Chancenkiller Heimplatzierung?

Problematische Lebensverläufe werden in den meisten Studien auf die Faktoren Sozialisation und neurobiologische Vulnerabilität zurückgeführt. Diese Erklärung greife zu kurz, findet Prof. Dr. Thomas Gabriel, der an der ZHAW Soziale Arbeit ein Forschungsprojekt zum Thema «Heimplatzierungen im Kanton Zürich» leitet.

Ein Junge steht im Dunkeln mit dem Rücken zur Kamera und schaut aus einem hell erleuchteten Fenster heraus.
Quelle: Sam Wolff, flickr.com, CC BY 2.0

Die Umstände in Schweizer Heimen zwischen 1950 und 1990 müssen als problematisch bezeichnet werden. Doch trotz negativer Einflüsse auf die Entwicklung der betroffenen Kinder gelang es vielen von ihnen später, das Ruder herumzureissen und ihrem Leben eine positive Richtung zu geben. Welche Erkenntnisse lassen sich aus Vergleichen ihrer Lebensverläufe gewinnen?

Qualität dank Forschung

In der vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Studie «Heimplatzierungen im Kanton Zürich: Einflüsse behördlicher Entscheide zwischen 1950 und 1990 auf den weiteren Lebensverlauf» gehen Thomas Gabriel, Clara Bombach und Samuel Keller unter anderem der Frage nach, welche individuellen Lebensläufe sich nach der Fremdplatzierung ergaben. «Statt dafür zu plädieren, dass Heime abgeschafft werden, muss mehr Wissen darüber generiert werden, wie die Qualität von Heimerziehung verbessert werden kann», so Thomas Gabriel. Die von ihm geleitete Studie leisten einen massgeblichen Beitrag dazu.