogenannter BYOD (Bring Your Own Device)­-Prüfungen profitieren.

Die didaktischen Vorteile von Online­-Prüfungen zeigen sich insbesondere bei der Überprüfung von Kompetenzen, die in der heutigen Arbeitswelt digital benötigt werden. Aufgaben zur Programmierung von Softwares und Übersetzung von Texten können sinnvoller und ohne Medienbruch elektronisch durchgeführt werden.

Räumlich unabhängig mit Web-Seminaren und Online-Lerngemeinschaften

Die Aneignung überfachlicher Kompetenzen zur Bewältigung des Studiums stand im Zentrum des ZHAW-­weiten Online­-Angebots «Study smarter, not harder». In einem interaktiven Web-­Seminar referierten Experten über Selbstorganisation und Lerntechniken, Strategien zur Literaturrecherche und Quellenbewertung sowie Einschätzungen von Cyber-Risiken. Die Studierenden konnten während und anschliessend an die Kurzreferate Chat­-Funktion und virtuelle Wandtafel nützen. Diese Themen werden zwar zu Beginn des Studiums behandelt. Doch die Fragen stellen sich den Studierenden oft erst während des Studiums; mit dem Online­-Seminar sollten die Studierenden in dieser Phase ihres Lernprozesses unterstützt werden. Auf Departementsebene geschieht die Förderung überfachlicher Kompetenzen mit neuen webbasierten Tools wie beispielsweise MyCompetence und MyStudybox der SML. Auf MyStudybox sind umfassende Materialien zu Themen wie kritisches Denken, Präsentationstech­nik oder Teamfähigkeit zum Selbststudium für den Studierenden aufgeschaltet. MyCompetence ist entsprechend eine didaktische Unterstützung für die Dozierenden, um diese Kompetenzen zu bewerten.
Im Zuge der Digitalisierung rücken auch persönliche Kompetenzen wie Kreativität, Teamfähigkeit oder Sozialkompetenz in ein neues Licht, da diese Fähigkeiten nicht durch einen Computer automatisierbar sind. An der ZHAW können Studierende über die Plattform Mahara eigene Portfolios erstellen, auf denen sie über die Entwicklung ihrer Stärken und ihrer Kenntnisse reflektieren. Die Departemente Gesundheit, LSFM und Soziale Arbeit nutzen auch elektronische Präsentationsportfolios für Bewerbungswecke. Darin können Studierende persönliche Kompetenzen darstellen und sich beispielweise mit filmischen Statements präsentieren.

Blended Learning als etablierte Lehr- und Lernform

Kernelement der Digitalisierung ist aber der eigentliche Unterricht. Die Begriffe E­-Learning, Blended Learning oder auch Online­-Learning beschreiben unterschiedliche Intensitäten der technologie­ unterstützten Lehre. E­-Learning kann als Ergänzung und Anreicherung des Präsenzunterrichts verstanden werden und Blended Learning als eine Abwechslung von Präsenzunterricht und virtuellen Lernphasen. Ein ausschliessliches Online­-Studium ist kein Thema für die ZHAW: Der Präsenzunterricht bleibt ein wichtiger Pfeiler der Lehre.

Doch der Anteil des virtuellen Studiums nimmt zu. Das Departement SML hat erstmals gut die Hälfte eines Lehrgangs auf Online­-Selbststudium ausgerichtet: Der neu eingeführte Studiengang Flex in der Vertiefung Banking and Finance beschränkt den Präsenzunterricht auf zwei Tage alle drei Wochen bei identischem Arbeitspensum gegenüber dem Teilzeitprogramm. Diese Form des Blended Learning ist in der Schweiz bisher einzigartig. An der School of Engineering werden im Rahmen von Pilotprojekten neue digitale Lehrformen getestet. Im Zentrum stehen dabei der Einsatz von Lernvideos oder interaktiven Simulatoren im Unterricht sowie die Arbeit mit Virtual-­Reality­-Umgebungen und vernetzten Wissensplattformen. Und am Departement Gesundheit werden verschiedene Module in den BSc­-Studiengängen im Online­-Selbststudium bewältigt: Die Studierenden erarbeiten Inhalte, absolvieren Tests und können in virtuellen Foren Fragen an Dozierende und Mitstudierende stellen und bearbeiten. Die Online-­Module sind mit dem Präsenzunterricht verknüpft, und während fester Sprechzeiten werden die Inhalte auch im realen Schulraum diskutiert. Auch an den anderen ZHAW-­Departemen­ten sind zahlreiche Projekte zur Digitalisierung von Bildungsangeboten geplant oder bereits umgesetzt.

Neue Herausforderungen für Dozierende

Die Dozierenden sind in dieser Transformation gefordert. Sie müssen nicht nur in ihre neue Rolle als Coach und Motivator hineinwachsen, sondern auch die Technologien und Applikationen beherrschen und anwenden. Die Hochschule unterstützt sie dabei mit diversen Massnahmen: Mit Instrumenten zur Selbstevaluation können Dozierende ihre technischen und mediendidaktischen Kompetenzen einschätzen. Entsprechende Weiterbildungen werden online oder im Blended Learning angeboten, organisiert von den Departementen und von der Fachgruppe Blended Learning des Rektorats.

Die Umsetzung der Digitalisierung in der Lehre bewegt sich im Dreieck von ZHAW­-weiten Zielen, technischen Möglichkeiten und Anforderungen der einzelnen Departemente – und vor dem Hintergrund eines rasanten technologischen Wandels. Es stellen sich viele Fragen: Wie weit soll sich die Hochschule öffnen, indem sie interne Dienste einer externen Öffentlichkeit zur Verfügung stellt? Wie werden Materialien lizenziert und der Urheberrechtsschutz gewährleistet? Und wie werden die vielen technischen Möglichkeiten und Applikationen und die Strategien der einzelnen Departemente in der ZHAW-Infrastruktur koordiniert und weiterentwickelt?

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