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Mobiler Spielraum für Flüchtlingskinder

Flüchtlingskindern fehlt es meist an einem Raum zum ungestörten Spielen. Ein Projekt der ZHAW Soziale Arbeit lanciert nun einen mobilen Spielraum. Das Angebot richtet sich an Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern, die erst seit kurzem in der Schweiz sind.

Das Malen mit Pinsel und Wasserfarbe ist bei den Flüchtlingskindern sehr beliebt.

Studierende und Mitarbeitende der ZHAW, unterstützt durch die AOZ, öffnen seit September jeden Sonntagnachmittag die Türen zu diesem mit Spielsachen ausgerüsteten Raum, der rege genutzt wird. Zu einer gesunden Entwicklung eines Kleinkindes gehört ungestörtes Spielen in einer sicheren und anregenden Umgebung. Für viele hiesige Kinder eine Selbstverständlichkeit, nicht so für neu angekommene Flüchtlingskinder. «Sie lebten und leben unter schwierigen Bedingungen», erklärt Franziska Widmer, Dozentin am Institut für Kindheit, Jugend und Familie der ZHAW. So hätten sie auch hier in der Schweiz aufgrund der beengten Wohnverhältnisse selten Gelegenheit ungestört zu spielen. Es fehle an Räumen, die für Kleinkinder bis zum Alter von 4 Jahren eine anregende Umgebung bieten.
Das Projekt «Die Kleinen im Zentrum – ein mobiler Spielraum» will da eine Lösung bieten. Umgesetzt wird es zusammen mit dem Praxispartner, der Zürcher Fachorganisation AOZ, finanziert durch die Förderstiftung für Soziale Arbeit Zürich sowie durch eine Sachspende vom Migros-Kulturprozent und private Spenden.

Mobiler Spielraum öffnet seine Türen

Im vergangenen September fand der erste Spielnachmittag statt in einer Liegenschaft, welche die AOZ im Auftrag des Sozialamts des Kantons Zürich vorwiegend für Resettlement-Flüchtlinge aus Syrien führt. Der Spielraum hat während der knapp dreimonatigen Pilotphase jeden Sonntagnachmittag von 14 bis 16 Uhr geöffnet und wird von Studierenden und Fachpersonen der ZHAW betreut.
Der sonst anderweitig genutzte Raum wird kurzerhand in einen «Spielraum» umfunktioniert; die im Keller gelagerten Spielsachen und Einrichtungselemente werden hervorgeholt und attraktiv aufgestellt. Die Spielsachen sind einfach und möglichst nicht gekauft: verschieden gefüllte PET-Flaschen, leere WC-Rollen, Bauklötze oder Puzzles. Die Eltern besuchen den Spielraum mit ihren Kindern (bis 6 Jahre) und nutzen ihn auch als Elterncafé, nicht aber als Kinderbetreuung – so die Idee.

Grosse Resonanz, aber anders als erwartet

Das neue Spielangebot kommt gut an. Der Raum ist stets voll. «Die Kinder sind neugierig und erfreut über die Spielmöglichkeiten. Sehr beliebt ist das Malen mit Pinsel und Wasserfarbe», stellt die Studierende Renate Schlatter fest. Es habe sich allerdings auch rasch gezeigt, ergänzt die Projektleiterin Franziska Widmer, dass vor allem die älteren Geschwister die kleinen begleiteten, weniger die Eltern. Die Grossen würden das Spielen genauso geniessen. So seien zu Beginn bis zu 16 Kinder jeden Alters plus Erwachsene gekommen. «Wir mussten am Alter von null bis sechs Jahre festhalten», stellt Franziska Widmer fest. «Wir haben nun eine Mischform – etwas für die ganz Kleinen und auch etwas für die Grösseren.»
Die Teilnahme am Spielnachmittag kann sich auch hinsichtlich eines späteren Krippen- oder Kindergarteneintritts positiv auswirken. «Ich habe bemerkt, dass bei manchen Eltern Bedenken zum Eintritt in diese Einrichtungen reduziert werden konnten», führt die AOZ-Betreuerin Mona Lisa Kathan aus. Sie freue sich ausserdem darüber, wenn sich der sonst triste «Spielraum» sonntags mit viel Farbe, Leben und strahlenden Kinderaugen fülle. 

Knackpunkt Elternbegleitung

Gemäss Projektleiterin Franziska Widmer war absehbar, dass die aus fachlicher Sicht wichtige Elternbegleitung der Kleinkinder ein Knackpunkt sein wird. Denn Kleinkinder profitieren mehr vom Angebot, wenn sie durch eine vertraute Person begleitet werden. «Das funktioniert zwar auch mit den grossen Schwestern», sagt Franziska Widmer, «doch die wollen auch etwas – sei es basteln oder Kettchen machen.» Man denke deshalb darüber nach, für die grossen Kinder eine Bastelecke einzurichten.
Die Eltern wurden bisher wenig erreicht. Alle tun sich schwer mit der sprachlichen Verständigung. Aus diesem Grund ist nun ein Elternabend mit Dolmetscherinnen geplant, an dem die Idee des Projekts besser erläutert werden soll. Den Kindern hingegen fällt die Verständigung leicht. «Die meisten sprechen schon ein wenig Deutsch. Ein älteres Mädchen hat auch schon mal für die Kleineren übersetzt, als ich der ganzen Gruppe etwas mitteilen wollte», sagt Renate Schlatter.

Wie weiter?

Das nachhaltige Weiterführen von Angeboten der Integrationsförderung ist der AOZ ein wichtiges Anliegen. Deshalb sucht die AOZ nun in der Standortgemeinde geeignete Freiwillige, welche «Die Kleinen im Zentrum» in Zusammenarbeit mit der ZHAW im nächsten Jahr weiterführen. Interessierte Freiwillige wenden sich bitte per E-Mail an die AOZ Fachstelle Freiwilligenarbeit.